Nur 432 der 2552 Handwerksbetriebe im Landkreis Waldshut bilden aus. Dabei ist die Ausbildung junger Kräfte die Voraussetzung für das Fortbestehen sowohl von einzelnen Betrieben und wie ganzer beruflicher Branchen.

Die Handwerkskammer Konstanz versucht das betriebliche Ausbildungswesen zu stärken. Mit dem Zertifikat „Voraus in der Ausbildung“ zeichnet sie seit 2017 Betriebe in der Region für ihr besonderes Engagement und ihre vorbildlichen Leistungen in der Ausbildung von Fachkräften aus.

Ausbildungsqualität soll gesteigert werden

Die Handwerkskammer Konstanz wolle neue Impulse und Denkanstöße in Sachen Ausbildung geben und die Ausbildungsqualität im Handwerk insgesamt steigern, sagt deren Hauptgeschäftsführer Georg Hiltner. „Gleichzeitig wollen wir motivierten Jugendlichen den Weg in eine gute Ausbildung weisen.“

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Jedes Jahr bis zum 30. April können sich Betriebe, die zum Zeitpunkt der Antragstellung ausbilden, sich um das Zertifikat bewerben. Sie müssen in den letzten sieben Jahren vor der Antragstellung mindestens zwei Auszubildende in die bestandene Gesellen- oder Abschlussprüfung gebracht haben. Das ausgestellte Zertifikat ist dann drei Jahre gültig. „Von den Betrieben, die sich bewerben, erhalten nur jene das Zertifikat, die auch eine entsprechend gute Bewertung erreichen“, so Hiltner.

Die Handwerkskammer evaluiert die Ausbildungssituation in den Betrieben. Ausbilder wie Auszubildende müssen Online-Fragebögen ausgefüllen. Die Befragung der Auszubildenden erfolgt anonym. Die Handwerkskammer kann sich zusätzlich vor Ort noch ein Bild von der Ausbildungssituation machen.

„Es werden Betriebe besucht, bei denen die Fragebögen Auffälligkeiten oder Unklarheiten ergeben haben. Vor der Pandemie wurden auch immer wieder Betriebe nach dem Zufallsprinzip besucht“, erklärt der Handwerkskammer-Chef.

Weshalb erfolgt die Befragung anonym und was wird abgefragt?

„Uns ist es wichtig, beide Seiten in die Bewertung einzubeziehen. Dies macht nur Sinn, wenn die Auszubildenden die Chance haben, eine ehrliche Rückmeldung zu geben, was wir durch die anonyme Befragung gewährleisten“, erklärt Hiltner. Es werde zum Beispiel gefragt, in welchen Zeitabständen der Ausbildungsplan oder die nächsten zu erlernenden Fertigkeiten mit den Auszubildenden besprochen werden.

Video: Andreas Böhm

„Dem Ziel, dass Betriebe stetig an der Ausbildung arbeiten sollten, kommen wir durch das Zertifikat näher“, so Hiltner.

Viele Betriebe meldeten der Kammer zurück, dass sie durch den detaillierten Feedbackbogen, den sie im Rahmen des Zertifizierungsprozesses erhalten, endlich einmal klar sehen, wo ihre Stärken, aber auch Schwächen liegen.

Die Entwicklung der Ausbildungsverträge hat sich seit Einführung des Zertifikates im Kreis Waldshut stabilisiert. Es waren 2017 424 Verträge, 2018 dann 384, 2019 397, 2020 362 und 2021: 393.

Das Azubi Team der Firma Schäuble Regenerative Energiesysteme in Hottingen (von links): Johannes Birth, Ruben Rose, Malte Hoffmann, ...
Das Azubi Team der Firma Schäuble Regenerative Energiesysteme in Hottingen (von links): Johannes Birth, Ruben Rose, Malte Hoffmann, Garrett Wieker, Eduard Solonenko, vorne kniend Geselle Simon Smetan. | Bild: Firma Schäuble Rickenbach Hottingen

Die Handwerksbetriebe schätzen zwei Aspekte am Verfahren. Sie sehen die Zertifizierung es Bestätigung für eigene gute Ausbildungsarbeit. Und sie betrachten das Zertifikat als Möglichkeit, besser gute Nachwuchskräfte für den eigenen Betrieb zu finden.

Auf das Erstere verweist Schmidle Möbelbau Schreinerei in Murg: „Die Zertifizierung ist für uns eine Bestätigung für die gute, vorbildliche Ausbildung.“ Johannes Eckert von Farben Eckert in Herrischried unterstreicht den zweiten Aspekt: „Auf dem Arbeitsmarkt bekommen wir schon lange keine Fachkräfte mehr. Wir werden mehr auf unseren eigenen Nachwuchs setzen, diesen fair behandeln und in unserem Betrieb einen Mehrwert zu unseren Mitbewerbern bieten.“

Noah Hikisch ist Auszubildender in der Möbelbau-Schreinerei Schmidle in Murg.
Noah Hikisch ist Auszubildender in der Möbelbau-Schreinerei Schmidle in Murg. | Bild: Schreinerei Schmidle Murg

Matthias Lauber von der Firma Schäuble Regenerative Energiesysteme in Hottingen bezeichnet die Ausbildungssituation in seiner Branche im Vergleich zu anderen als noch etwas entspannter. „Meiner Meinung nach hat das Handwerk viel zu lange, und zwar fälschlicherweise, unter dem Bild gelitten, dass eine Ausbildung als minderwertig angesehen wird und man auf jeden Fall studieren müsse, um etwas im Leben erreichen zu können“, sagt er.

„Die Zertifizierung ist wichtig, weil es im Handwerk wichtig ist, das Gemeinsame von Ausbildungsbetrieb und Auszubildenden beurteilen zu lassen, um das gemeinsame Ziel Berufsabschluss zu erreichen“, erklärt Matthias Mutter von der Todtmooser Zimmerei Holzbau Mutter.

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„Ein großes und auch wichtiges Kriterium, um die Zertifizierung zu erhalten ist die Meinung der Azubis welche direkt von der Handwerkskammer befragt werden, so dass auch der Betrieb klar erkennen kann, wo er steht“, betont Christian Denz von der Zimmerei Denz in Oberwihl. Er freut sich vor allem darüber, dass sein Betrieb in den vergangenen Jahren auch immer wieder weibliche Azubis ausbilden durfte.

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