Geht es um das Thema Armut, stellen Trennung oder Scheidung nach wie vor besondere Risikofaktoren dar. Sogar für verhältnismäßig gut verdienende Paare könne eine Trennung zur Herausforderung werden – und das nicht nur aus materieller Sicht. Woran das liegt und welche Hilfsmöglichkeiten es gibt, darüber sprachen wir mit Fabiola Braun und Ann-Kathrin Kosmac, Sozialpädagoginnen und Beraterinnen in Diensten des Caritas-Verbands Hochrhein.

Warum ist Trennung auch ein Armutsrisiko?

Eine Trennung und erst recht eine Scheidung sei gewöhnlich für Beteiligten mit erheblichen finanziellen Einbußen verbunden. Die Etablierung und Führung zweier getrennter Hausstände, Unterhaltszahlungen oder die Kosten einer Scheidung – all das muss erst einmal bewältigt werden.

„Auch wenn beide Beteiligten berufstätig sind, ist das eine Herausforderung“, so Ann-Kathrin Kosmac. Und weitere Kosten kämen dann im weiteren Verlauf noch oben drauf, gerade wenn Kinder im Spiel seien.

All dies sei Betroffenen auch in der Regel sehr bewusst, berichten die beiden Beraterinnen aus ihrem Alltag: „Gerade in den ersten Gesprächen überlagern finanzielle Themen häufig alles andere. Dabei ist eine Beratung durchaus von Bedeutung, denn das soziale System ist komplex“, so Kosmac weiter. Die Gespräche werden aber auch schnell zum Türöffner.

Fabiola Braun (links) und Ann-Kathrin Kosmac bekommen es in ihrem Arbeitsalltag häufig mit Menschen in Not oder großer Sorge zu tun.
Fabiola Braun (links) und Ann-Kathrin Kosmac bekommen es in ihrem Arbeitsalltag häufig mit Menschen in Not oder großer Sorge zu tun. | Bild: Baier, Markus

Denn abgesehen von materiellen Einbußen kommen aber auch psychosoziale Komponenten dazu – gewissermaßen eine emotionale Armut, die mit jeder Trennung verbunden sei, weil oft auch Freundschaften verloren gehen, weil man mit einer neuen Situation des Alleinseins konfrontiert wird, ebenso Sorge vor Stigmatisierung und viele andere Aspekte, die alle Beteiligten an einer Trennung belasten.

„Wir haben dabei auch immer die Kinder im Blick, denn wenn Eltern getrennte Wege gehen, leiden Kinder mindestens ebenso sehr“, so Fabiola Braun. Vor allem geraten diese auch sehr schnell ins Hintertreffen, weil die Erwachsenen zwangsläufig mit sich selbst beschäftigt seien.

Wer ist im Trennungsfall von Armut besonders betroffen?

Natürlich sind heutzutage die Geschlechterrollen und wirtschaftliche Abhängigkeiten in aller Regel nicht mehr so eindeutig definiert wie noch vor einigen Jahrzehnten als in der Regel die Frau im Fall einer Scheidung die Hauptleidtragende war.

Trotz allem seien Frauen im Trennungsfall in der Regel noch immer deutlich stärker belastet, als Männer. In den meisten Fällen leben die Kinder nach der Trennung bei der Mutter. Diese hätten häufig mit weit schwerwiegenderen Problemen zu kämpfen als der Ex-Partner, der die Kinder nur an den Wochenenden sehe, so Braun weiter.

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Viele Alleinerziehende könnten deswegen nur in Teilzeit arbeiten. Die Kinderbetreuung und alles, was damit zusammenhänge, sorge für Spannungen, Unzufriedenheit und Unsicherheit.

Wie lassen sich Härten vermeiden?

Hier empfehlen Fabiola Braun und Ann-Katrin Kosmac, sich rechtzeitig fachmännischen Rat einzuholen, denn eine Trennung komme häufig nicht aus heiterem Himmel, sondern bahne sich über eine gewisse Zeit hinweg an.

„Themen wie Trennung und Scheidung sind wichtige Bausteine der Caritas-Sozialarbeit. Dabei geht es besonders auch darum Hilfe und Perspektiven anzubieten“, so Kosmac.

Das gehe los bei der Begleitung durch die Phasen einer Trennung. Es gehe aber auch um die konkrete Hilfestellung bei Anträgen und die Vermittlung von Ansprechpartnern und Anlaufstellen.

Beratung über rechtliche Aspekte bis hin zur Schaffung einer Basis für eine Eltern-Kind-Beziehung nach der Trennung, all das seien wichtige Faktoren und für all das gebe es Experten in Ämtern und Behörden, es gebe Kurse oder anderweitige Angebote.

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Es gehe darum, in einer Lebensphase, die von Ängsten und einem Wechselbad der Gefühle geprägt ist, Perspektiven zu bieten und Wege zu weisen, sagt Fabiola Braun: „Wichtig ist schlicht, Panik zu vermeiden und Raum zu bieten, um Fragen zu stellen.“

Zum Tag der Armut rückt der Caritas-Verband Hochrhein insbesondere das Armutsrisiko Trennung in den Fokus.
Zum Tag der Armut rückt der Caritas-Verband Hochrhein insbesondere das Armutsrisiko Trennung in den Fokus. | Bild: Baier, Markus

Wo erhalten Betroffene diese Informationen?

Abgesehen von den regulären Beratungsangeboten in den Räumen der Caritas veranstaltet der Kreisverband anlässlich des „Tags der Armut“ am 13. Oktober eine Online-Runde mit Experten, die sich speziell mit Trennungsthemen befasst.

‚War‘s das? – Wenn eine Beziehung zerbricht“ lautet der Titel einer Informations- und Diskussionsveranstaltung, bei der Betroffene und Experten miteinander ins Gespräch kommen sollen. Stattfinden wird sie von 20 bis 21.30 Uhr über die Online-Plattform Zoom. Der genaue Link zur Veranstaltung wird zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht, heißt es seitens der Veranstalter.

Aber grundsätzlich soll dies ein niederschwelliges Angebot sein, bei dem Betroffene anonym mitreden und sich Rat holen können, erklären die beiden Beraterinnen. „Es ist die erste Veranstaltung dieser Art, die wir anbieten und sind sehr gespannt, wie das ankommt.“

Was erwartet die Teilnehmer der Veranstaltung?

Konkret werden die Experten aus verschiedenen Bereichen im Stil einer Fernseh-Talkshow miteinander und mit den Zuschauern diskutieren. Mit von der Partie sind Petra Schwarz-Groening (Rechtsanwältin Familienrecht aus Bad Säckingen), Dieter Scheibler (Erziehungsberatungsstelle des Caritasverbands Hochrhein), Anne Katrin Kuhn (Ehe-, Familie-, Erziehungs- und Lebensberatung Waldshut) und Christian Mair (Abteilungsleiter der Unterhaltsvorschusskasse und Beistandschaften beim Jugendamt des Landratsamts Waldshut).

Moderiert wird die Veranstaltung vom Vorsitzenden des Caritas-Verbands Hochrhein, Martin Riegraf. Interessenten können ihre Fragen per Chat stellen. Die Teilnahme ist ohne Namensnennung möglich.

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