Weihnachten ist für viele Menschen ein markanter Zeitpunkt, wenn nicht sogar der gefühlsintensivste überhaupt im Jahreslauf. Die einen haben Grund zur Freude, andere trauern. Wir haben Menschen getroffen, deren Leben dieses Jahr eine bedeutsame Wendung genommen hat. Sie gewähren Einblick in das, was ihnen widerfuhr oder sie glücklich machte.

Weihnachten mit dem ersten Kind

Für Laura Schmelzle und Andreas Eggert ist der Heiligabend in diesem Jahr etwas ganz Besonderes. Sie sind im August zum ersten Mal Eltern geworden und sehen seither Vieles mit ganz anderen Augen. „Mit einem Kind entschleunigt sich alles“, findet die 27-Jährige. Denn wenn der kleine Lucien ausnahmsweise mal einen schlechten Tag hat, werden sämtliche Pläne zu Makulatur. Allein diese Erfahrung nimmt viel Druck aus dem Alltag. Lange schon hat sich das junge Paar ein Baby gewünscht, umso glücklicher sind beide, dass es nun geklappt hat.

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„Das Kind hat unsere Beziehung noch mehr vertieft, es ist der entscheidende Punkt für absolutes Vertrauen, ob man nun verheiratet ist oder nicht.“
Laura Schmelzle, junge Mutter

Im Moment sind die jungen Eltern allerdings schwer beschäftigt, weil sie im mehr als 100 Jahre alten Elternhaus von Laura Schmelzle umfangreiche Umbaumaßnahmen vornehmen. Ihr Leben vor dem Baby war durchgetaktet. Als Industriemechaniker arbeiten Laura und Andreas bei Dunkermotoren. Sie hat sich für den zweijährigen Erziehungsurlaub entschieden. Er nimmt momentan Elternzeit, um den Umbau voranzubringen. Im Stall stehen fünf Pferde. Laura Schmelzle ist begeisterte Reiterin, hat Trainerlizenzen und gibt Reitunterricht.

Erste Weihachten mit Kind: Der kleine Lucien ist das größte Glück für Laura Schmelzle und Andreas Eggert. Mit der Verantwortung als Eltern relativieren sich so manche bisherigen Einsichten.
Erste Weihachten mit Kind: Der kleine Lucien ist das größte Glück für Laura Schmelzle und Andreas Eggert. Mit der Verantwortung als Eltern relativieren sich so manche bisherigen Einsichten. | Bild: Martha Weishaar

Der kleine „Knödel“, wie Opa Schmelzle Lucien nennt, nimmt all das gelassen hin, lässt sich im Tragetuch schaukeln oder macht sein Mittagsschläfchen im Kinderwagen beim Pferdestall. „Er ist so ein zufriedenes und ausgeglichenes Baby, wir wollen auf jeden Fall noch ein Kind“, sagt Laura Schmelzle, obwohl die Geburt alles andere als einfach war. Irgendwann will sie dennoch wieder zurück an ihren alten Arbeitsplatz, in die Versuchswerkstatt, deren Team für sie wie eine zweite Familie ist.

Weihnachten im ungewollten Ruhestand

Von seinem Arbeitsplatz verabschiedet hat sich hingegen Andres Munoz am 1. August. Gerne hätte der Ingenieur noch weiter gearbeitet. Als bei seinem Arbeitgeber in der Schweiz jedoch Entlassungen anstanden, räumte er zugunsten eines jüngeren Kollegen das Feld.

„Die Restrukturierung war die Konsequenz aus der veränderten Energiepolitik. Ich wollte nicht aufhören, habe dann aber beschlossen, den Arbeitsplatz eines Jüngeren zu sichern.“
Andreas Munoz, 62

Als Gruppenleiter von 25 Kollegen, zum Schluss Abteilungsleiter von 80 Mitarbeitern, hatte der Ingenieur hohe Verantwortung in dem Unternehmen, das weltweit schlüsselfertige Kombikraftwerke einrichtet. Um 6 Uhr verließ er das Haus, kehrte selten vor 21 Uhr heim, war die vergangenen drei Jahrzehnte ständig auf sämtlichen Kontinenten unterwegs und hatte in all den Jahren reichlich wenig von seiner Frau Maggi und den beiden Kindern. Die sind längst flügge geworden. Die Tochter lebt in Zürich, der Sohn geht demnächst nach Irland.

Erste Weihnachten im Ruhestand: Andres Munoz ging wider Willen mit 62 in den Ruhestand, um im Zuge harter Konsolidierungsmaßnahmen seiner Firma einem jüngeren Kollegen den Arbeitsplatz zu sichern.
Erste Weihnachten im Ruhestand: Andres Munoz ging wider Willen mit 62 in den Ruhestand, um im Zuge harter Konsolidierungsmaßnahmen seiner Firma einem jüngeren Kollegen den Arbeitsplatz zu sichern.

Nun muss Andres Munoz seinem Leben einen neuen Sinn geben, den Alltag komplett neu strukturieren, neue Ziele finden. All das erweist sich als gar nicht so einfach. „Ich breche nicht in Jubel aus und habe jetzt auch keine große Lust, zu kochen oder zu putzen“, konstatiert der agile Jung-Rentner. Zu großen Reisen aufbrechen möchte er auch nicht, war er doch aus beruflichen Gründen so viel unterwegs, dass sich sein Fernweh in ziemlichen Grenzen hält.

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Freilich gibt es einige Betätigungsfelder für ihn, über die üblichen Aufgaben in Haus und Garten hinaus. So unterstützt er seinen Vater und einen Neffen, der in Spanien eine auf Brandschutz und Alarmanlagen spezialisierte Firma hat. Liebend gerne hätte er außerdem als Gast Kurse im Fachgebiet der Astrophysik an der Freiburger Universität besucht. Doch Vorlesungszeiten und die weite Anfahrt aus dem Schwarzwald ließen sich nicht vernünftig vereinbaren.

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Spaß bereitet es Andres Munoz, wenn er Jugendlichen Nachhilfe in Mathematik geben kann. Er treibt viel Sport, fährt Fahrrad, ist im Fitnessstudio aktiv und belebt nun, da er mehr Zeit hat, alte Freundschaften. „Wichtig ist doch, dass man eine Bestätigung und Aufgaben hat, die dem Leben einen Sinn geben, dass man in der neuen Situation mit dem Partner gemeinsame Interessen findet und sich nicht gehen lässt“, stellt der vielseitig interessierte Mann nach knapp fünf Monaten im Ruhestand fest.

Weihnachten im Rollstuhl

Ein düsterer Schicksalsmonat war der August hingegen für eine Frau , die ihren Namen nicht in der Zeitung veröffentlicht haben möchte. Auch sie muss ihr Leben vollkommen neu strukturieren. Ende August wurde ihr ein Bein amputiert. Im Wissen um massive Durchblutungsstörungen ließ sie extra eine Kontrolluntersuchung vornehmen, ehe sie mit ihrem Mann verreisen wollte. Am Tag der geplanten Abreise wachte sie frühmorgens auf, hatte überhaupt kein Gefühl im Bein.

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Die Ärzte versuchten, das Bein zu retten, operierten mehr als sieben Stunden lang, wenig später erneut vier Stunden. Dann folgte die traurige Gewissheit, dass das Bein am Oberschenkel abgenommen werden musste. Was die Frau seither mindestens genauso frustriert, wie die Tatsache, dass sie künftig mit einem Bein wird leben müssen, ist der schier unüberwindbare Wust an Behördengesuchen, Anträgen, Klärung von Rechtsansprüchen oder Zuschussmöglichkeiten, um den Alltag einigermaßen praktikabel zu gestalten.

Wie ein Bettler komme sie sich vor, wenn sie sich von Hinz zu Kunz durchfragen und allen alles aus der Nase ziehen müsse, sagt sie verärgert. Seit der Amputation lebt die Frau nur noch im Erdgeschoss ihres Hauses, wo sich Küche, Wohnzimmer und Gästetoilette befinden. Kochen kann sie nicht, der Herd ist zu hoch. Mühsam muss sie das Treppensteigen erlernen.

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Mit der Prothese hat sie enorme Schwierigkeiten, Druckstellen verursachen ihr Schmerzen. Die Bezahlung einer besseren Prothese hat die Krankenkasse vorerst verweigert. Der Antrag auf eine stationäre Reha wurde mit dem Argument abgelehnt, dass sie erst gehen können müsse. Das übt sie nun mit einem Krankengymnasten. Andererseits wird die Zuzahlung zu baulichen Veränderungen im Haus erst bewilligt, wenn sie belegen kann, dass sie eine Rehamaßnahme abgeschlossen hat. Ein Leben im Rollstuhl ist für die Frau auf Dauer keine Option.

„Ich will unbedingt wieder arbeiten, hier fällt mir die Decke auf den Kopf.“
Bonndorferin, die ihr Bein verloren hat

Die Frau, die auch neben der Erziehung ihrer Kinder zeitlebens berufstätig war, gibt sich nicht auf, hat auch die Zusicherung ihres Arbeitgebers, dass sich dort eine passende Beschäftigung für sie findet. Die Frau kämpft, gibt sich nicht auf, will sogar wieder Auto fahren. Fürs erste wünscht sie jedoch nur eines: einen festlich geschmückten Christbaum im Wohnzimmer. In den vergangenen fünf Monaten stand hier ihr Bett. Das muss jetzt weichen, um Platz für den Christbaum zu schaffen.

Weihnachten im Eigenheim

Freude pur herrscht derweil bei Kamila und Kamil Stepien im Haselnussweg. Das junge Paar aus Polen erfüllte sich dieses Jahr den Traum vom Eigenheim. Vor acht Jahren kamen sie aus der Nähe von Kattowitz nach Bonndorf. Etliche Jahre wohnten sie in der Hebelstraße in einer Mietwohnung. Da die Wohnung mit zwei Jungen entschieden zu klein war, zogen sie um, obwohl sie eigentlich bereits konkrete Pläne für ein Eigenheim hatten.

Erste Weihnachten im neuen Haus: Kamila und Kamil Stepien verbringen mit ihren zwei Söhnen die erste Weihnacht im eigenen Haus. Diese Freude lässt sich kaum mehr steigern.
Erste Weihnachten im neuen Haus: Kamila und Kamil Stepien verbringen mit ihren zwei Söhnen die erste Weihnacht im eigenen Haus. Diese Freude lässt sich kaum mehr steigern.

„Wir fanden lange keinen Bauplatz. Lediglich in Wellendingen hätten wir einen haben können, doch da wollten wir nicht hin, weil unsere Jungen hier zu Fuß zur Schule und zu ihren Freunden gehen sollen“, schildern Kamila und Kamil Stepien den Werdegang. Sie hatten bereits beschlossen, eine Eigentumswohnung zu kaufen, als sie auf die Bauplätze in Mittlishardt III aufmerksam wurden.

Da gab es kein Zögern mehr. Grundstückskauf sowie Finanzierung wurden rasch geklärt, in rekordverdächtiger Zeit verwirklichten sie ihren Traum. „Am 24. Juni war Baubeginn, am 9. August sind wir eingezogen“, berichten die Bauherren stolz. Binnen zweieinhalb Wochen machten sie in gemeinsamer Anstrengung mit Familienmitgliedern und Freunden aus dem Rohbau ein bezugsfertiges Haus.

„Es war eine schwere Zeit, aber gleichzeitig eine wunderschöne Erfahrung. Wir schufteten von frühmorgens bis spät in die Nacht hinein.“
Kamila und Kamil Stepien, junge Hausbesitzer

Da wurde alles gleichzeitig gemacht, Böden verlegt, Fliesen gelegt, Wände vergipst und gestrichen, beschreibt das Paar die Kraftanstrengung, die in einem Bau-Foto-Buch dokumentiert ist. Ihre sieben- und neunjährigen Buben verbrachten bei der Oma in Schlesien die Ferien. Zwar steht rund ums Haus nach wie vor viel Arbeit bevor, bis Garage, Hofplatz und Garten fertig angelegt sind.

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Doch das Glück über ihre eigenen vier Wände steht Kamila und Kamil ins Gesicht geschrieben und ihre zwei Buben können nun nach Herzenslust toben. Das Christkind wird es nicht leicht haben, diese Freude noch zu steigern.