Herr Schneider, Sie haben sich für eine ehrenamtliche Arbeit beim katholischen Verein für soziale Dienste neben ihrem Hauptberuf als Verwaltungsfachangestellter entschieden – wieso?

Ich bin im sozialen Bereich daheim. Ich helfe gerne anderen Menschen. Ich mache das nicht, um zu glänzen, sondern weil es mein Leben ist.

Warum fiel Ihre Wahl für Ihr Engagement gerade auf den SKM?

Der Grund für mein Engagement im SKM Waldshut ist mein christlicher Glaube und die Aufgabenstellung des Vereins, Menschen Hilfe und Helfer zur Verfügung zu stellen.

Unabhängig von der Konfession?

Ja, unabhängig davon. Wir sind zwar ein katholischer Verein, aber wir sind für alle offen. Zu uns kann jeder kommen, der Hilfe im Bereich rechtlicher Betreuung und Vorsorgevollmacht braucht.

Woraus besteht Ihre Hilfe mit dem Verein genau?

Wir unterstützen behinderte oder kranke Menschen dabei, trotz ihrer Einschränkungen ein selbstbestimmtes Leben führen zu können, indem wir ihre rechtliche Betreuung übernehmen oder geeignete ehrenamtliche Betreuer und Betreuerinnen zu finden.

Einige Beispiele für Fälle, in denen Sie helfen können?

Eine Krankheit, eine Behinderung oder einfach nur das Alter können dazu führen, dass Menschen nicht mehr alleine zurechtkommen. Die stehen dann vor einer Wand mit Problemen, die sie nicht lösen können: Wie funktioniert das mit dem Rentenantrag? Mit der Krankenkasse? Da sind wir als rechtliche Betreuer Ansprechpartner. Wir informieren unter anderem auch über Vorsorgemöglichkeiten durch Patientenverfügung, Betreuungsverfügung und Vorsorgevollmacht.

Wie geht diese Hilfestellung durch Ihren Verein konkret vonstatten?

Eine Betreuung wird vom Amtsgericht veranlasst, wenn jemand unter einer Krankheit leidet und dadurch seine Geschäfte nicht mehr regeln kann. Manchmal werden wir auch direkt von Familienangehörigen, Freunden oder Nachbarn angerufen. In persönlichen Gesprächen versuchen wir dann, individuelle Lösungen zu finden.

Wie lange kann eine Betreuung des Vereins dauern?

Die Betreuung ist auf maximal sieben Jahre zeitlich befristet, danach wird sie vom Amtsgericht überprüft und gegebenfalls verlängert. Sie kann aber auch jederzeit vorher aufgehoben werden, wenn sie nicht mehr nötig ist.

Eine Betreuung ist sicher teuer, oder?

Der ehrenamtliche Betreuer bekommt pro Jahr eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 399 Euro, die je nach der finanziellen Situation der Betreuten von ihm oder der Justizkasse bezahlt wird.

Wie viele ehrenamtliche Betreuer hat der SKM Waldshut derzeit?

Wir begleiten derzeit 138 ehrenamtliche Betreuer, welche aktuell 195 Betreuungen führen. Ich hatte letztes Jahr rund 100 persönliche Beratungen zum Thema Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung

Machen Sie Werbung für die Gespräche?

Nein, ich selbst muss keine Werbung machen. Das ist ein Selbstläufer geworden.

Stichwort Betreuer: Was muss man darüber wissen?

Der SKM-Verein definiert sich dadurch, dass Menschen als qualifizierte Helferinnen und Helfer gewonnen werden und in dieser Tätigkeit einen Sinn erfahren. Ehrenamtliche und berufliche Mitarbeiter übernehmen diese Aufgabe. Wir bieten Einführungsabende, Erfahrungsaustausch und Fortbildung an, auch Betreuertreffen. Wir sind immer auf der Suche nach ehrenamtlichen Betreuern. Seien dies Personen, die in den beruflichen Ruhestand gehen oder Personen, die eine erfüllende ehrenamtliche Tätigkeit suchen.

Was gibt Ihnen persönlich diese Tätigkeit für den SKM? Kommt da auch etwas zurück?

Auf jeden Fall. Einmal habe ich bei Durchsicht der Unterlagen festgestellt, dass etwas mit der Rentenzahlung nicht stimmt. Tatsächlich hat jemand jahrelang auf seine Rente verzichtet. Da kommt dann schon etwas zurück. Ein Lächeln vielleicht, wo vorher keines war. Von einem Menschen, der mit nichts gerechnet hat, aber es ist etwas bewirkt worden. Unsere Arbeit ist sehr abwechslungsreich, wir sind im ganzen Landkreis unterwegs.

Gibt es auch mal Tiefen?

Natürlich. Ich habe schon Höhen und Tiefen erlebt. Aber ich war mir nie unsicher im Engagement hier. Ich hatte nie das Gefühl, aufhören und etwas Anderes machen zu müssen. Diese Tätigkeit ist einfach ein wichtiger Teil meines Lebens. Andererseits bin ich ein schlechter Handwerker.

Fragen: Peter Schütz

Zu Person und Verein

  • Johannes Schneider, Jahrgang 1966, ist Verwaltungsfachangestellter. Seit 1981 arbeitet er in der Gemeindeverwaltung Rickenbach. Im Ehrenamt ist er im Pfarrgemeinderat und Stiftungsrat St. Wendelinus Hotzenwald sowie im Dekanatsrat tätig. Er ist stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Ortsverein Rickenbach. 1996 kam er als Gast in den Vorstand des SKM Waldshut, seit 1999 ist er dort stellvertretender Vorsitzender. Er ist ledig und lebt im Rickenbacher Ortsteil Wieladingen.
  • Der SKM ist der Betreuungsverein im Landkreis Waldshut. Mit Inkrafttreten des Betreuungsrechts am 1. Januar 1992 wurde die Bildung von Betreuungsvereinen in allen Landkreisen vorgesehen. Schon vor 1992 gab es in Waldshut, Tiengen und Bad Säckingen Ortsgruppen des Sozialdienstes Katholischer Männer. Daraus entstand am 26. August 1992 der SKM – Katholischer Verein für soziale Dienste im Landkreis Waldshut. Hauptaufgabe ist die Beratung und Begleitung ehrenamtlicher Betreuer, die für hilfsbedürftige Menschen in unterschiedlichen Bereichen tätig werden. Ein weiteres Ziel ist die Suche ehrenamtlicher Betreuer, da der Bedarf kontinuierlich steigt. Die Geschäftsstelle ist in der Gartenstraße 15 in Waldshut-Tiengen, Telefon 07751/800 08 88.
Informationen im Internet: www.skm-waldshut.de

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