„Wir sind immer froh, wenn wir acht Leute zusammenkriegen. Das ist eine gute Gruppengröße“, sagt Dieter Scheibler. Gemeinsam mit Valeska Rüsch bietet er seit fünf Jahren in Bad Säckingen Kurse für Eltern an, die sich getrennt haben. Die beiden Diplom-Psychologen arbeiten für den Caritasverband Hochrhein. Gerade im ländlichen Raum sei es nicht leicht, genügend Teilnehmer für die im Frühjahr und Herbst stattfindenden Kurse zu finden, so Scheibler.

Dieter Scheibler und Valeska Rüsch in Scheiblers Büro in der Caritas-Bezirksstelle Bad Säckingen.
Dieter Scheibler und Valeska Rüsch in Scheiblers Büro in der Caritas-Bezirksstelle Bad Säckingen. | Bild: Marcel Jud

„Auch wenn Interesse besteht, ist die Sorge oft größer, beim Kurs jemanden zu treffen, den man aus einem anderen Zusammenhang kennt.“ Diese Sorge sei jedoch unbegründet, sagt der Psychologe: „Wir bieten einen geschützten Raum an. Bei uns wird niemand gezwungen, sich auszuziehen.“

Doch warum lohnt es sich für Eltern, die sich getrennt haben, überhaupt, an einem solchen Kurs teilzunehmen? Was ist das Ziel?

„Ein Stichwort ist Orientierung: Orientierung für die Eltern selbst und wie sie den Kindern in der Trennungszeit Orientierung geben können“, erklärt Scheibler. Zentral sei, den Eltern verständlich zu machen, dass sie nur dann für ihre Kinder richtig da sein können, wenn es auch ihnen selbst gut gehe. „Es geht darum, den Blick wieder auf das Kind zu richten. Denn häufig ist der Verlassene in seiner Kränkung gefangen und der, der verlassen hat, in einer Aufbruchsstimmung, in der er das Kind auch nicht sieht.“

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Wenn der Blick wieder auf das Kind gerichtet sei, gehe es auch darum, diesem die Schuldgefühle zu nehmen. „Man muss ihm erklären, dass die Liebe zwischen Erwachsenen zwar endlich sein kann, aber die von den Eltern zum Kind bleibt“, so Scheibler. Valeska Rüsch ergänzt, dass es bei der „Orientierung“ auch um die Bewältigung der Konflikte gehe, die zur Trennung geführt haben. „Wenn man in den Konflikten hängen bleibt, ist auch die ganze Energie dort gefangen und fehlt für das Kind“, so die Psychologin.

Und wie werden diese Ziele in den Kursen erreicht?

Ein wichtiger Teil sind geleitete Gespräche unter den Teilnehmern selbst. „In der Gruppe sind Personen, die verlassen wurden, und solche, die verlassen haben. Dadurch können die Teilnehmer auch Verständnis für die jeweils andere Seite entwickeln sowie die Frauen- beziehungsweise Männerseite kennenlernen“, sagt Rüsch. Allerdings gibt es in der Gruppe keinen Austausch mit dem eigenen Ex-Partner. „In einer Kursgruppe ist immer nur ein Elternteil, sonst würde es eskalieren“, so Rüsch.

Neben den Gesprächen gibt es auch theoretischen Input durch die beiden Psychologen und Übungen. „In der ersten Stunde geht es uns darum, zu vermitteln, dass eine Trennung immer ein Prozess ist“, sagt Scheibler. Zentral sei, wo man selbst in diesem Prozess gerade stehe und auch, dass ein solcher Prozess nicht linear verlaufe, sondern man immer wieder von vorne anfange. „Es hilft, diese Erfahrungen in der Gruppe zu erleben. Jeder hat schon Krisen durchlebt. Die Frage ist: Welche Ressourcen bringe ich mit, wie kann ich dort anknüpfen?“, erklärt Scheibler.

Bei den Übungen wiederum steht oft die Perspektive der Kinder im Zentrum

„Zum Beispiel übernimmt ein Teil der Gruppe die Kinderrolle und stellt Fragen, die ihre Kinder stellen, und die anderen Eltern versuchen, darauf kindgerechte Antworten zu geben“, sagt Valeska Rüsch. Bei einer anderen Übung werden die inneren Konflikte der Kinder anhand von Holz-Tieren dargestellt. Ein kleiner Hund ist das Kind, eine Tigerin die Mutter und ein Bär der Vater.

Familienaufstellung mit Holztieren.
Familienaufstellung mit Holztieren. | Bild: Marcel Jud

Da das Kind Anteile von beiden Eltern in sich trägt, sind dem Hund auch ein kleiner Tiger und ein kleiner Bär zur Seite gestellt. „So kann man zum Beispiel bildhaft darstellen, was geschieht, wenn etwa der Papa schlecht über die Mama spricht: Der kleine Hund und der kleine Bär sind dann zwar ganz nahe beim Papa-Bär, aber der kleine Tiger bleibt außen vor“, erklärt Dieter Scheibler.

Dieter Scheibler erklärt im Video, wie die Familienaufstellung mit Holztieren funktioniert:

Video: Marcel Jud

Der Kurs beinhaltet drei Treffen vor und eines nach den Herbstferien. Reicht das?

Das sei sehr unterschiedlich und habe auch mit den verschiedenen Ausgangspunkten der Eltern zu tun, betonen die beiden Psychologen. „Manche kommen direkt nach der Trennung in den Kurs. Bei anderen ist die Trennung bereits seit ein oder zwei Jahren vorbei“, sagt Valeska Rüsch. Das Spektrum reiche von Teilnehmern „die schon sehr aufgeräumt sind und Bestätigung suchen“, bis zu solchen, bei denen „deutliche Spannungen“ sichtbar würden oder die auf Empfehlung des Familiengerichts kämen.

Der Gruppenkurs könne auch ein erster Schritt in eine weitergehende Beratung oder eine Mediation mit dem Ex-Partner bei der Caritas oder einer anderen Beratungsstelle sein. Durch die Kurse werde ein Fundament geschaffen, auf dem die Eltern aufbauen könnten, sagt Rüsch. „Viele nehmen danach auch eine Beratung bei unserer Beratungsstelle in Anspruch, wo das Ganze nochmals individueller angeschaut werden kann“, so die Psychologin.