Die spektakuläre Felsräumung im Albtal stößt fast ausschließlich auf positive Resonanz: Unbekannte hatten letzte Woche den Fels auf der Albtalstraße in einer Nacht- und Nebelaktion einfach das Albtal hinabgerollt. Die Bürgermeister aus Albbruck und Görwihl zollen der Aktion Beifall. Für sie ist es ein wichtiges Zeichen der Bevölkerung. Die Salpeterbewegung Pro Albtalstraße hofft, dass dadurch die Straße bald wieder geöffnet wird. Allerdings wird sich die Situation in nächster Zeit wohl kaum ändern.

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„Es ist ein klares und deutliches Zeichen an die Verantwortlichen im Regierungspräsidium, hier endlich tätig zu werden und das Tal sofort wieder zu eröffnen“. Diese deutlichen Worte fand Carsten Quednow, Bürgermeister von Görwihl zu der Aktion gegenüber unserer Zeitung. Genauso sieht es auch Quednows Amtskollege Stefan Kaiser aus Albbruck: „Damit zeigt die Bevölkerung: Wir sind noch da, wir tun etwas und wir wollen gehört werden.“

Unbekannte haben den rund zehn Tonnen schwere Fels, der die Sperrung der Albtalstraße 2015 verursacht hatte, entfernt. Er liegt nun an der Halde oberhalb der Alb.
Unbekannte haben den rund zehn Tonnen schwere Fels, der die Sperrung der Albtalstraße 2015 verursacht hatte, entfernt. Er liegt nun an der Halde oberhalb der Alb. | Bild: Peter Schütz

Was sie die beiden meinen: Die Strecke, die Albbruck mit Görwihl verbindet, ist seit nunmehr fünf Jahren gesperrt. Der Verkehr wird über die umliegenden Ortschaften umgeleitet. Den Leuten stinkt es, dass immer noch nichts passiert ist. Sie wollen, dass die Straße endlich wieder freigegeben wird. Dass das bald der Fall ist, ist aber recht unwahrscheinlich. „Wir gehen davon aus, dass dieser Vorgang keinen Einfluss auf die grundsätzliche Gefährdungslage an der Albtalstraße hat“, sagt Heike Spannagel, Pressesprecherin des Regierungspräsidiums Freiburg.

„Die Bevölkerung hat mit dieser Tat ihrer Hilflosigkeit Luft gemacht“, so Quednow. „Es soll zeigen wie einfach sich das Tal aufräumen lässt und wie einfach es ist, das Tal wie die letzten 100 Jahre einfach wieder in Betrieb zu nehmen. Dass die Verantwortlichen das so nicht hören wollen, ist mir klar, aber sich immer nur hinter angeblichen Vorschriften und möglichen Gefahren zu verstecken, das glaubt niemand mehr“, führt er weiter aus. Viele Termine habe es mit Behörden schon gegeben. Verkehrsminister Winfried Hermann habe auch schon versprochen, das Albtal wieder zu eröffnen – bisher ohne Erfolg. Kein Wunder also, meinen die beiden Bürgermeister, dass es den Menschen im Albtal reicht und sie kurzerhand selbst den Stein von der Straße rollten. Das Landratsamt sieht das anders: Pressesprecher Michael Swientek bezeichnete die Aktion gegenüber unserer Zeitung als illegal.

Politiker kamen und schauten. Das war‘s dann aber auch schon. Von links: Bundestagsabgeordneter Felix Schriner, Landtagsabgeordnete Sabine Hartmann-Müller, Ministerialdirektor Uwe Lahl und Heidi Götz, Abteilungsdirektorin vom Referat Recht, Verwaltung, Grunderwerb.
Politiker kamen und schauten. Das war‘s dann aber auch schon. Von links: Bundestagsabgeordneter Felix Schriner, Landtagsabgeordnete Sabine Hartmann-Müller, Ministerialdirektor Uwe Lahl und Heidi Götz, Abteilungsdirektorin vom Referat Recht, Verwaltung, Grunderwerb. | Bild: Peter Schütz

Besonders von der Umleitung betroffen ist die Ortschaft Buch. Hier lebt Stephan Marder, Mitglied der Salpeterbewegung Pro Albtalstraße. Die Initiative setzt sich seit langem für die Öffnung der Albtalstraße ein. „Dass der Felsen endlich weg ist, finde ich gut. Das ist ein Signal für die Wiedereröffnung“, findet auch er. Dass die Strecke so lange gesperrt war, versteht er ohnehin nicht. „Die Straße wurde innerhalb von etwa vier Jahren gebaut, aber die Gutachten dauern inzwischen schon fünf Jahre. Das stimmt doch die Relation nicht“, sagt Marder. Problematisch sei für ihn an der Sperrung der Straße, dass der Verkehr durch die Dörfer umgeleitet wird – vorbei an Schule, Kindergarten und Sportplatz, dort also, wo ständig Kinder über die Straße gehen. „Irgendwann kommt der Moment, wo ein Kind unter einem Auto liegt“, schimpft er. Deswegen findet er es gut, dass durch so eine Aktion Druck aufgebaut wird.

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Hier befand sich bis vor kurzem der Fels. Bild: Peter Schütz
Hier befand sich bis vor kurzem der Fels. Bild: Peter Schütz