Wir schreiben die frühen 70er Jahre. Schauplatz: Wehr, eine aufstrebende Industriestadt. Die Textilindustrie prägt die drittgrößte Kommune des Landkreises Waldshut ebenso, wie die in den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs angesiedelte Ciba-Geigy. Das Angebot an Supermärkten: überschaubar. Ein Blick auf das Neubaugebiet Zelg: vier kleinere, aber gute Einkaufsmöglichkeiten. Und jede Woche das gleiche Ritual. In jedem Wohngebiet halten regelmäßig ein Gemüselaster und ein Milchwagen. Beide bringen frisches Gemüse und Obst ebenso direkt zum Kunden, wie frische Milch und Joghurt – wie das duftete... Doch von einem Wochenmarkt weit und breit keine Spur. Den gab es dafür auf der anderen Seite des Dinkelbergs, in Schopfheim.

Heute, im Jahr 2017, alles Vergangenheit. Der „Gemüse-Peter“, so der Name des mobilen Gemüselieferanten, hat seinen Dienst ebenso längst eingestellt, wie der mobile Milchmann. Dafür hat Wehr einen Wochenmarkt, Supermärkte, die diesen Namen auch verdienen – aber auf der Zelg, ebenfalls schon seit Jahrzehnten, keinen Tante-Emma-Laden mehr. Nur den Wochenmarkt in Schopfheim, den gibt es immer noch. Neben der Tradition sprechen Ambiente und Angebot für sich. Auch wenn sich letzteres, wie auf den anderen Märkten der Region, deutlich gewandelt hat – bio ist allgegenwärtig.

Auch in anderen Gemeinden haben die in der Regel ein bis zweimal pro Woche stattfindenden Märkte eine lange Tradition und sind somit eine feste Größe im Stadtbild und für Händler und Kunden gleichermaßen ein willkommener Treffpunkt. Aber es gibt auch Einrichtungen jüngeren Datums – den Wochenmarkt in Wehr beispielsweise. Aber nicht jeder Wochenmarkt ohne Tradition hat eine Garantie aufs Überleben, wie ein Blick nach Murg zeigt.

Aber egal ob Schopfheim oder Waldshut, Kunden und Händler sehen in Wochenmärkten nur Vorteile: kurze Wege und frische Ware sowie natürlich das Wissen, woher diese kommt. Und für Biobauer Peter Schmitt (58) vom Theresiahof in Wehr die einzige Möglichkeit, seine Waren zu verkaufen: „Wochenmärkte sind unser einziger Absatz. Ich komme sehr gerne auf den Markt nach Rheinfelden und das schon seit 22 Jahren.“ Ähnlich sieht es auch Monika Hügin aus Rümmingen. Ihre Familie kommt bereits in dritter Generation nach Schopfheim. Sie schätzt als Beschickerin das Ambiente ebenso wie die netten Kunden. Eine davon ist Sabine Imping aus Schopfheim: „Die Händler bieten beste regionale und saisonale Produkte und suchen dazu gerne auch das freundliche Gespräch.“ Ganz wichtig ist ihr auch, dass nachfolgende Generationen die Bedeutung von regionalen und saisonalen Lebensmitteln zu schätzen wissen. Deshalb nimmt sie oft ihre Enkel mit auf den Markt. Und Ulrike Koenemund aus Bad Säckingen ergänzt: „Ich kaufe gerne auf dem Wochenmarkt ein, der kurzen Wege wegen, es ist regional, ich kaufe die Produkte, die gerade Saison haben und ich mag die Atmosphäre. Ich produziere damit weniger Verpackungsmüll."

So sieht es auch Andrea Fleig aus Waldshut: „Mir gefällt am Waldshuter Markt besonders das Persönliche. Viele Leute kennt man mit Namen, man unterhält sich. Wichtig ist mir auch, dass ich hier regionale Produkte finde. Und natürlich ist das Angebot sehr gut, frisch und ohne Chemie.“ Einer ihrer möglichen Anbieter könnte Richard Keßler vom gleichnamigen Obsthof aus Wutöschingen-Schwerzen sein: „Seit bald 30 Jahren stehe ich jeden Mittwoch und Samstag auf dem Waldshuter Markt mit meinen selbstproduzierten Produkten. Die gehen immer sehr gut weg.“

Blick in die Geschichte: Wie alles begann

Schon zu Zeiten von Karl dem Großen dienten Marktplätze als Anlaufpunkte für die Bürger. Ihre Hochphase erlebten die Wochenmärkte während des Beginns der Städtebildung im frühen 10. Jahrhundert. Zu den ältesten Märkten zählt der im Jahr 958 gegründete Trierer Hauptmarkt. Anfangs war die Veranstaltung von Märkten noch den Klöstern und Bischöfen vorbehalten. Sie handelten vor allem mit Produkten und Handwerkserzeugnissen, die sie selbst nicht herstellten. Von großer Bedeutung waren auch die Feudalherren, die jedem Bürger unabhängig vom sozialen Stand freien Zutritt gewährleisteten. Im Gegenzug erhoben sie einen Marktzoll auf jeden Handel und die Benutzung der Waagen. Ab dem 13. Jahrhundert traten immer mehr Feudalherren ihre Marktrechte an die Städte ab. Sie verstanden die Funktion des Marktes als ökonomisches Zentrum und errichteten in deren Umfeld Kirchen und Gasthöfe.
 

Einige der schönsten Wochenmärkte der Region

  • Wochenmarkt Waldshut
    Der Waldshuter Wochenmarkt lockt mittwochs und samstags in die Kaiserstraße. <sup></sup><em>Bild: Jonathan Böse</em>
    Der Waldshuter Wochenmarkt lockt mittwochs und samstags in die Kaiserstraße. Bild: Jonathan Böse | Bild: Jonathan Böse

    Die Kaiserstraße mit ihren schmucken Altstadthäusern bietet seit 1989 zwei Mal in der Woche die Kulisse für den Waldshuter Wochenmarkt. Der erste Wochenmarkt in Waldshut fand übrigens 1873 auf dem Johannisplatz statt. Am Mittwoch und Samstag bieten dort landwirtschaftliche Erzeuger und Biobauern aus der Umgebung von Waldshut-Tiengen und sogar aus dem Schwarzwald ihre Waren an – insgesamt sind es 18 Marktbeschicker. Die Besucher können zudem unter anderem türkische Spezialitäten verkosten, Brot, Käse, Fisch oder Wurst einkaufen oder sich mit allerlei Blühendem eindecken. Das Angebot hat sich auch auf der anderen Rheinseite herumgesprochen – auch viele Schweizer schätzen den Bummel auf dem Wochenmarkt.

    Wann? Der Wochenmarkt in Waldshut findet mittwochs und samstags von 7 bis 13 Uhr statt. Fällt der Markttag auf einen gesetzlichen Feiertag, findet der Markt am Vortag statt. Bei Veranstaltungen, die auf den Markttag fallen, wird dieser auf den Viehmarktplatz verlegt (außer Weihnachtsmarkt). (jbo)

  • Wochenmarkt Bad Säckingen
    Unter den mächtigen Türmen des Münsters findet der Bad Säckinger Wochenmarkt statt.
    Unter den mächtigen Türmen des Münsters findet der Bad Säckinger Wochenmarkt statt. | Bild: Marion Rank

    Klein und fein unter der Woche, größer und mit deutlich mehr Auswahl am Wochenende – so präsentiert sich der Bad Säckinger Wochenmarkt. Am Mittwoch findet dieser in der Schützenstraße statt, am Samstag breitet sich der beliebte Treffpunkt für Händler und Kunden zu den Füßen des stattlichen Fridolinsmünsters aus. Auf dem Münsterplatz, teilweise auch an der Münsternordseite, bieten nicht nur die landwirtschaftlichen Erzeuger aus Bad Säckingen und der Region ihre Waren an. Die Besucher können mit ihren Einkaufskörben unter anderem auch Beim Biobauern und an einem italienischen Feinkoststand vorbeischlendern, oder beim Fischhändler sowie beim Metzger vorbeischauen. Schön gebundene Blumensträuße gibt es genauso wie Kräutersetzlinge oder Topfpflanzen. Für Naschkatzen warten etwa selbstgemachte Marmeladen oder Honig von heimischen Bienen.

    Wann? Der Wochenmarkt in Bad Säckingen findet mittwochs von 7 bis 12 Uhr in der Schützenstraße und samstags von 7 bis 12 Uhr auf dem Münsterplatz statt. Ist Münsterplatz anderweitig belegt, beispielsweise durch das Brückenfest, so findet der Markt auch samstags in der Schützenstraße statt. (mara)

  • Wochenmarkt Rheinfelden
    Der Wochenmarkt in Rheinfelden findet immer dienstags und samstags im Kastanienpark statt.
    Der Wochenmarkt in Rheinfelden findet immer dienstags und samstags im Kastanienpark statt. | Bild: SÜDKURIER

    Der Kastanienpark, Mitten in der Rheinfelder Innenstadt, bietet den schmucken Rahmen für den dort zweimal wöchtlich stattfindenden Wochenmarkt. Im Schatten des außen wie innen jüngst modernisierten Rathauses, bieten die Marktbeschicker immer dienstags und samstags ihre Waren an. Auf dem Markt finden die Besucher ein umfangreiches Angebot von regionalen Produkten bis hin zu internationalen Spezialitäten, von biologisch angebautem Gemüse über Holzofenbrot bis hin zu eingelegten Oliven. Französiche Backwaren runden das Angebot der aus Rheinfelden und der umliegenden Gemeinden kommenden Händler ab. Und nach dem Marktbummel bieten sich Eiscafés und Straßenwirtschaften zum Verweilen an.

    Wann? Der Wochenmarkt in Rheinfelden findet ganzjährige dienstags und samstags statt. Der Markt hat im Sommerhalbjahr (15. April bis 14. Oktober) zwischen 07 Uhr und 13.30 Uhr und im Winterhalbjahr (1. Oktober bis 14. April) von 8 bis 12.30 Uhr geöffnet.

  • Wochenmarkt Schopfheim
    Der Wochenmarkt in Schopfheim hat eine jahrhunderte lange Tradition.
    Der Wochenmarkt in Schopfheim hat eine jahrhunderte lange Tradition. | Bild: Ralph Lacher

    Auf dem Marktplatz der Markgrafenstadt bieten die Händler der Region, insbesondere aus dem Wiesental und vom Dinkelberg, immer mittwochs und samstags ihre Waren feil. Der Blick ins Archiv verrät, dass der Wochenmarkt auf dem heutigen Marktplatz bereits ab 1827 stattgefunden haben soll, mit Sicherheit aber ab 1898. Der eigentliche Marktplatz vor dem Rathaus reicht längst nicht mehr für alle Marktbeschicker aus, die angrenzende Straße wird ebenfalls zur Freiluft-Verkaufsfläche. Derzeit gibt es 30 Marktbeschicker, weitere Anwärter stehen auf einer Warteliste. Neben landwirtschaftlichen Erzeugern bieten auch Metzgereien, Bäcker, Gärtner, ein Franzose aus dem Elsass und die GersbacherChäs-Chuchi ihre essbare Handwerkskunst den Kunden an.

    Wann? Der Wochenmarkt in Schopfheim findet auf dem Marktplatz in der Innenstadt mittwochs und samstags statt. Er ist an beiden Tagen von 7 bis 13 Uhr geöffnet. Fällt der Markttag auf einen gesetzlichen Feiertag, so wird der Markt um einen Tag nach vorne verlegt. (rl)