Wer am Haus von Klaus Graß und seiner Familie vorbeifährt, dem könnten zwei Dinge ins Fallen. Das eine ist mittlerweile relativ üblich, wohingegen das andere wohl als eher exotisch zu betiteln ist.

Klaus Graß heizt seit fast 30 Jahren mit Flüssiggas. Früher fuhr er sogar ein Auto, das mit dem Energieträger getankt wurde.
Klaus Graß heizt seit fast 30 Jahren mit Flüssiggas. Früher fuhr er sogar ein Auto, das mit dem Energieträger getankt wurde. | Bild: Esteban Waid

Auf dem Dach der Familie Gras, befindet sich eine Fotovoltaikanlage (PV), wie sie auf immer mehr Dächern zu finden ist. Schaut man aber in den Garten, fällt ein weiteres Detail auf. Dort befindet sich ein weißer Gastank.

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Nicht aber für das aktuell heiß diskutierte Erdgas, das ist über einen Anschluss ans Netzt verfügbar. Klaus Graß und seine Familie heizen mit sogenanntem Flüssiggas (LPG). So wie es fast 700.000 andere Haushalte in Deutschland machen.

Flüssiggas ist nur ein Nebenprodukt

Das Besondere an Flüssiggas? Eigentlich ist es ein Nebenprodukt, das bei der Gewinnung von Erdöl- und gas entsteht. In manchen Raffinerien wird das Gas sogar direkt verfeuert. Die meisten werden das Gas vom heimischen Gasgrill kennen. In der Regel handelt es sich bei Flüssiggas, auch LPG genannt, um ein Gemisch aus Butan und Propan. Es kann aber auch zum Heizen, Kochen oder sogar zum Autofahren verwendet werden.

Flüssiggas sollte dabei nicht mit verflüssigtem Erdgas (LNG) verwechselt werden.

Klaus Graß heizt seit fast 30 Jahren mit Flüssiggas. Früher fuhr er sogar ein Auto, das mit dem Energieträger getankt wurde.
Klaus Graß heizt seit fast 30 Jahren mit Flüssiggas. Früher fuhr er sogar ein Auto, das mit dem Energieträger getankt wurde. | Bild: Esteban Waid

Erdgas wird hauptsächlich zum Transport, beispielsweise auf Schiffen, verflüssigt und anschließend wieder in Gasform gebracht.

Im ländlichen Raum ohne Erdgasanschluss

Wie der Flüssiggas Verband auf seiner Website erklärt, seien viele von den fast 700.000 Flüssiggas-Nutzern im ländlichen Raum angesiedelt. Meist dort, wo der Anschluss an ein Erdgasnetz nicht möglich ist.

So war dies auch mal bei Klaus Graß aus Niederhof. „Hier oben wird es nie einen Erdgasanschluss geben“, habe man ihm damals gesagt. Zehn Jahre später kam der Anschluss dann doch, aber Graß hielt dem Flüssiggas die Treue und hat noch immer seinen Tank mit Flüssiggas im Garten.

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Gerade heute hat Graß damit ein glückliches Händchen bewiesen, wie er findet. „Wir haben im März noch gleichviel bezahlt wie jetzt“, sagt er und zeigt die letzten Rechnungen. Anders als beim Erdgas merke er nichts von der aktuell angespannten Lage auf dem Energiemarkt.

„Wir haben davon nichts gemerkt und wir werden auch nichts merken“, sagt der pensionierte Graß. Auch von der mittlerweile gekippten Gasumlage wäre der exotische Energieträger nicht betroffen gewesen.

Das Flüssiggas-Auto vor zwei Jahren abgeschafft

Noch vor wenigen Jahren beschränkte sich die Flüssiggas-Nutzung der Familie aber nicht nur aufs Heizen. Auch das Auto der Familie Graß wurde bis vor ungefähr zwei Jahren noch mit dem Energieträger betrieben.

Dass man das Gas auch als Spritersatz nutzen kann, entdeckte Graß im Hollandurlaub. In vielen Kofferräumen der Holländer entdeckte er eine „rote Bombe“, wie er erzählt. Das war der Tank, der mit dem Flüssiggas betankt werden konnte. Prinzipiell kann man jedes Auto auf LPG umrüsten.

Seit zwei Jahren setzt Graß aber auf ein E-Auto. Denn: Seither befindet sich auf dem Dach des Hauses eine Fotovoltaik-Anlage. Das Auto kann er jetzt also gemütlich von zu Hause mit Ökostrom laden. Dass das Auto auch wirklich mit Öko-Strom geladen wird, darauf achtet Graß. „Als Rentner kann man das steuern“, erklärt er. In einer App kann er kontrollieren, wie der derzeitige Energiefluss ist.

Umwelt liegt der Familie am Herzen

Ob PV-Anlage auf dem Dach oder Heizen mit Flüssiggas: „Wir waren schon immer umweltorientiert unterwegs“, sagt Klaus Graß. In seiner Wahrnehmung komme das Thema Flüssiggas in den aktuellen Diskussionen rund um die Energiekrise aber zu kurz. „Der CO2-Ausstoß ist gering, damit kann man arbeiten“, erklärt er. Allgemein sei das eine saubere Energie: „Ich war immer der Ansicht, man müsse die technischen Möglichkeiten nutzen.“

Dabei sei es laut Graß gar nicht schwer, von einer herkömmlichen Gasheizung auf eine Flüssiggas Heizung umzusatteln. Lediglich der Tank braucht Platz im Garten. Wer sich am Anblick eines solchen stört, kann diesen aber auch im Boden versenken.

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