Der öffentliche Nahverkehr bleibt im Landkreis Waldshut trotz sinkender Schülerzahlen eine Erfolgsgeschichte: An Werktagen sind zwischen Bonndorf und Bad Säckingen mehr als 21 500 Menschen mit Bus oder Bahn unterwegs. Die Fahrgäste werden älter, die Busse barrierefrei. Doch Wünsche bleiben: Etwa nach besseren Zügen beim Interregioexpress und nach schnellen Verbindungen nach Stuttgart. Sorge macht auf längere Sicht auch die Finanzierung des ÖPNV.

Im Bericht über den Personennahverkehr, den Landrat Martin Kistler und der Nahverkehrsexperte des Landkreises, Lothar Probst, dem Finanzausschuss des Kreistags vorlegten, wird das Busfahrplan-Angebot als „befriedigend bis gut“ bezeichnet. Im vergangenen Jahr beförderte der ÖPNV im Kreis 13 563 750 Fahrgäste und damit 100 000 mehr als im Vorjahr. Dies obwohl mangels Nachwuchses deutlich weniger Karten für Schüler und Vorschüler ausgestellt wurden.

Die älter werdende Kundschaft rückt das Thema Barrierefreiheit in den Vordergrund: Vor zehn Jahren rollten noch keine Niederflurbusse, 2012 waren es 33. Im vergangenen Jahr ermöglichten 65 der 121 Linienbusse einen stufenlosen Einstieg für Rollstühle wie Kinderwagen. Jetzt sollen die Gemeinden ihre Bushaltestellen mit barrierefreien Bords nachrüsten.

Mängel kritisiert die Kreisverwaltung beim überregionalen Verkehr auf der Schiene. Mit den wenig zuverlässigen Zugmaschinen des Interregioexpress‘ werden die Fahrgäste wohl bis zur Elektrifizierung der Hochrheinstrecke leben müssen. Als Verbesserung winken ab Winter am Wochenende ein durchgehender IRE-Stundentakt (derzeit zwei Stunden) sowie eine weitere Abendverbindung von Montag bis Freitag.

Für die Regionalbahn zwischen Basel und Lauchringen kündigt sich neues Rollmaterial an. Der VT 644 hat nicht nur doppelt so viele Sitzplätze (140) als der bisherige Zug, sondern auch Platz für zwölf Fahrräder, für Kinderwagen und Rollstühle. Gehbehinderte müssen allerdings über eine Taste Hilfe beim Einsteigen anfordern.

Zäh laufen die Versuche, bei der Verknüpfung der Tarifzonen der Nachbarkreise Waldshut und Lörrach voranzukommen, erfuhr Kreisrat Klaus Denzinger (FDP) auf Anfrage. Probleme gebe es angeblich mit den Transportunternehmen im RVL. Die Kooperation wäre vor allem für die Busbenutzer im westlichen Landkreis interessant. Man bemühe sich intensiv, versicherte Lothar Probst.

13 Millionen Fahrgäste im Jahr

  • Die Linienbusse im Kreis Waldshut werden immer besser genutzt. 21 500 Menschen sind an Werktagen mit Bus oder Bahn unterwegs. Der Schülertransport spielt dabei eine große Rolle – 8,98 Millionen von insgesamt 13,56 Millionen Fahrgästen im vergangenen Jahr –, geht aber zurück, gegenüber 2006 um acht Prozent. Durch die Veränderungen der Schulsysteme in den vergangenen Jahren entstehen beim Schülerverkehr jährlich 75 000 Euro Mehrkosten.
  • Zuschuss: Der Landkreis förderte im vergangenen Jahr den Schienenverkehr (DB Regio) mit 974 000 Euro, die Südbadenbus GmbH mit 2,75 Millionen Euro. Ziel ist, auch bei rückläufigen Schülerzahlen das bisherige Fahrplanangebot beizubehalten.
  • Beratung ist wichtig, so die Erfahrung der Nahverkehrsplaner. Der Waldshuter Tarifverbund (WTV), der Kunden in der Geschäftsstelle in der Waldshuter Eisenbahnstraße berät, will auch am Verkehrsknoten Bad Säckingen eine „Mobilitätsagentur“ einrichten. Der Landkreis will die rund 100 000 Euro Betriebskosten pro Jahr mittragen. Für Investition und Betrieb läuft ein Zuschussantrag beim Land Baden-Württemberg.
  • Park & Ride und Bike & Ride, Parkplätze und Fahrradabstellanlagen an Bus- und Bahnknoten, machen den ÖPNV attraktiver. Neue Pendlerparkplätze gib es in Bad Säckingen und Murg. Fahrradboxen wie in Bad Säckingen, Lauchringen oder Wehr-Brennet, und sind auch an den Bus-Hauptachsen im ländlichen Raum denkbar. Ein Modellprojekt für Fahrradboxen entlang der Bundesstraße 500 zwischen Waldshut und Häusern, sowohl für Pendler als auch für Touristen, ist in Planung.