Auf rund einem Drittel aller Ackerflächen im Landkreis Waldshut wird Mais angebaut. Paradiesische Zustände für den Maiswurzelbohrer. Der Schädling breitet sich seit etwa 15 Jahren auch in Deutschland aus. Und der Maisanbau kommt ihm sehr entgegen, denn Mais eignet sich gut im Folgeanbau – kann also jedes Jahr auf derselben Fläche angebaut werden.

Der Maisanbau ist insbesondere in Monokulturen durch den Maiswurzelbohrer gefährdet.
Der Maisanbau ist insbesondere in Monokulturen durch den Maiswurzelbohrer gefährdet. | Bild: Thomas Güntert

Doch mit den Ideal-Bedingungen für den Maiswurzelbohrer soll nun Schluss sein: Alexander Wegerhof vom Landratsamt Waldshut erklärt auf Anfrage: „Die gemeinsame Agrarpolitik wird ab 2023 schärfere Regelungen zur Einhaltung einer Fruchtfolge fordern“, sagte Wegerhof. Das heißt konkret: Es darf mancherorts nicht mehr jedes Jahr ohne Pause Mais auf dem gleichen Feld angebaut werden.

Welche Gemeinden sind besonders betroffen? In den vergangenen vier Jahren wurden in den Gemeinden Albbruck, Bad Säckingen, Dettighofen, Dogern, Eggingen, Hohentengen, Jestetten, Klettgau, Küssaberg, Lauchringen, Laufenburg, Lottstetten, Murg, Stühlingen, Waldshut-Tiengen und Wutöschingen durch Pheromonfallen eine zunehmende Population festgestellt.

Aber woran liegt das? Die Ursache ist Experten zufolge auf den Maisanbau als Monokultur ohne Fruchtwechsel zurückzuführen. Die EU hat ihre Mitgliedsstaaten zu einer wirksamen und nachhaltigen Bekämpfung des Schädlings aufgefordert. Um eine weitere Vermehrung zu verhindern, hat das Landratsamt Waldshut eine unbefristete Einschränkung des Maisanbaus erlassen.

Was gilt hier nun? Mit rückwirkendem Beginn vom 1. Januar 2021 darf in den Gemarkungen der betroffenen Gemeinden auf ein und derselben Fläche in drei aufeinanderfolgenden Jahren höchstens zweimal Mais angebaut werden. Der Maiswurzelbohrer soll durch den Anbau einer Nicht-Wirtspflanze wie Getreide, Soja oder Kartoffel bekämpft werden. Schätzungen zufolge soll dadurch ein Wirkungsgrad von über 90 Prozent erreicht werden.

Wozu wird der ganze Mais überhaupt verwendet? Mais wird allerdings nicht nur als Winterfutter für die Rindviehhaltung angebaut, sondern ist aufgrund seiner guten Gasausbeute auch eine wichtige Grundlage für einen wirtschaftlichen Betrieb von Biogasanlagen, was zur massiven Vergrößerung der Maisanbauflächen beigetragen hat. „Die Einwanderung und Ausbreitung des Maiswurzelbohrers wäre aber auch ohne den Biogas-Maisanbau erfolgt“, sagt Wegerhof.

Woher stammen die Erkenntnisse? Nach einer Studie des Julius-Kühn-Instituts in Dresden sind bei einem 100-prozentigen Maisanbau nach vier Jahren ökonomische Schäden durch Larvenfraß zu erwarten, bei einem Fruchtfolgeanteil von 75 Prozent dauert es sieben Jahre. Bei einem Maisanbau von zwei Drittel Mais in der Fruchtfolge ist allerdings kein erhöhter Anstieg der Population zu erwarten.

Was passiert, wenn Landwirte sich nicht daran halten? Fortgesetzte Verstöße gegen die Allgemeinverfügung können in Deutschland mit einer Geldbuße bis zu 50.000 Euro geahndet werden.

Mit Pheromonfallen wird die Population der Maiswurzelbohrer erfasst.
Mit Pheromonfallen wird die Population der Maiswurzelbohrer erfasst. | Bild: Agroscope Steve Breitenmoser

Wie ist die Lage in der Schweiz? „Im Kanton Schaffhausen gab es noch keine Fänge vom Maiswurzelbohrer“, sagte Lena Heinzer vom Landwirtschaftsamt Schaffhausen. Durch die starke Vermehrung des Käfers im deutschen Grenzgebiet ist allerdings eine grenzüberschreitende Ausbreitung zu befürchten.

Warum ist Mais in der Schweiz weniger wichtig? Im Kanton Schaffhausen werden auf rund 1600 Hektar Silo- und Körnermais für die Tierfütterung angebaut. Die geringere Bedeutung vom Mais sei auf die Fruchtfolgevorschriften, die Ansprüche der Kultur und auf den tiefen Tierbesatz zurückzuführen. „Man könnte mit diesem Mais durchaus auch eine Biogasanlage füttern. Soweit ich weiß, macht das bei uns in Schaffhausen aber niemand“, sagt Lena Heinzer und fügt hinzu, dass es in der Schweiz keinen Biogasboom wie in Deutschland gab.

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