Urlauber am Hochrhein sollen in Zukunft auch im benachbarten Hochschwarzwald und Bodenseeraum Freizeitangebote wahrnehmen können – gratis oder für wenig Geld. Finanzieren sollen diese „3Welten-Card“ die Gastbetriebe. Mit solchen Vergünstigungskarten für Bäder, Museen, Sportstätten und andere Angebote locken heute schon andere Urlaubsregionen ringsum.

Die Tourismusabteilung im Landratsamt arbeitet zusammen mit einer Werbeagentur aus Oberstaufen an dem Konzept, das ab 2020 umgesetzt sein könnte. Eine Machbarkeitsstudie kam zum Ergebnis, dass sich die Gästekarte für alle lohnen könnte. Im Tourismus-Ausschuss des Kreistags war die Reaktion auf den Zwischenbericht überwiegend positiv.

Beitrag der Gastbetriebe

Günstig ins Gloria-Theater nach Bad Säckingen, in ein Hallenbad oder eine Tennishalle, aber auch jenseits der Kreisgrenzen im Schiff zum Rheinfall in Schaffhausen, dort auch in den Freizeitpark; ein Badetag in der Solemar-Therme Bad Dürrheim, eine Führung durchs Uhrenindustriemuseum in Villingen-Schwenningen – das alles zumindest sehr preiswert: Das Angebot für erlebnishungrige Urlauber ist abhängig von der Bereitschaft der Gastbetriebe, die pro Gast und Übernachtung vier Euro (für Kinder drei) in den Topf einzahlen müssten, und vom Mittun der Freizeitanbieter.

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Mitmachen ist freiwillig. Was Letztere betrifft, trafen die Projekterfinder zwischen St. Georgen, Untersee, Wehr und Rottweil auf breites Angebot, von Brauereien über Heilbäder bis zu Schifffahrtsbetrieben. Bei den Gastgeberbetrieben soll ein Potenzial von 250 000 Übernachtungen zusammenkommen, Betriebe mit 210 000 haben bisher zugesagt.

Förderung durch die EU

Ein starkes Argument ist die starke Förderung des Projektes durch die Europäische Union. Die Touristiker gehen in den ersten drei Jahren von Startkosten von 714 000 Euro aus. Davon sind 60 Prozent Zuschuss aus dem europäischen „Interreg“-Programm zugesagt. Der Landkreis Waldshut müsste 40 000 Euro im Jahr vorfinanzieren, bekäme das Geld aber wieder zurück.

In der Praxis, so die Erfahrung der beratenden Agentur, erhält der Freizeitbetrieb in der Regel 50 Prozent des Normalen in die Kasse. Die Gastronomen zahlen für eine vierköpfige Familie 14 Euro Umlage. Beide dürfen auf eine bessere Auslastung durch Feriengäste hoffen.

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Aus der Gästekarte kann später auch eine käufliche „Bürgerkarte“ werden, die Einheimischen einen großen Erlebnisradius zum kleinen Preis erschließt. Wie für die bescheidene Umlage von 4 Euro pro erwachsenem Gast solche Angebote möglich sind, erkundigte sich Kreisrat Peter Schanz (Grüne).

Die mathematische Erklärung gab Konstatin Andreas Feustel von der touristisch erfahrenen Agentur Wiif: Die Urlauber nutzen meist nur einen kleinen Teil des Angebotes, auch wenn sie die Freiheit der Auswahl genießen.

Projekt mit weiterem Potenzial

Josef Klein (Freie Wähler) aus Wehr fragte, ob im Interesse des westlichen Kreisgebietes auch Attraktionen im Kreis Lörrach dazukommen könnten. Das Projekt könne auch wachsen, erklärte Feustel. Klaus Nieke, der Tourismusbeauftragte des Landkreises, sieht in der Gästekarte „ein wichtiges Marketing-Instrument“ für den Fremdenverkehr.