SPD-Bundesumweltministerin Svenja Schulze war direkt aus Berlin angereist, um sich vom Wissensstand der Experten vor Ort zu informieren. Beiden Politikerinnen sei der unmittelbare Dialog mit den Praktikern wichtig, so Rita Schwarzelühr-Sutter. Schadensbilanz und Zukunft der Wälder waren beherrschendes Thema ihrer Sommergespräche.

Landrat Martin Kistler hieß die Ministerin und Anwesende willkommen. 4000 Hektar Wald seien in drei trockenen Jahren im Landkreis Waldshut abgestorben, der für Bevölkerung, Wirtschaft und Tourismus wichtig sei.

Professor Ulrich Schraml, Leiter der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg, skizzierte das fachliche Programm und erklärte mittels Schaubild die schrittweise Bewältigung der Waldschäden: „Wir versuchen zu verstehen, was jetzt gerade passiert und in der Prognose gut zu sein, welche Baumarten es sein werden und den Prozess, der gesellschaftlich geführt werden muss, zu begleiten.“

Helge von Gilsa, Leiter des Kreisforstamtes, führte im Anschluss die Teilnehmer durch den Wald. Praktische Einblicke im abgestorbenen und der Natur überlassenen Fichtenwald seiner Gemeinde gab Bürgermeister Stefan Kaiser aus Albbruck. Diese Praxis habe wirtschaftliche und ökologische Vorteile. Jungpflanzen kämen von allein.

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Der Gewinn der Gemeinde von jährlich 60.000 Euro bei 180 Hektar sei auf Null gesunken. Privatwaldbesitzer bräuchten Unterstützung und hätten verständlicherweise oft keine Lust mehr. Eine Waldgemeinschaft, der Zusammenschluss von Waldbesitzern, biete für sie eine Lösung und Möglichkeiten zur gewinnbringenden Bewirtschaftung.

Rund 120 hätten sich bereits für dieses Modell entschlossen. Es gäbe aber noch viele engagierte Waldeigentümer, die unermüdlich an der Wiederbewaldung für die künftige Generation arbeiten. Stefan Kaiser gab der Ministerin auf den Weg, ihnen etwas von der CO²-Steuer zukommen zu lassen und Antragsverfahren einfach zu gestalten.

Lob und Proteste bei Politikerbesuch

Landwirt Christian Wassmer aus Häg-Ehrsberg (Mitte) und Waltraud Raith aus Sindelfingen (rechts) protestierten gegen die aktuelle Agrarpolitik der Bundesrepublik.
Landwirt Christian Wassmer aus Häg-Ehrsberg (Mitte) und Waltraud Raith aus Sindelfingen (rechts) protestierten gegen die aktuelle Agrarpolitik der Bundesrepublik. | Bild: Ursula Ortlieb

Beim nächsten Halt im Privatwald von Familie Ebe auf Gemarkung Oberalpfen (Stadt Waldshut-Tiengen) wurde gezeigt, wie auf 2,2 Hektar inzwischen 2400 Bäume wie Schwarznuss, Edelkastanie, Vogelkirsche, Douglasie und Tanne gepflanzt worden sind. Für Neupflanzen gab es Zuschüsse. Übrige Kosten für Hilfsmittel wie Schutzhüllen gegen Rehverbiss habe der Waldbesitzer zu tragen. Christian Ebe plädierte dafür, dass die Kosten nicht durch betroffene Privatwaldbesitzer, sondern durch Verursacher der CO²-Emittenten übernommen werden müssten.

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Dass Wissenschaft und Forschung sich intensiv mit Klimafolgeschäden des Waldes und dessen Erhalt mit Schutz von Wasserresourcen beschäftigen, ging aus den Vorträgen von Heike Puhlmann und Ulrich Kohnle von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt hervor. Puhlmann erwähnte, dass es dank der Erfindung des Katalysators gelungen sei, den sauren Regen auf Vorkriegsniveau zu senken.

Bundesumweltministerin informierte sich bei Forstexperten und Wissenschaftlern vor Ort über die Situation und Zukunft des Waldes und ihrer Besitzer. Der unmittelbare Dialog mit Praktikern sei für die politischen Entscheidungsträger wichtig. Ulrich Schraml, Direktor der FVA, überreichte eine druckfrische Broschüre „Der Streit um den Wald“.
Bundesumweltministerin informierte sich bei Forstexperten und Wissenschaftlern vor Ort über die Situation und Zukunft des Waldes und ihrer Besitzer. Der unmittelbare Dialog mit Praktikern sei für die politischen Entscheidungsträger wichtig. Ulrich Schraml, Direktor der FVA, überreichte eine druckfrische Broschüre „Der Streit um den Wald“. | Bild: Ursula Ortlieb

Kohnle favorisiert gegenüber der Naturüberlassung des Waldes eine teilweise Steuerung durch Bepflanzung gemischter und frosttoleranter Bäume. Das reine Belassen des Waldes sei aus seiner Sicht keine Lösung, da sich sonst wieder die nicht zukunftsfähige Fichte als Hauptbaumbestand durchsetzen würde. Abschließend gab Ulrich Schraml der Hoffnung Ausdruck, dass die Kommunikation zwischen Politik, Interessengruppen und Personen respektvoll geführt werde. Die Menschen müssten in die Planung miteinbezogen werden.

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