„Wir sind die am härtesten Getroffenen“, sagt Hermann Pfau, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands Kreisverband Waldshut (Dehoga). Der Betreiber des Gartenhotels Feldeck in Lauchringen weiß um die Sorgen und Nöte der Hoteliers und Gastronomen im Landkreis. Auch mit der Öffnung der Gastronomie am 18. Mai und der Hotels ab dem 29. Mai können sie die Verluste nicht mehr aufholen.

„Die Verluste, die wir eingefahren haben, sind nie mehr einzuholen“, beschreibt Pfau den Ernst der Lage. Er erklärt, warum das so ist: „Ein Schnitzel, das wir in der geschlossenen Zeit nicht verkaufen konnten, verkaufen wir nie wieder.“ Bei einem Autohaus sei das eben anders, so sein Vergleich.

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Abhol- und Lieferdienste nicht überall möglich

Auch die Abhol- und Bringdienste, die viele der Gastronomen in der Corona-Zeit als Alternative den Gästen boten, sei für viele eine „Beschäftigungstherapie“ gewesen und nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Er selbst konnte in seinem Gartenhotel mit dem Hol- und Bringdienst jedoch einige Kosten decken, obwohl damit gerade einmal 15 Prozent des sonstigen Erlöses gedeckt wurden. Alle seine Mitarbeiter sind derzeit in Kurzarbeit, nur die Auszubildenden nicht. Und diese halfen beim Hol- und Bringdienst mit. „Und sie lernten noch einiges dabei“, so Pfau.

Zum Familienbetrieb zurückgekehrt ist das Gartenhotel Feldeck in Oberlauchringen. Für den Lieferservice legt die Familie Pfau zusammen mit einem Auszubildenden selbst Hand an. Auf dem Bild (von links) das Inhaberehepaar Ursula und Hermann Pfau, Seniorchefion Monika Pfau und Auszubildender Egzon Hasanmetaj.
Zum Familienbetrieb zurückgekehrt ist das Gartenhotel Feldeck in Oberlauchringen. Für den Lieferservice legt die Familie Pfau zusammen mit einem Auszubildenden selbst Hand an. Auf dem Bild (von links) das Inhaberehepaar Ursula und Hermann Pfau, Seniorchefion Monika Pfau und Auszubildender Egzon Hasanmetaj. | Bild: Herbert Schnäbele

Viele Betriebe im Landkreis Waldshut hatten jedoch gar nicht die Möglichkeit dazu, etwa weil sich ein solcher Abhol- und Lieferservice zu weit außerhalb von Städten nicht lohne, oder weil sie dafür einen angestellten Koch hätten bezahlen müssten. Diese Betriebe seien dann auf teils hohen Kosten sitzengeblieben, so Pfau.

Kommen weitere finanzielle Hilfen?

Mit Hilfen wie der Corona-Soforthilfe für die Tourismusbetriebe, das Sofortprogramm oder die Mehrwertsteuer-Senkung auf Speisen ab dem 1. Juli auf sieben Prozent für ein Jahr, unterstützt die Politik die Betriebe. Von der ersten Soforthilfe des Landes Baden-Württemberg konnten Betriebe wie das Hotel von Pfau bereits proftitieren. Hier gab es 9000 Euro für Betriebe mit bis zu fünf Mitarbeitern, 15.000 Euro für Betriebe mit bis zu zehn Mitarbeitern und 30.000 Euro für Betriebe mit bis zu 50 Mitarbeitern. „Doch wir bräuchten unbedingt noch weitere Finanzhilfen“, so der Dehoga-Kreisvorsitzende.

Pfau weiß bereits von einem neuen, zweiten Rettungschirm, der zwar vom Wirtschaftsministerium als exklusive Hilfe des Landes Baden-Württemberg angekündigt, aber noch nicht beschlossen ist. Jeder Gastronomie-Betrieb soll demnach 3000 Euro erhalten und pro rechnerischem Vollzeit-Angestellten zusätzlich noch einmal 2000 Euro. „Das wird dem ein oder anderen Betrieb schon weiterhelfen“, so Pfau. Dieser Rettungsschirm wäre gebunden an einen Nachweis über den Liquiditätsengpass. Derzeit gebe es allerdings noch keine politische Einigkeit und entschieden ist noch nichts.

Die Öffnung steht bevor – und dann?

„Wir warten auf die Öffnung“, so Pfau. Doch damit verbunden sind auch die neue Verordnung zur Eindämmung des Corona-Virus in Baden-Württemberg, die das Land am vergangenen Wochenende veröffentlichte. „Die Hygiene- und Abstandsregeln werden wir einhalten können, das ist kein Problem“, sagt Pfau.

Trotz der Öffnung ist der Küchenmeister aus Lauchringen sicher: „Wir werden nicht überrannt werden, weil viele Gäste Angst haben vor dem Virus.“ Er sagt: „Wir hoffen, dass viele Gäste unser Haus weiterhin unterstützen und uns besuchen.“

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Sein Betrieb werde auf jeden Fall den Abholservice auch neben der Öffnung weiterlaufen lassen, damit auch jene Gäste bedient werden können, die in diesen Zeiten nicht ins Restaurant sitzen möchten: „Für uns ist das alles mit mehr Aufwand verbunden. Von Spaß an der Arbeit kann man hier nicht reden.“

Dehoga Baden-Württemberg: Rund 90 Prozent weniger Umsatz

„Die Situation ist extrem schwierig für die Betriebe. Durch die allgemeine Schließung erfuhren sie eine Umsatzminderung zwischen 80 und 100 Prozent. 90 Prozent dürfte eher die Regel sein“, so Daniel Ohl, Sprecher des Dehoga Baden-Württemberg in Stuttgart auf Anfrage des SÜDKURIER. „Ohne weitere Finanzhilfen im Land werden ein Drittel der Betriebe nicht überleben“, so Ohl weiter.

„Die Ausfälle sind brutal“, so die klaren Worte des Sprechers. „Die Umsatzentwicklung der Gastronomiebetriebe wird sich auf lange Sicht nicht normalisieren“, erklärt Ohl. Denn: „Die Hygieneregeln werden uns weiteren Umsatz kosten.“ Er bekomme vom Dehoga jeden Tag Meldungen von Betrieben, die Insolvenz anmelden.

Während sich viele Gastronomen in den vergangenen Wochen nicht begeistert von der Mehrwertsteuersenkung auf sieben Prozent zeigten, da noch keine Öffnungsperspektive bestand, sieht Ohl das heute anders: „Wir hätten uns die Mehrwertsteuersenkung natürlich unbefristet gewünscht. Dass es aber gelungen ist, sie für ein Jahr durchzusetzen, ist ein Teilerfolg, den die Betriebe spüren werden. Es bringt auf jeden Fall etwas.“

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Auch die Möglichkeit des Abhol- und Lieferdienstes sieht Ohl als eine Erleichterung an. Die Umsätze dieses Services liegen laut Ohl über den Erwartungen bei den Betrieben und bei etwa zehn bis 20 Prozent des bisherigen Gesamtumsatzes.

Allerdings: „Es klappt nur, weil Gäste sagen, sie wollen ihr Gasthaus in dieser schweren Zeit unterstützen. Man merkt viele positive Zeichen der Solidarität“, so der Dehoga-Sprecher. Auch Restaurant-Gutscheine, die in dieser Zeit gekauft und erst später eingelöst werden, seien eine Hilfe.

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