Nach dem umstrittenen Lehrerentlassungen an der Waldorfschule Schopfheim beantragte eine Gruppe bei der Mitgliederversammlung detaillierte Auskünfte des Vorstands.

Die Vereinsmitglieder stimmten jedoch dagegen und stellten sich hinter den Vorstand. Michael Musolt, Vorstandsmitglied, sieht das als Wunsch, dass Ruhe in die Angelegenheit kommen solle.

Die Lehrerentlassungen sind ein Thema, dass die Mitglieder des Vereins Freie Waldorfschule Schopfheim, die Träger der gleichnamigen Schule ist, offensichtlich bewegt. Mehr als 200 Personen kamen jüngst zur Mitgliederversammlung. Üblich seien um die 50 Mitglieder, so der Vorstand.

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Bis alle im Saal und mit Karten für die Abstimmungen versorgt waren, dauerte es. Mit einer halben Stunde Verspätung konnte die Sitzung beginnen, auf deren Tagesordnung ein Antrag über Auskünfte zu den Lehrerentlassungen stand.

Hintergrund ist die Entlassung zweier Lehrer im Dezember 2021, da in deren Unterricht die Corona-Maßnahmen nicht eingehalten wurden und ihre Haltung zum Coronavirus, die sie auch im Unterricht vertraten. In einem gerichtlichen Vergleich wurden die Arbeitsverhältnisse anschließend beendet.

Mitglieder des Vereins haben daraufhin eine Anwaltskanzlei eingeschaltet, um gegen die Kündigungen vorzugehen und die Herausgabe interner Dokumente zu forcieren. Daraus resultierte nun der Antrag auf der Mitgliederversammlung.

18 Fragen zur Kündigung

„Transparenz über die fristlosen Kündigungen“ heißt der Antrag, den 54 Mitglieder namentlich, sowie weitere Mitglieder anonym eingebracht hatten. Er fordert den Vorstand auf, 18 Fragen zu beantworten – beispielsweise nach den konkreten Kündigungsgründen für die beiden Lehrer, wie die Vorfälle im Vorstand diskutiert wurden oder welche Kosten der Schule dadurch entstanden sind.

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Zwar hat der Vorstand bereits vor der Versammlung die Fragen schriftlich beantwortet, aber mit „zu wenig Inhalt“, wie die Antragsteller sagen. Vor allem die Frage nach den Kosten bleibe offen.

Vorstand räumt Fehler ein

In dem Antwortschreiben, das nur halb so lang ist wie der Antrag, räumt der Vorstand Fehler ein. Dass ein Lehrer aus dem Unterricht geholt wurde, sei der Ungeübtheit geschuldet, mit fristlosen Kündigungen umzugehen, heißt es dort.

Man habe den Weg der fristlosen Kündigung gewählt, weil sich Verstöße der Lehrer gegen die Corona-Verordnungen gemehrt haben und man Schaden von der Schule abwenden wollte.

Reaktionen auf die Vorwürfe

Am Freitagabend widersprach der Vorstand der Aussage der Antragsteller, dass die Kündigungsgründe vor Gericht keinen Bestand gehabt hätten. Das sei falsch. Auf den Vorwurf, die Antworten seien zu knapp, verwies der Vorstand auf den Datenschutz – man könne nicht alles preisgeben. Auch habe man über die Inhalte des gerichtlichen Vergleichs Stillschweigen vereinbart.

Für die Moderation der Versammlung hatte der Vorstand einen externen Moderator eingeladen. Rechtsanwalt Martin Malcherek sollte dafür sorgen, dass es zwischen den Mitgliedern und dem Vorstand fair zugehe, sagte er.

Meinungen zum Thema sind gespalten

Gleich zu Beginn der Sitzung zeigte sich, wie gespalten die Meinungen der Mitglieder sind. Der spontan eingebrachte Antrag, die Presse von der Versammlung auszuschließen, wurde mit 96 zu 81 Stimmen bei zwölf Enthaltungen abgelehnt.

Die Anträge, den Tagesordnungspunkt, der sich um die Lehrerentlassungen dreht, einerseits vorzuziehen und andererseits länger als die geplanten 15 Minuten zu diskutieren, wurden mit knapper Mehrheit abgelehnt.

Einige Mitglieder äußerten dazu später Kritik: „Warum wurde das alles nicht schon früher mit den Mitgliedern diskutiert?“, fragte eine Frau und bemängelte, dass man das nicht in 15 Minuten als letzten Punkt eines langen Abends diskutieren könne.

Eine andere Frau verwies darauf, dass die Möglichkeit durchaus bestand, Fragen zu stellen und man auch vom Vorstand Antworten zum Vorfall erhalten habe.

Das sagt der Schülersprecher

Schülersprecher David Klein meldete sich ebenfalls zu Wort und räumte mit einem Argument der Antragsbefürworter auf: „Dass der Vorfall zu einer großen Aufregung unter den Schülern geführt hat, trifft nicht zu“, sagte er. Die Antragsteller würden mit Behauptungen um sich werfen, die sich aus seiner Sicht nicht bestätigen ließen.

Schülersprecher David Klein
Schülersprecher David Klein | Bild: Hannah Steiert

Es sei vielmehr wichtig für die Schüler, nach vorne zu schauen, so der nicht-stimmberechtigte 19-Jährige. Das Ergebnis der Abstimmung begrüßt er, wie er nach der Versammlung sagte. „Das ist ein starkes Signal, dass der Antrag mit deutlicher Mehrheit abgelehnt wurde.“

Auch Vorstand Michael Musolt zeigte sich nach der Versammlung zufrieden. Er hoffe, dass jetzt Ruhe reinkommen könne. „Die Abstimmung hat gezeigt, dass auch die Mitglieder diese Ruhe wollen und brauchen.“

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