Radeln im Rudel liegt im Trend. Dies zeigen die Teilnehmerzahlen des Slowup Hochrhein, dem autofreien Sonntag, der zuletzt 25 000 Menschen dazu gebracht hat, die Strecke zwischen Laufenburg und Bad Säckingen diesseits und jenseits des Rheins auf zwei statt vier Rädern abzufahren.

Beliebt bei Radfahrern ist mitunter auch die derzeit gesperrte Albtalstrecke. Dort sind immer wieder Radler, ungestört vom motorisierten Verkehr, zu sehen, ebenso Fußgänger. Das Befahren der Strecke ist allerdings nicht erlaubt. Bis die Felsen auf dem Abschnitt der Landesstraße 154 zwischen Hohenfels und Tiefenstein nicht gesichert sind, gilt für den Abschnitt: Betreten und Befahren verboten.

Die Idee eines autofreien Tages im Albtal ist nicht neu

Was wäre, wenn Radfahrer, sobald die Albtalstrecke saniert ist, ganz legal durch das von Felsen gesäumte Tal und ungestört von Auto- und Motorradfahrern in die Pedale treten könnten? Die Idee eines autofreien Tages zwischen Albbruck und St. Blasien ist nicht neu: "Wir sind ein- bis zweimal deswegen zusammengehockt, mein früherer Amtskollege Rainer Fritz aus St. Blasien und ich", sagt der Albbrucker Bürgermeister Stefan Kaiser.

Die Albtalstrecke ist berühmt für ihre fünf Tunnel.
Die Albtalstrecke ist berühmt für ihre fünf Tunnel. | Bild: Roland Gerard

Doch die Umsetzung sei schwierig gewesen, "weil rechts und links der Strecke Dörfer liegen, deren Zufahrt sichergestellt werden müsste", so der Rathauschef. Während der jetzigen Sperrung können die betreffenden Orte nur über Umwege erreicht werden. Dadurch ergibt sich in diesen Dörfern eine zusätzliche Verkehrsbelastung. "Die große Lösung haben wir deshalb bleiben lassen", erinnert sich Kaiser.

Albbrucks Bürgermeister Stefan Kaiser favorisiert kleine Sperrung

Einen Slowup auf einem kürzeren Streckenabschnitt des Albtals wie beispielsweise zwischen Hohenfels und Tiefenstein könne sich der Bürgermeister jedoch grundsätzlich vorstellen. "Mit einer kleinen Sperrung könnte das ein schöner Event sein", sagt Stefan Kaiser.

Von der Idee, das Albtal streckenweise nicht nur einmal im Jahr, sondern beispielsweise jedes Wochenende in den Sommermonaten zugunsten von Radfahrern für den motorisierten Verkehr zu sperren, hält Stefan Kaiser hingegen "gar nichts". Der Bürgermeister fügt erklärend hinzu: "Das halte ich für undurchführbar. Straßen dienen dem Verkehr und nicht dem Freizeitvergnügen von Radfahrern und Inlineskatern."

Spaziergänger wandern an einem Sommersonntag durch das eigentlich gesperrte Albtal zwischen Albbuck-Hohenfels und Görwihl-Tiefenstein.
Spaziergänger wandern an einem Sommersonntag durch das eigentlich gesperrte Albtal zwischen Albbuck-Hohenfels und Görwihl-Tiefenstein. | Bild: Roland Gerard

Kaiser befürchtet, dass die Berechtigung der L 154 bei regelmäßiger Sperrung für touristische Zwecke in Frage gestellt werde. "Dann stellt sich die Frage, brauchen wir die Strecke überhaupt noch oder machen wir sie ganz zu?" Diese Diskussion wolle der Bürgermeister gar nicht erst aufkommen lassen.

In der Schweiz finden 19 Slowup-Veranstaltungen pro Jahr statt

"Ein Slowup ist immer eine tolle Sache für die Bevölkerung", sagt Helene Häseli, Geschäftsführerin des Vereins Slowup Hochrhein aus dem schweizerischen Gipf-Oberfrick, die einmal im Jahr den Slowup am Hochrhein organisiert. Sie berichtet, dass in der Schweiz 19 Mal übers Jahr verteilt an einem jeweils anderen Ort ein Slowup durchgeführt werde. "Das ist eine Erfolgsgeschichte", sagt Häseli. Eine Veranstaltung wie den Slowup an jedem Wochenende im Sommer auszurichten, hält sie jedoch aus organisatorischen Gründen für nicht durchführbar.

"Eine super Idee", findet Antonia Kiefer die Überlegung, das Albtal zugunsten der Radfahrer zu sperren. "Aber nicht nur für eine einmalige Veranstaltung, sondern dauerhaft", sagt das Mitglied im Verkehrsclub Deutschland (VCD) und frühere stellvertretende Vorsitzende der inzwischen aufgelösten VCD-Ortsgruppe Waldshut. Wichtiger sei, "eine Strecke zu haben, auf der Radfahrer in Ruhe fahren können", sagt die begeisterte Radfahrerin, die sich von Motorradfahrern auf Straßen oft gestört fühlt.

Geröll auf der Straße zeigt, warum das Albtal bis zur aufwändigen Sicherung der Felshänge gesperrt wurde. Bild: Roland Gerard
Geröll auf der Straße zeigt, warum das Albtal bis zur aufwändigen Sicherung der Felshänge gesperrt wurde. Bild: Roland Gerard | Bild: Gerard, Roland

Eine einmalige Veranstaltung wie der Slowup bringe in ihren Augen nichts, "da die Leute dann mit ihrem Auto – das Rad im Kofferraum – nach St. Blasien fahren, mit dem Rad nach Albbruck fahren und von dort nach Hause mit dem Auto". Das sei "kontraproduktiv", fügt Kiefer hinzu.

Das sagt das Landratsamt zur Albtal-Vision

Doch wäre es juristisch überhaupt möglich, das Albtal für touristische Zwecke über die Sommermonate zu sperren? Susanna Heim, Pressesprecherin des Landratsamts Waldshut, teilt auf Anfrage dazu mit: "Bei der Albtalstraße handelt es sich um eine Landestraße (L 154), die vorwiegend dem durchgehenden Verkehr innerhalb eines Landes dient. Mit einer regelmäßigen Sperrung an einem Tag in der Woche würde faktisch in diese Zweckbestimmung eingegriffen, da die Straße dann nicht mehr regelmäßig dem öffentlichen Verkehr zur Verfügung stehen würde."

Eine Einschränkung sei auf den engen Einzelfall beschränkt, "sodass wir für regelmäßige Sperrungen keine Rechtsgrundlage sehen", so Heim weiter. Für eine einmalige Veranstaltung im Jahr wie dem Slowup wäre eine Sperrung aus Sicht des Landratsamtes jedoch grundsätzlich denkbar.

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