„Ich hätte gerne mal einen Termin für meine Sommerreifen“, sagt ein Kunde, als er das Autohaus Schmidt in Bernau betritt. Diesen Satz hört Inhaber Rudolf Schmidt in den letzten Tagen öfter. Bei ihm und in den vielen weiteren Autohäusern im Landkreis Waldshut herrscht derzeit Hochkonjunktur. Die Experten aus den Autohäusern verraten, dass nicht für jeden schon jetzt der richtige Zeitpunkt für Sommerreifen ist, dass sich Winterreifen nur bedingt für den Sommer eignen und was man beachten muss, wenn man selbst seine Reifen wechseln möchte.

Mit dieser Maschine reinigt Niko Riesterer die Reifen. Bild: Verena Wehrle
Mit dieser Maschine reinigt Niko Riesterer die Reifen. | Bild: Verena Wehrle

Wann ist der richtige Zeitpunkt für Sommerreifen gekommen?

„Generell gilt die goldene Regel von O nach O. Also von Oktober bis Ostern hat man die Winterreifen drauf, dann kommen die Sommerreifen“, sagt Erika Ogol von Autotechnik Heringer (ehemals Reifen Fehrenbacher) in Jestetten. Aber das komme auf die Wetterverhältnisse an. „Seit Anfang des Monats herrscht bei uns schon Vollgas beim Reifenwechsel“, so Ogol. Die Kunden müssten sich eine Woche im Voraus anmelden, wenn sie ihren fahrbaren Untersatz mit Saison-Reifen ausstatten wollen. „Bei uns in Bernau, also in den Höhenlagen, ist es eigentlich noch zu früh für Sommerreifen“, sagt Rudolf Schmidt vom gleichnamigen Autohaus. Er erinnert an den Schneefall des vergangenen Wochenendes. An der Rheinebene könne man jedoch schon jetzt ohne Sorgen die Reifen wechseln. In den nächsten sechs Wochen wechseln die Mitarbeiter im Autohaus in Bernau Reifen im Akkord. Da könne es schon sein, dass die Kunden 14 Tage Vorlauf bräuchten, so Schmidt.

Welches Reifenprofil ist erlaubt?

Gesetzlich vorgeschrieben ist eine Reifen-Profiltiefe von 1,6 Millimetern. Die Experten der Autohäuser schauen da etwas genauer hin und empfehlen eine Mindestprofiltiefe für Sommerreifen von mindestens zwei Millimetern, besser seien drei Millimeter. Neureifen haben ein Profil von sieben bis acht Millimeter. Mit einem leichten Trick kann man herausfinden, ob das Profil der Sommerreifen noch ausreichend ist: Dazu verwendet man eine 1-Euro-Münze als Tiefenmesser. Der goldene Rand der Münze ist genau drei Millimeter breit. Die Münze hält man in die Mitte des Reifenprofils. Verschwindet der goldene Rand im Reifen, kann man bedenkenlos weiterfahren. Ist ein Großteil des Randes sichtbar, sollte man demnächst über einen Reifenwechsel nachdenken. Außerdem gibt es noch die im Reifen integrierten Stege, die 1,6 Millimeter hoch sind. Wenn sie mit dem Reifen abschließen, dann ist es allerhöchste Zeit, die Reifen zu wechseln.

Die Profiltiefe kann man anhand der im Reifen integrierten Stege oder mit einer 1-Euro-Münze messen: Der goldene Rand sollte im Reifenprofil „verschwinden“. Bild: Julia Rieß
Die Profiltiefe kann man anhand der im Reifen integrierten Stege oder mit einer 1-Euro-Münze messen: Der goldene Rand sollte im Reifenprofil „verschwinden“. | Bild: Bild: Julia Rieß

Sollte man mit Winterreifen im Sommer fahren?

Für viele eine gemütliche und günstige Angelegenheit ist es, die Winterreifen einfach drauf zu lassen und über den Sommer abzufahren. Doch ist das so eine gute Idee? "Ist es wärmer als sieben Grad fällt der Reifen in Sachen Fahrkomfort und Abrieb eher negativ auf", sagt Harry Schmidt vom Autohaus Ebner in Albbruck. Durch die härtere Gummimischung habe der Reifen einen erhöhten Verschleiß, gerade auf trockenen Straßen. "Durch das größere Profil hat er dann keine gute Haftung und die Straßenführung lässt erheblich nach, daher sollte man ab sieben Grad auf Sommerreifen umsteigen", so Harry Schmidt. "Und mit Winterreifen verbraucht man im Sommer auch mehr Sprit", sagt Erika Ogol.

Sind Ganzjahresreifen eine Option?

Man müsse klar unterscheiden, wo man wohnt, so Rudolf Schmidt aus Bernau. Einem Rentner aus Waldshut, der nur 3000 Kilometer im Jahr in der Stadt fährt, würde er die Ganzjahresreifen empfehlen. "In unserer Gegend ist es aber ganz klar besser, wenn man die Reifen wechselt. Der Allwetterreifen hat nicht die nötige Griffigkeit im Schnee", so Rudolf Schmidt.

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Wie alt dürfen Reifen sein?

Auch das Alter der Reifen spielt für den Wechsel eine Rolle. So sollten sie laut Gesetzgeber maximal zehn Jahre alt sein. Die Experten der Autohäuser sagen, sie sollten nicht älter als fünf Jahre sein. "In der Regel sind dann auch bei regelmäßigem Einsatz und Fahrleistungen von 15 000 Kilometern pro Jahr die Abfahrgrenzen erreicht", sagt Harry Schmidt.

Was muss man beachten, wenn man die Reifen selbst wechselt?

Möchte man die Reifen in der eigenen Garage zuhause wechseln, sollte man einiges beachten. "Natürlich sollte das Fahrzeug unfallsicher aufgebockt sein", sagt Harry Schmidt vom Autohaus Ebner in Albbruck. Nimmt man die Räder ab, sollten die Radnaben von Flugrost und Dreck befreit werden. "Mit leichtem Schmirgelpapier geht das recht einfach", so Schmidt. "Auf keinen Fall sollte man die Radnaben danach einfetten", warnt Schmidt. "Auch die Innenseiten der Räder sollten von Schmutz befreit werden, damit beim Aufsetzen der Räder wieder eine saubere Anlagefläche entsteht", erklärt der Profi. Nach dem Wechsel der Räder sollten die Radschrauben mit einem Drehmomentschlüssel über Kreuz angezogen werden. Empfehlenswert sei ein erneutes Nachziehen der Räder nach 50 bis 100 Kilometer Fahrstrecke.

Was gilt für Neufahrzeuge?

Alle Neufahrzeuge mit Erstzulassung ab 2015 verfügen über ein elektronisches Reifendruckkontrollsystem, das beim Reifenwechsel neu eingestellt werden muss. Für viele bedeutet das doch den Gang in die Werkstatt. "Viele Fahrzeuge kann man aber so programmieren, dass der Fahrer selbst die Sensoren auf Sommerräder umstellen kann, dann ist der Wechsel doch selbst möglich", erklärt Rudolf Schmidt vom Autohaus Schmidt in Bernau. Auch die Lagerung der Reifen spiele eine Rolle. Schmidt in Bernau lagert in seiner Werkstatt über 1000 Reifen für seine Kunden. "Damit die Felgen nicht rosten, sollte man die Räder kühl und trocken lagern", erklärt er.

Über 1000 Reifen lagern fachgerecht im Autohaus Schmidt in Bernau.
Über 1000 Reifen lagern fachgerecht im Autohaus Schmidt in Bernau. | Bild: Verena Wehrle