Die Grenze zu Deutschland ist für die Schweizer weitgehend dicht. Einreisen darf nur noch, wer einen deutschen Pass hat, Berufspendler ist oder sonst einen triftigen Grund hat. Dazu gehört der Einkauf, den viele Aargauer zu normalen Zeiten jenseits der Grenze zu erledigen pflegen, weil die Lebensmittel hier günstiger sind, definitiv nicht.

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Die Rechnung ist deshalb simpel: Was die Kunden nicht in deutsche Läden tragen, bringen sie jetzt den Schweizer Detaillisten, denn: Lebensmittel braucht jeder. Die Großverteiler und Einzelhändler dürften also in den grenznahen Geschäften von der Coronakrise profitieren. Sie lassen sich allerdings nicht gerne in ihre Karten blicken. Man kommuniziere grundsätzlich keine Kundenfrequenzen oder Umsatzzahlen außerhalb des Geschäftsberichts, schreibt beispielsweise Coop-Sprecherin Rebecca Veiga.

Höhere Frequenz als vor der Schließung

Migros-Sprecherin Andrea Bauer bestätigt derweil, dass man insbesondere in den Grenzfilialen eine etwas höhere Kundenfrequenz verzeichne, als dies vor der Grenzschließung der Fall war. Zahlen nennt aber auch sie keine. Dies wäre wohl auch schwierig, denn die Lebensmittelläden verzeichnen derzeit landesweit höhere Kundenfrequenzen, wie die angefragten Detaillisten bestätigen. Es sei deshalb in dieser außergewöhnlichen Situation generell schwierig, die Umsätze und Kundenfrequenzen mit dem Vorjahr zu vergleichen, so Denner-Sprecher Thomas Kaderli.

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Welche Auswirkungen die Grenzschließung auf die Nachfrage habe, werde sich in den nächsten Tagen zeigen, sagt Lidl-Sprecherin Corina Milz. „Wir können uns vorstellen, dass die preisaffine Kundschaft vermehrt auf die günstigen Produkte von Lidl Schweiz zurückgreifen wird.“ Aber auch sie sagt: „Ob der Anstieg der Nachfrage auf die Grenzschließung oder die allgemeine Aufstockung des Vorrates zurückzuführen ist, können wir aktuell nicht fundiert beantworten.“

„Kein Grund für Hamsterkäufe“

Eine „deutliche Kundenzunahme“ verspüren auch die Aldi-­Filialen und Volg-Läden. Volg-­Sprecherin Tamara Scheibli führt dies aber weniger auf den Einkaufstourismus zurück – Volg sei davon nie besonders stark betroffen – als auf die Situation rund um das Coronavirus. Alle Detaillisten betonen dabei: „Es gibt keinen Grund für Hamsterkäufe“, wie es Veiga ausdrückt. Die Versorgung mit Lebensmittel ist in der Schweiz sichergestellt. Die Coronakrise kann für die Einzelhändler, im besten Fall, über die Grenzschließung hinaus einen positiven Effekt haben.

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„Natürlich hoffen wir, dass uns die neuen Kundinnen und Kunden auch nach der Krise erhalten bleiben“, sagt Bauer und für Kaderli „wäre es wünschenswert“, einen Teil des Kundengewinns halten zu können. „Wir weisen seit Jahren darauf hin, dass der Einkaufstourismus dem einheimischen Gewerbe schadet und Arbeitsplätze gefährdet.“

Ladenhüter Osterhasen?

Die Coronakrise hat auch Auswirkungen auf das Ostergeschäft. Man spüre Einbußen im Ostergeschäft, zumal die Oster-Deko-Artikel momentan nicht verkauft werden dürften, sagt Migros-Sprecherin Andrea Bauer. „Aber auch bei der Osterschokolade stellen wir fest, dass diese im Vergleich zu den Vorjahren noch nicht so stark gefragt ist.“ Das Ostergeschäft werde lange im Voraus geplant, sagt Denner-Sprecher Thomas Kaderli.

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Auf die Warenverfügbarkeit in den Läden habe die aktuelle Situation deshalb keinen Einfluss. Ob der Absatz von Osterhase & Co. aufgrund der Coronakrise niedriger ausfallen wird als in anderen Jahren, lässt sich laut Kaderli aber noch nicht abschätzen. Ähnlich klingt es bei Volg. Für eine Aussage zum Ostergeschäft sei es noch zu früh, sagt Volg-Sprecherin Tamara Scheibli.