Was die Deutsche Telekom im Dezember vor 30 Jahren ihren nach einem Telefonanschluss lechzenden Kunden im Kreis Waldshut zumutete, klingt wie eine Nachricht aus der Dampfmaschinenzeit.

Dabei war einer der Gründe für wochen- oder gar monatelanges Warten auf einen Festnetzanschluss ausgerechnet das freudige Ereignis der deutschen Wiedervereinigung. Denn die Hälfte der Fernmelder war zur Aufbauhilfe nach Leipzig abgeordnet worden. Derweil musste sich die heimische Festnetzkundschaft in Geduld üben.

Festnetzanschlüsse gab es nur begrenzt

Ein besonders krasser Fall wurde im Dezember 1991 aus Eggingen gemeldet. Dort beantragte ein junges Paar bereits im November einen Telefonanschluss.

Reine Routinesache, das glaubten jedenfalls die jungen Leute, denn ihre Vormieter hatten schließlich schon ein Telefon. Der Anschluss war nach deren Auszug lediglich abgemeldet worden. Doch mit der schnellen Wiederanmeldung auf neuen Namen, wie man sich das mal soeben vorstellte, war es nichts.

Keine Kapazitäten im Telefonnetz

Die Fernmeldestelle in Tiengen blockte mit Vertröstungen ab, bis sich schließlich herausstellte: Vor Februar oder März war kein Telefonanschluss zu bekommen. Für die junge Frau war diese Nachricht doppelt ärgerlich, da sie als Schwangere auch deshalb auf das Telefon angewiesen war, um in einem Notfall schnell Hilfe rufen zu können.

In ihrer Straße in Eggingen bestand jedoch aktuell keine neue Anschlussmöglichkeit, wie der Pressesprecher des Fernmeldeamts damals erklärte. Eggingen hatte, wie viele andere Telefonnetze im ländlichen Bereich auch, keine Kapazitäten mehr frei. Erst einmal müssten neue Kabel verlegt werden, vertröstete der Fernmelder. Doch auch das dauere leider länger, weil die Hälfte der Fachkräfte momentan am Leipziger Telefonnetz arbeite.

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Und was war mit dem Handynetz?

So unvorstellbar das heute ist: Mobilfunk in Deutschland steckte damals noch in den Kinderschuhen; das erste digitale Netz wurde im Juli 1992 eingeführt. Und ein Handy von Motorola, bekannt auch als „Knochen“, kostete stolze 3000 Mark. Was sich daraus rasend schnell entwickelte, beklagt vor allem die Telekom: Heute haben fast alle ein Handy, aber immer weniger wollen auch einen Festnetzanschluss.

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