Die Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) hat im Mai Murg als Energie-Kommune des Monats ausgezeichnet. Seit 2008 vergibt der in Berlin ansässige Verein diese Auszeichnung, um auf beispielhafte Möglichkeiten für den kommunalen Ausbau erneuerbarer Energien hinzuweisen. Nach Freiburg, Konstanz, Ettenheim, Vöhrenbach und Büsingen ist Murg erst die sechste Energie-Kommune in Südbaden. Die Agentur nennt Murg ein „Vorbild für die Energie- und Wärmewende“.

In ihrem 2015 beschlossenen Klimaschutzkonzept hat sich die 7000 Einwohner zählende Gemeinde das Ziel gesetzt, bis 2050 den Energieverbrauch um 50 und den Ausstoß von Treibhausgas sogar um 90 Prozent zu verringern. Dies soll durch einen stetigen Ausbau der erneuerbaren Energien und durch eine umfassende energetische Sanierung der kommunalen Liegenschaften sowie privater Haushalte erreicht werden. Insgesamt 56 einzelne Maßnahmen will die Gemeinde umsetzen.

Bis 2019 wurden laut AEE bereits 14 Maßnahmen umgesetzt und 9 weitere befänden sich in Umsetzung. Konkret genannt werden die energetische Sanierungen kommunaler Liegenschaften und die Installation von Photovoltaik-Anlagen, wie die Erstellung eines Solarkatasters. Auch Beratungsangebote, die teils vom Umweltministerium finanziert werden oder die Einführung von Klimaschutzunterricht in der lokalen Schule werden genannt. „Die Energiewende bleibt ein Generationenprojekt. Murg hat das verstanden. Langfristige Ziele, konkrete Maßnahmen, ihre kontinuierliche Umsetzung und dies stets gemeinsam mit den Bürgerinnen, bringt die Energiewende voran“, zitiert die Agentur ihren Geschäftsführer Robert Brandt.

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Schon heute könne die Gemeinde zahlreiche Erfolge vorweisen. Durch die Installation von Photovoltaikanlagen auf der Abwasserreinigungsanlage könnten bis zu 60 Kilowattpeak erzeugt werden: „Damit wird tagsüber fast 75 Prozent des Strombedarfs der Kläranlage nachhaltig produziert.“ Dazu kämen zahlreiche von Bürgern betriebene PV-Anlagen. Weitere Anlagen auf dem im Bau befindlichen Ärztehaus, dem Rathaus und einer Obdachlosen- und Flüchtlingsunterkunft seien bereits in der Planung und sollten langfristig bis zu 37 Prozent der Grundlast der Einrichtungen tragen.

Diese Schritte würden durch Sanierungsmaßnahmen begleitet. Die Sanierung des Kindergartens im Ortsteil Oberhof habe beispielsweise Einsparungen von 74 Prozent bei Strom und Wärme erbracht. Auch bei Neubauten ergänzten sich dezentrale Energieerzeugung und umweltschonende Baumaßnahmen. Musterbeispiel hierfür sei die im Bau befindliche Kindertagesstätte. Diese werde über eine PV-Dachanlage sowie einer Wärmepumpe mit Wärme und Strom versorgt. Auch im Bereich Wärme zeige sich Murg ambitioniert. Schrittweise würden Heizungen, die fossile Brennstoffe nutzen, ausgetauscht und beispielsweise durch Pelletheizungen ersetzt. Seit 2019 verfüge die Kläranlage zudem über eine Wärmepumpe.

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Diese Investitionen erbrächten Einsparungen in Höhe von jährlich 13.600 Euro. „Wir haben durch Sanierungen beziehungsweise durch Verbesserungen der Gebäudetechnik Einsparungen der Wärmemenge aller kommunalen Liegenschaften im Vergleich zu 2016 mit 2019 um 13,8 Prozent“, berichtet Maximilian Rüttinger, der seit 2016 als Klimaschutzmanager in der Gemeindeverwaltung arbeitet. In kommunalen Liegenschaften stammten schon fast zwei Drittel der Wärme aus nachhaltiger Produktion. Betrachte man die gesamte Gemeinde, sei der Gesamtverbrauch von fossilen Energieträgern zwischen 2016 und 2019 um 5 Prozent zurückgegangen.

„Das Tolle an Murg ist, dass der Anstoß nicht von der Verwaltung kam, sondern aus der Bevölkerung“, zitiert AEE Klimaschutzmanager Rüttinger. Die Initiative „Murg im Wandel“ beispielsweise arbeite derzeitig an der Installation einer von Bürgern finanzierten Solaranlage auf dem Feuerwehrhaus Niederhof.

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