Es hatte sich offenbar viel Frust, ja sogar Wut im derzeit amtierenden Vorstand des Verbands Wohneigentum Baden-Württemberg aufgestaut. Die 150 Delegierten aus elf Bezirken der Siedlergemeinschaften, -vereine oder Ortsgruppen wurden in der Gemeindehalle in Geißlingen (Gemeinde Klettgau) Zeugen von scharfen Vorwürfen gegen den im Juni 2021 zurückgetretenen Landesvorsitzenden Harald Klatschinsky.

Mit ihm waren weitere Vorstandsmitglieder im Verlauf dieser Juni-Sitzung auf einen Schlag mit unterschiedlichen Begründungen zurückgetreten. Am Samstag trafen diese beiden zerstrittenen Lager aufeinander. Ausrichter der Sitzung war die Siedlergemeinschaft Klettgau.

Der neue Vorstand um Andreas Werth (Rastatt) sowie die Stellvertreter Jürgen Wetterauer (Karlsruhe), Ulrich Gärtner (Mannheim) und Günter Fuchs (Kippenheim) warf dem zurückgetretenen Vorsitzenden vor, Ehrenamt und geschäftliche Interessen vermischt zu haben.

Der Blick zurück

Auslöser der Auseinandersetzung im Vorstand war in der Hauptsache ein Beratervertrag, der bereits 2018 mit der Firma VWE Business IT Solutions (Mannheim) ausgehandelt wurde. Das Vertragsvolumen betrug 50.000 Euro. Ziel sollte die Gründung einer Service GmbH innerhalb des Verbandes sein. Pikant ist dabei der Umstand, dass Harald Klatschinsky nicht nur Vorsitzender des Verbandes war, er war gleichzeitig Geschäftsführer dieser Beraterfirma.

Das könnte Sie auch interessieren

Die Frage stand im Raum, wer wen kontrolliert. Nachdrücklich wurde vom Vorstand nach seinem überraschendem Rücktritt eine Dokumentation der erbrachten Leistungen, ein Businessplan sowie eine Marktanalyse eingefordert. Offenbar liegen diese Daten bisher nicht vor. Die vereinbarte Leistung sieht der Vorstand aus diesem Grund nur zu 60 Prozent erbracht.

Vize Jürgen Wetterauer erläuterte den Delegierten, dass die 2021 anstehende Vertragsverlängerung mit dieser Firma gar die Gemeinnützigkeit des Verbandes Wohneigentum Baden-Württemberg gefährdet hätte. „Die Kosten dieses Vertrages haben den Verband erheblich belastet“, sagte der Vorsitzende Andreas Werth, der selbst Rechtsanwalt ist.

Andreas Werth, Landesvorsitzender Verband Wohneigentum BW.
Andreas Werth, Landesvorsitzender Verband Wohneigentum BW. | Bild: Edinger, Gerald

Immerhin war Klatzschinsky selbst zu dieser Tagung gekommen. Licht ins Dunkel des für viele Delegierte unbekannten Vertrages und seinem Inhalt brachten seine rechtfertigenden Ausführungen allerdings nicht. Er habe sich nicht bereichert, das sei Verleumdung, wenn dies behauptet würde. „Wie der jetzige Vorstand mit mir umgegangen ist, das ist respektlos. In dieser Sache ist der Verband der Verlierer.“ Eine gütliche Einigung scheiterte bisher offenbar an den gravierend unterschiedlichen Auffassungen.

Zwei Behauptungen standen nun im Raum, die von den Bevollmächtigten der Vereine nicht überblickt und nachvollzogen werden konnten. Das brachte Meinolf Bürgermann (Hilzingen) auf den Punkt: „Das alles ist für uns nicht nachvollziehbar, es ist nichts was uns weiterhilft. Ich erwarte vom neuen Vorstand Attacke und mehr Kommunikation. Wir müssen nach vorne schauen und unsere Leistungen nach außen transportieren.“

Ein Delegierter, der nicht genannt werden möchte, meinte allerdings: „Ein Gschmäckle hat dieser Beratervertrag schon!“ Mit einer deutlichen Mehrheit sprachen sich die Vereinsvertreter dennoch dafür aus, keine rechtlichen Schritte wegen dieses Beratervertrages einzuleiten.

Der Blick auf die Zahlen

Der neue Vorstand legte außerdem die Bilanzen sowie die Erkenntnisse der Revisoren, die nicht anwesend waren, der Jahre 2019 bis 21 vor. Auch hier gab es seitens des neuen Vorstandes Zweifel, ob die Bücher bisher so sauber wie notwendig geführt und Zahlen nicht bekannt gemacht wurden. „Der Verband ist ein Sanierungsfall“, erklärte Wetterauer. Inzwischen wurden eine Wirtschaftsprüferin von Finanzamt und ein bisher schon als Prüfer tätiger Steuerberater mit der Revision beauftragt.

Jürgen Wetterauer, Stellvertretender Landesvorsitzender Verband Wohneigentum BW.
Jürgen Wetterauer, Stellvertretender Landesvorsitzender Verband Wohneigentum BW. | Bild: Edinger, Gerald

Aus einem Minus in der Jahresbilanz bis 2019 von rund 63.000 Euro wurde bis Oktober dieses Jahres ein Plus von 53.000 Euro, wie Wetterauer erläuterte. Gründe für die Trendwende waren nach seiner Aussage „ein striktes Kostenmanagement und harte Sparmaßnahmen im Personal- und Sachkostenbereich“.

Der Blick auf die Mitglieder

Was dem Landesvorstand Sorge bereitet, sind die seit Jahren sinkenden Mitgliederzahlen. Waren es 2019 noch 22.000, so ging diese Zahl bis Dezember des vergangenen Jahres auf 20.500 zurück. Zudem würden Gemeinschaften aufgelöst, weil es für Vorsitzende keine Nachfolger mehr gibt. Manche würden dann vom Landesverband weitergeführt, was nach Ansicht von Andreas Werth keine gute Lösung sei. Er empfiehlt eher Zusammenschlüsse, um weiterhin Ansprechpartner vor Ort für die Mitglieder zu haben.

Der Blick in die Zukunft

Das Team um den Vorsitzenden hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt. Gemeinsam mit dem Bund der Steuerzahler soll eine Klage gegen die geplante Grundsteuer eingereicht werden. Intensiv werde daran gearbeitet, den Bekanntheitsgrad zu steigern. Ferner sollen Kontakte zu Politik und Medien aufgebaut und verstetigt werden. „Der Verband Wohneigentum und seine Leistungen müssen sichtbarer gemacht werden“, betonte der Vorsitzende.

Das könnte Sie auch interessieren