Der Personen- und Güterverkehr soll sich verstärkt auf die Schiene verlagern. Das ist die Strategie der Grünen, die Gastredner Matthias Gastel, Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Nürtingen/Filder und bahnpolitischer Sprecher der Grünenfraktion, in einer Videoschaltung mit dem Landtagskandidaten Niklas Nüssle (Wutöschingen) für den Wahlkreis Waldshut den Zuhörern vermittelte. Nüssle selbst machte sich für die regionalen Bahnprojekte (Hochrheinbahn, Wehratal- und Wutachtalbahn) stark.

Zu wenig Geld für das Schienennetz

Die Bahn sei der Schlüssel zur Mobilitätswende. Viel müsse noch getan werden, in Baden-Württemberg habe sich schon einiges getan. Für Gastel immer noch zu wenig. Er nannte Zahlen: Seit 1992 sei das deutsche Straßennetz um 40 Prozent erweitert, das Schienennetz um 20 Prozent zurück gebaut worden. Gleichzeitig habe man so viel Schienenverkehr wie nie zuvor. 3,1 Milliarden Euro fließen in den Aus- und Neubau von Straßen, nur die Hälfte werde in das Schienennetz investiert.

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Strecken müssen reaktiviert werden

Die Bahnstrategie der Grünen: Der Anteil der Schiene am Verkehrsaufkommen soll von aktuell zehn Prozent bis 2030 verdoppelt werden, der Güterverkehr auf der Schiene im selben Zeitraum von 19 auf 30 Prozent zunehmen. Neben dem Ausbau der Bahninfrastruktur ist Gastel die Reaktivierung von Strecken wichtig. Hier sei Baden-Württemberg Spitze. Gastel: „Keine anderes Land geht bei der Reaktivierung so systematisch vor.“

Wutachtalbahn birgt viel mehr Potenzial

Exemplarisch dafür stehen die Wehratal- und Wutachtalbahn. Sie lägen Nüssle neben der Hochrheinbahn besonders am Herzen. Leider habe eine Studie für die Wutachtalbahn nur ein mittleres Fahrgastpotenzial errechnet. Nüssle: „Ich bin der Meinung, da geht noch viel mehr.“ Die Wehratalbahn habe weitaus besser abgeschnitten, aber dort gestalte sich die Reaktivierung schwieriger als bei der Wutachtalbahn, auf der bereits Züge rollen.

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Hochrheinbahn ist das wichtigste regionale Projekt

Der Ausbau und die Elektrifizierung der Hochrheinbahn betrachte der 26-Jährige als wichtigstes regionales Projekt für die Mobilitätswende. Er nannte zudem die Bahnlinie Zürich-Schaffhausen, die durch Jestetten und Lottstetten führt, und bei den Betrachtungen oft vergessen werde. Für den Abschnitt von Jestetten über Lottstetten bis zur Grenze plant die SBB bekanntlich einen Doppelspurausbau. Nüssle klang hoffnungsvoll: „An allen Bahnstrecken wird gearbeitet. Das gefällt mir sehr.“