Nach einem Zusammenstoß das verletzte Wildschwein von Dogern bis zur Polizei nach Waldshut zu transportieren, wie es kürzlich ein Fahrer getan hatte, ist wohl nicht die feine englische Art. "Da ist alles schiefgegangen, was schief gehen kann", sagt Kreisjägermeister Bernhard Kallup zu dem Vorfall. Kallup und auch die Polizei erklären, wie man sich hingegen richtig verhält, wenn einem als Autofahrer plötzlich Wild auf der Straße begegnet. 500 Wildunfälle pro Jahr werden den Jägern des Landkreises Waldshut gemeldet.

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Verhalten bei der Begegnung mit einem Wildtier

Besonders häufig überqueren Wildtiere in Waldabschnitten und an Feldrändern die Straße, vor allem in den Abend- und frühen Morgenstunden. Gefahrenbereiche sind mit dem Schild "Achtung Wildwechsel" gekennzeichnet. "Dem Tier soll man auf keinen Fall ausweichen, die Gefahren bei einem Ausweichmanöver sind größer als jene bei einem Zusammenstoß mit Wild", sagt Mathias Albicker, Pressesprecher der Polizei Waldshut. "Sieht man ein Tier vor sich auf der Straße, sollte man gleich abblenden. Denn im Kegel des Fernlichts sind die Tiere geblendet und bleiben stehen", erklärt der Polizeisprecher. "Die Tiere sind den Verkehr schon gewohnt und sehen ihn nicht als Gefahr, das ist das Problem", sagt Bernhard Kallup, Kreisjägermeister der Badischen Jäger Kreisverein Waldshut. "Einfach das Lenkrad festhalten und stark abbremsen", so Kallup über die Verhaltensweise bei großen Tieren wie etwa einem Hirsch.

"Bei Kleintieren wie etwa einem Hasen hingegen ist ein starkes Bremsen untersagt, um einen Auffahrunfall zu vermeiden", so Albicker. Der ADAC, der Deutsche Jagdverband und der Deutsche Verkehrssicherheitsrat beschreiben in ihrer Broschüre "Besser langsam als Wild" die Verhaltensregeln. Auch dort steht geschrieben, dass der Vordermann zu 25 Prozent für den Schaden haftet, wenn er wegen eines Eichhörnchens abbremst und der Hintermann ihm daraufhin auffährt.

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Verhalten nach Zusammenstoß

"Nach einem Zusammenstoß mit einem Tier muss man als erstes die Unfallstelle absichern", so Albicker. Dann solle man die Polizei oder den zuständigen Jäger anrufen. "Den Unfall muss man auf jeden Fall melden, sonst ist es Unfallflucht", sagt Bernhard Kallup. Es passiere oft, dass die Unfälle gar nicht gemeldet werden oder erst am nächsten Tag. Doch das sei fatal für das Tier, so der Kreisjägermeister. "Denn nur mit einer Meldung können wir Jäger ein schwer verletztes Tier von seinen Qualen erlösen." Nach der Meldung solle man warten, bis der Jäger oder die Polizei am Unfallort eintreffen.

Man könne das Tier auch von der Straße ziehen, um weitere Unfälle zu vermeiden, so Kallup. "Doch dazu muss man sich ganz sicher sein, dass es auch wirklich tot ist. Denn so ein Wild kann nach einem Schock auch plötzlich aufstehen, wenn man denkt es sei tot. So etwas habe ich selbst schon zwei Mal erlebt", so der Jäger. Er rät dringend davon ab, dem verletzten Wild zu nahe zu kommen. "Vor allem Wildschweine wehren sich und wenn eine Bache oder ein Keiler auf einen losgehen, kann das böse enden", warnt Kallup vor schweren Verletzungen.

Verkehrsschild Wildwechsel.
Verkehrsschild Wildwechsel. | Bild: Matthaeus Eckard

Das Tier darf man nicht mitnehmen

Schon mehrfach hat Kallup auch erlebt, dass die Unfallverursacher das angefahrene Tier einfach mitgenommen haben. Wer dies tut, riskiere eine Strafanzeige wegen Wilderei. Ein Tier, das durch einen Wildunfall verletzt wurde, dürfe nur der Jäger selbst verwerten und das Fleisch dürfe auch nicht in Umlauf gebracht werden, so Kallup. Oftmals hätten die Tiere schwere Hämathome davongetragen, die das Fleisch ungenießbar machen. "Bei der Jagd beobachtet der Jäger das Tier genau, bevor er es erlegt und schaut, ob es Auffälligkeiten hat und vielleicht krank ist. Bei einem Wildunfall, sieht man das Verhalten des Tieres vorher nicht und weiß nicht, ob das Tier krank war", sagt Kallup.

Zwei Wildunfälle pro Tag

Von zwei Wildunfällen pro Tag im Landkreis Waldshut spricht Kallup, als er aus der Statistik der Unteren Jagdbehörde des Landratsamts Waldshut zitiert. 500 Unfälle mit Wildtieren werden den Jägern des Landkreises im Jahr gemeldet. "Und dann kann man noch eine nicht unerhebliche Dunkelziffer dazu rechnen von Unfällen, die nicht gemeldet werden oder bei denen Tiere mitgenommen wurden", so Kallup. Der Polizei selbst wurden im Landkreis für die vergangenen zwölf Monate 100 Wildunfälle gemeldet, zu denen sie dann auch ausgerückt ist. Werde ein Jagdpächter entsandt, komme die Polizei nicht mehr automatisch dazu, wie es früher der Fall war, erklärt Albicker.

Blaue Reflektoren an Begrenzungspfosten sollen das Wild vom Wildwechsel abhalten. Der Farbe wird abschreckende Wirkung auf Wildtiere zugeschrieben.
Blaue Reflektoren an Begrenzungspfosten sollen das Wild vom Wildwechsel abhalten. Der Farbe wird abschreckende Wirkung auf Wildtiere zugeschrieben. | Bild: Fredrik Von Erichsen

Blau warnt die Tiere

Zur Vermeidung von Wildunfällen werden seit einigen Jahren blaue Wildwarnreflektoren an den weißen Straßenbegrenzungspfosten angebracht. Damit werde das Wild gewarnt, weil Blau für Wild eine Warnfarbe sei, erklärt Kallup. Wenn dann das Licht der Fahrzeuge auf das Blau scheint, strahle es stark. Die Wirksamkeit dieser Maßnahme sei jedoch sehr umstritten, wie der Kreisjägermeister sagt.

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Die jüngsten Unfälle

Zwei Wildunfälle pro Tag gibt es im Schnitt im Landkreis Waldshut. Hier einige Beispiele von Wildunfällen im Landkreis, die der Polizei gemeldet wurden.

- Am Sonntag, 14. April 2019 war laut Polizei auf der Kreisstraße zwischen Dogern und Birkingen ein VW-Bus mit einem kleineren Wildschwein zusammengestoßen. Das tote Tier hatte sich derart im Radkasten verklemmt, dass der Fahrer auf dem Weg zum Waldshuter Polizeiposten eine ansehnliche Blutspur hinterließ. Erst dort konnte der VW-Bus von dem Kadaver befreit werden.

- Weil er mit einem Reh zusammenstieß, stürzte am 24. September 2018 ein Jugendlicher mit seinem Motorrad und verletzte sich dabei. Der junge Mann war mit seiner KTM auf der L 161a in Richtung Stetten unterwegs, als ein Rehbock über die Straße lief. Dem Tier konnte er nicht mehr ausweichen und kollidierte mit diesem. Er kam zu Fall und zog sich Verletzungen an der Schulter und Hand zu. Vom Rettungsdienst wurde er ins Krankenhaus nach Waldshut gebracht. Der Rehbock wurde getötet. Die Maschine des Jugendlichen wurde beschädigt.

Zu einem Wildunfall kam es am Nachmittag des 11. April 2018 auf der L 161 zwischen Gurtweil und dem Kaitle. Diese Strecke befuhr ein Lastwagen, als in Höhe des Pferdehofes plötzlich ein Reh über die Fahrbahn rannte. Das Reh wurde erfasst und in den Gegenverkehr geschleudert, wo es mit einem weiteren Lastwagen kollidierte. Der erste Lastwagen setzte seine Fahrt fort, ohne sich um das Ganze zu kümmern und ließ das tote Reh liegen. Am zweiten Lastwagen entstand etwa 2000 Euro Schaden.