Zurzeit reden alle vom geplanten Pumpspeicherkraftwerk Atdorf. Dieses Projekt wurde im Jahr 2008 von der Schluchseewerk AG mit Sitz in Laufenburg-Rhina erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Dafür erntete das Unternehmen aufgrund der vorgesehenen Eingriffe in die Natur Kritik von vielen Seiten. 2009 kam es zur Gründung der Bürgerinitiative Atdorf und somit zu einem organisierten Widerstand. Rund 2400 Einsprüche wurden im Raumordnungsverfahren gezählt.

Solche Zahlen sind im Zusammenhang mit dem Pumpspeicherkraftwerk Wehr und dem Hornbergbecken nicht vorhanden. "Widerstände waren nur sehr gering", berichtet Nadine Eiden von der Abteilung "Kommunikation" der Schluchseewerk AG. Einsprachen gab es zwar, aber die konnten "einvernehmlich gelöst werden", so Eiden – zum Beispiel durch den Bau der Brauchwasserleitung unter dem Wehrabecken, durch die die Unterlieger insbesondere während der Bauzeit mit sauberem Wehrawasser versorgt werden konnten.

Die Bauzeit des Kraftwerks Wehr war von 1968 bis 1975, die Bauzeit des Hornbergbeckens von Mitte 1971 bis Mitte 1973. Es ist mit einem Stauziel auf 1048 Meter über Meer die höchstgelegene Stauanlage Deutschlands. Das 700 Meter lange, 300 Meter breite und 46 Meter tiefe Becken hat einen Ringdamm mit einer Grundrissform wie ein Stadion, besteht also aus zwei Halbkreisen mit zwei Geraden. Der Staudamm besteht aus Fels- und Erdmassen. Er ist auf der Innenseite durch Asphaltbeton abgedichtet, während die Außenseite durch die Begrünung vor Erosion geschützt ist. Dafür wurden nach Fertigstellung etwa 40 000 Bäume und Sträucher weiträumig gepflanzt – eine Maßnahme, die das Becken fast unsichtbar in die Waldlandschaft integriert.

Im Becken stehen zwei Türme, der Einlaufturm und der Aufzugturm. Beide Türme sind an ihrem Kopfende miteinander verbunden. Der Zugang zum Aufzugsturm erfolgt über einen unter der Beckensohle verlaufenden Gang.

Das Hornbergbecken ist das Oberbecken des Pumpspeicherkraftwerks Wehr, dessen Unterbecken die Wehratalsperre ist. Es liegt bei Herrischried im Ortsteil Hornberg auf der Kuppe des Langen Ecks, dem höchsten Berg des Hotzenwaldes. Das Oberbecken hat die Funktion einer riesigen Batterie. Das Becken speichert Strom in Form von Wasser ein, das bei Bedarf sekundenschnell über einen Schacht auf die 600 Meter tiefer liegende Turbinen bei Wehr strömt und Energie erzeugt. Nach getaner Arbeit wird das Wasser im Unterbecken, dem Wehrabecken, aufgefangen. Ist zu viel Energie im Stromnetz, wird mittels der überschüssigen Energie das Wasser aus dem Unterbecken wieder zurück in das Oberbecken gepumpt. Der Kreislauf beginnt von Neuem.

Das Hornbergbecken dient allein der Stromerzeugung im Pumpspeicherbetrieb. Sein Fassungsvermögen beträgt 4,4 Millionen Kubik, was bei maximalem Turbinenbetrieb für etwa sieben Stunden Betrieb ausreicht. Der Einlaufturm enthält eine Zylinderschütze, die den darunterliegenden Druckschacht auch bei Strömung sicher abschließen kann.

Die Entwicklung des Konzeptes erfolgte durch das Planungsbüro der Schluchseewerk AG, die Genehmigungs- und Ausführungsplanung durch die Firma Lahmeyer. Als Grund für das Projekt führt die Schluchseewerk AG einen "zunehmenden Bedarf an Regel- und Reserveleistung" an. Die Herausforderungen in technischer wie auch planerischer Hinsicht erläutert das Unternehmen so: "Die Planung der Form des Hornbergbeckens war so, dass ein Massenausgleich zwischen dem Abtragsvolumen und dem Dammschüttvolumen erreicht werden konnte. Dadurch wurden die erforderlichen Transporte minimiert." Auf technischer Seite wurden erstmalig Francis-Turbinen für eine Fallhöhe über 600 Meter sowie eine SF6-Energieableitung bei einem Kavernenkraftwerk angewandt. Beim Bau der Hornbergstufe waren zwischen 200 und 300 Beschäftigte im Einsatz. Die Schluchseewerk AG konnte dabei auf die Erfahrungen beim Bau der Unterstufe Säckingen und des Eggbergbeckens zurückgreifen. Die Baukosten für die gesamte Pumpspeicheranlage Kraftwerk Wehr lagen bei 540 Millionen D-Mark. Das entspricht 276 Millionen Euro. Dazu Nadine Eiden von Schluchseewerk AG: "Würde man das Kraftwerk jetzt bauen, würden sich die Baukosten auf weit mehr als eine Milliarde Euro belaufen." Für das Hornbergbecken gibt es eine permanente messtechnische Überwachung des Sicherwassers und der Grundwasserstände. Außerdem werden regelmäßig Kontrollgänge durchgeführt und der Bewuchs auf den luftseitigen Böschungen gepflegt. 2008 fand eine umfassende Sanierung der Asphaltbeton-Oberflächendichtung statt.

Mittlerweile wird das Hornbergbecken auch touristisch vermarktet. So wird es von der Gemeinde Herrischried auf deren Homepage als Sehenswürdigkeit wie folgt angepriesen: "Heute dient das Hornbergbecken nicht nur als Pumpspeicherbecken, sondern erfreut seine Besucher als eine der schönsten Aussichtspunkte im Hotzenwald."