Immer wieder fallen auch im Landkreis Waldshut Menschen auf die sogenannten Haustürgeschäfte herein. Die Betrüger haben es dabei meist auf ältere Leute abgesehen, so auch jüngst in Hohentengen.

Als ein Ehepaar gerade im Garten war, wurden es von vermeintlichen Handwerkern angesprochen, weil die Dachrinne angeblich kaputt sei. Sie müsse dringend repariert beziehungsweise ausgetauscht werden. Das Ehepaar habe die Handwerker daraufhin engagiert. Letztendlich sollten sie mehrere tausend Euro bezahlen, was sie dann stutzig machte. Dennoch haben sie bezahlt.

Betrogene schämen sich

Aus Scham, auf die Betrugsmasche hereingefallen zu sein, informierte das Paar, zunächst auch keine Polizei. Irgendwann erfuhr die Enkelin davon und brachte den Vorfall zur Anzeige. „Es ist wichtig, dass die Menschen vor solchen Betrügern gewarnt und sensibilisiert werden“, sagt die Frau, deren Name der Redaktion bekannt ist.

Mathias Albicker, Pressesprecher der Polizei in Waldshut-Tiengen, bestätigt den Fall in Hohentengen – und mehr noch: „Im Rahmen der Ermittlungen kam heraus, dass diese Tatverdächtigen auch andere Bewohner von Hohentengen ansprachen, allerdings ging von diesen keiner auf ein Angebot ein.“ Deshalb ist die Anzeige aus Hohentengen bislang die einzige im Landkreis Waldshut in diesem Jahr, die der Polizei vorliegt.

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Vermeintlich günstige Angebote überprüfen

Mathias Albicker warnt: „Solche vermeintlich günstigen Angebote für Asphaltierungen, Dach-, Fassaden- Hofplatz- oder Dachrinnenreinigung stellen sich oft im Nachhinein als unfachmännisch und überteuert heraus. Hier ist ein gesundes Misstrauen angebracht. Man sollte sich auch durch ein vermeintlich günstiges Angebot nicht zum vorschnellen Abschluss drängen lassen, sondern sich bei einem örtlichen Handwerksbetrieb oder Dienstleister ein Angebot einholen. Wird für die Leistung Barzahlung gefordert, sollte man besonders vorsichtig sein.“

Und wenn man auf eine Betrugsmasche hereingefallen ist?

Wer trotzdem auf eine solche Masche hereingefallen ist, soll laut Matthias Bauer von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, nicht bezahlen. „Wird man unter Druck gesetzt oder sogar genötigt, soll der Betroffene die Polizei verständigen.“

Das bestätigt auch Polizeisprecher Albicker: „Die Polizei wird auch zum Schutz privater Rechte (Zivilrecht) tätig und kann die Personalien der Beteiligten erheben, damit der Rechtsweg beschritten werden kann.“ Matthias Bauer rät außerdem: „Wer sogenannte Haustürgeschäfte abschließt, hat bis zu einem Jahr Zeit, den Vertrag zu widerrufen. Wenn allerdings bereits die Rechnung gezahlt wurde, ist es schwer, sein Geld wieder zurück zu bekommen.“

Tipps von der Verbraucherzentrale

Auch wenn die Betrugsmaschen laut Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in letzter Zeit weniger geworden sind, rät Matthias Bauer dazu, sich immer ein Gegenangebot einer regionalen Firma einzuholen.

„Im Frühjahr gibt es vermehrt Teppichreiniger oder Arbeiter, die den Hof reinigen und dafür schnell 2000 Euro verlangen. Hier reicht es es schon, sich einmal den Stundenlohn auszurechnen, denn länger als drei oder vier Stunden benötigen die Arbeiten nicht.“ Gehe man von einem Stundenlohn von 60 oder 70 Euro aus, merke man schnell, dass die vermeintlich „günstigen“ Preise viel zu hoch seien.

Kriminalstatistik unterscheidet nicht zwischen Haustürbetrug und anderen Betrugsdelikten

Weil „Betrug an der Haustür“ in der Polizeilichen Kriminalstatistik nicht gesondert aufgeführt wird, sondern mit anderen Betrugsdelikten erfasst wird, gibt es keinen Überblick, welche Betrugsmaschen im Kreis Waldshut am häufigsten angezeigt werden.

Albicker: „Außerdem kommt in solchen Fällen möglicherweise eine Strafbarkeit wegen Wucher in Betracht.“

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