Herr Küpfer, Sie sind im Landkreis Waldshut für die Ausbildung der Sprechfunker zuständig. Was bedeutet das genau?

Zunächst mal sollte man wissen, dass die Ausbildung zum Sprechfunker zum Teil eine Art Lebensversicherung für Kameraden ist, die sich zum Beispiel in einem Atemschutzeinsatz befinden. Dort ist das Funkgerät ein wichtiges Hilfsmittel zur Überwachung, Übermittelung von Einsatzgeschehen und falls der Trupp in eine Gefahrensituation kommt, mein Notrufmittel. Aus diesem Grund ist die Ausbildung zum Sprechfunker sehr wichtig. Grob zusammengefasst ist das Ziel eines solchen Lehrgangs also die Ausbildung und Befähigung zum Übermitteln von Nachrichten mit Sprechfunkgeräten im Feuerwehrdienst.

Was beinhaltet diese Ausbildung?

Hier wird in drei Bereiche unterteilt. Im Wesentlichen geht es erst einmal um rechtliche Grundlagen. Dazu gehören die Voraussetzungen zur Teilnahme am BOS-Sprechfunk, die Verwendung von zertifizierten Geräten, Frequenzzuteilung gemäß BNetzA, Strafvorschriften und Telekommunikationsgesetz. Es geht weiter mit dem theoretischen Wissen zu den physikalischen-technischen Grundlagen wie Reichweite, Wellenbereiche, Netzwerkaufbau, Verkehrsarten, Kanal, Gleichwellensysteme. Zum Schluss kommt der Sprechfunkbetrieb. Hier wird die Funktion der Geräte, die Bedienung, Fehlerbeseitigung, ein ordnungsgemäßer Sprechfunkbetrieb, die Alarmierung und das Funkmeldesystem vermittelt.

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Eine solche Ausbildung geht über zwei Tage. Sind die Kameraden dann parat für den Einsatz?

Die ausgebildeten Kameraden müssen das Erlernte nach der Schulung in ihren heimischen Feuerwehren weiter üben, um so die Perfektion zu erlagen, die es für Einsätze benötigt. Das liegt uns Ausbildern sehr am Herzen. Wir können in diesen zwei Tagen nur die Funkgeräte erklären und in die Funktion und Gespräche einweisen. Danach ist es wie bei allem – die notwendige Perfektion erreicht man nur durch üben.

Wie funktioniert das Ausbildungssystem der Freiwilligen Feuerwehr generell?

Hier greift die Verwaltungsvorschrift für Feuerwehrausbildung. In ihr ist die Reihenfolge ganz genau geregelt. Mit Eintritt in die Feuerwehr startet die Ausbildung Teil 1 zum Truppmann. Danach folgt Ausbildung 2 und dann erst kommt die Sprechfunkausbildung, gefolgt von Atemschutzgeräteträger, Maschinisten Ausbildung und zum Abschluss die Truppführer-Ausbildung. So hat jeder eine solide Ausbildung in allen Bereichen. Je nach Neigung können dann spezielle Lehrgänge belegt werden. Auch hier gibt es sehr viele Möglichkeiten.

Rolf Küpfer spricht über die Sprechfunk-Ausbildung bei der Feuerwehr und die Rahmenbedingungen während der Corona-Pandemie.
Rolf Küpfer spricht über die Sprechfunk-Ausbildung bei der Feuerwehr und die Rahmenbedingungen während der Corona-Pandemie. | Bild: Tina Prause

Jedem Mitglied steht es also frei, sich zu spezialisieren?

Ja, es gibt beispielsweise den Maschinisten, den Bootsführer, Gerätewart, Ausbilder, Taucher, Einsatz auf Bahnanlagen oder gefährliche Tierrettung. Hier hatten wir erst vergangene Woche einen Einsatz und konnten eine recht große Ringelnatter aus einem Wohnhaus befreien und wieder in ihren natürlichen Lebensraum bringen. Das kommt allerdings nicht jeden Tag vor.

In den vergangenen 18 Monaten waren eben diese wichtigen Schulungen nicht möglich. Wie haben Sie die Zeit überbrückt?

In den vergangen 18 Monaten haben wir über 40 Einsätze gefahren. Es war also nicht langweilig. Schlimmer war für uns, auf die sozialen Kontakte untereinander zu verzichten. Gerade diese Gemeinschaft ist jedem Mitglied sehr wichtig. Die Schulungen haben wir im begrenzten Rahmen durchgeführt, unter Berücksichtigung der geltenden Corona-Regeln. Das war nicht immer ganz einfach. Gut war, dass die Landesfeuerwehrschule in dieser Zeit viele Online-Schulungen angeboten hat. Im Landkreis Waldshut werden normalerweise jährlich circa 150 Personen nur im Bereich Sprechfunk ausgebildet. Da ist durch Corona ein Rückstau entstanden, den wir bis heute gut aufarbeiten konnten. Momentan haben wir einen Rückstand von 60 Bewerbern, die aber sukzessiv in 2021 noch ausgebildet werden sollen.

Nun konnte zum ersten Mal seit langer Zeit wieder eine Schulung stattfinden. Wie haben Sie die beiden Tage in Küssaberg erlebt?

Wir können allen Teilnehmern nur unser Kompliment aussprechen. Es hat wirklich reibungslos funktioniert. Zuerst mussten alle Anwesenden getestet werden. Danach konnte der Lehrgang beginnen. Während des Unterrichtes wurde Mundschutz getragen. Nach der Theorie erfolgte die praktische Unterweisung. Es war toll zu erleben, wie alle an einem Strang gezogen haben. Das haben auch die anderen Ausbilder so empfunden. Einige der Teilnehmer haben sich im Funkraum oder Fahrzeug sehr wohl gefühlt und werden hier sicher noch weitere Ausbildungen machen.

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Die Rahmenbedingungen waren dieses Mal aus einem anderen Grund nicht ganz einfach. Unwetter haben hier im Landkreis und in den benachbarten Bundesländern Einsätze Ihrer Kollegen gefordert. Hatte dies Auswirkungen auf die Ausbildung?

Auf diesen Lehrgang hatte es keinen Einfluss. Aber natürlich ist ein Teil der Gedanken bei den Kollegen, die vor Ort im Einsatz sind.

Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr zu sein, nimmt sicher einen wesentlichen Teil der Freizeit ein. Ist es unter diesem Gesichtspunkt nicht schwierig, ausreichend Nachwuchs zu finden?

Bis anhin konnten wir mit unserer Jugendfeuerwehr und mit Quereinsteigern unseren Bedarf decken. Wir sind auch sehr stolz, in dieser Gruppe einige Mädchen zu haben, die immer mit viel Freude dabei sind. Es gibt dennoch momentan in den einzelnen Jahrgänge Lücken, die uns schon Sorgen bereiten. Wer sich also dafür interessiert, ist jederzeit eingeladen unverbindlich bei uns reinzuschnuppern.

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Wie sind Sie eigentlich zur Feuerwehr gekommen?

Ein sehr guter Freund, den ich immer noch habe, hat mich zu einer Probe mitgenommen. Dort war ich sofort mit allen per Du. Viele Personen kannte ich damals vom täglichen Umgang. Man war sofort Teil der Gruppe. Ich bin immer überwältig von dem Wissen und der Tatkraft, die in den Feuerwehrkameraden steckt. Gemeinsam können wir dies bei unseren Einsätzen einsetzen. Auch wenn man privat ein Anliegen hat, gibt es immer jemanden der weiter weiß und hilft.

Bleibt denn bei Ihnen noch ausreichend freie Zeit?

Meine Freizeit verbringe ich mit meiner Ehefrau Angelika. Gemeinsam pflegen wir unseren Oldtimer und unternehmen Touren durch den Schwarzwald, rund um den Bodensee oder in die angrenzende Schweiz. Wir sagen immer: Wir leben dort, wo andere ihren Urlaub verbringen. Es gibt immer etwas Neues in unserer wunderschönen Heimat zu sehen und erleben.

Fragen: Tina Prause