Hoch Arnulf wirft wieder mal den Möhlin-Jet an. Mit diesem Begriff wird ein lokales Wetterphänomen am Hochrhein bezeichnet, das im Winter dort für eine völlig ungleiche Verteilung der Sonnenstunden sorgt: Ein Südostwind sorgt dafür, dass sich nördlich der Jura-Kette Richtung Basel in Wehr, Schwörstadt oder Rheinfelden keine geschlossene Nebeldecke bilden kann und die Sonne lacht. Zur gleichen Zeit hängt über Bad Säckingen, Laufenburg oder Waldshut Hochnebel, je weiter den Rhein und die Aare hinauf, umso dicker.

Wehr im strahlenden Sonnenschein, auf dem Hotzenwald brodelt der Hochnebel: Dieses Zeitraffervideo zeigt, wie die Wolkendecke an der westlichen Hotzenwald-Kante abreißt:

Video: Obermeyer, Justus

Nebel ist nichts anderes als Wasser. Dieses ist immer in der Luft enthalten, meist gasförmig und nicht sichtbar. Wenn sich die Luft aber abkühlt, kondensiert das Wasser und Wolken entstehen. Am dicksten ist der Winternebel im Schweizer Mittelland, wo sich die von den Alpen herabfließende Kaltluft wie in einer riesigen Badewanne sammelt.

Diese Aufnahme vom Donnerstag zeigt klassisches Möhlin-Jet-Wetter: Über Schwörstadt lacht die Sonne, dahinter liegt Bad Säckingen unter einer dichten Wolkendecke, die bis zum Bodensee reicht.
Diese Aufnahme vom Donnerstag zeigt klassisches Möhlin-Jet-Wetter: Über Schwörstadt lacht die Sonne, dahinter liegt Bad Säckingen unter einer dichten Wolkendecke, die bis zum Bodensee reicht. | Bild: Helmut Kohler

Die kalte Luft folgt der Aare und dem Rhein, bis sie bei Bad Säckingen eine Engstelle zwischen Jura und Hotzenwald passiert. Hier wird die Kaltluft wie in einer Düse beschleunigt. Der Möhlin-Jet wirbelt kalte und wärmere Luft durcheinander, der Nebel löst sich westwärts immer weiter auf. Bei geringer Windstärke tragen dazu Südwestwinde aus dem Burgund bei. Benannt ist dieses Wetterphänomen nach der Ortschaft Möhlin im Kanton Aargau. Die Lokale Bevölkerung nennt den Wind "Fricktäler".

Nebel auf den Bergen, Sonne im Tal

Und noch etwas Außergewöhnliches: Normalerweise liegt bei einer herbstlichen oder winterlichen Inversions-Wetterlage das Tal unter einer Hochnebeldecke, auf den Bergen herrscht strahlender Sonnenschein. Der Möhlin-Jet stellt auch diese Wetterregel auf den Kopf. Im Tal räumt er den Nebel aus, auf 800 Meter liegt im Hotzenwald alles unter einer Nebeldecke.

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Nächste Woche kommt der Winter

Wer also am Hochrhein Sonne genießen will, muss nach Wehr, Schwörstadt, Rheinfelden oder weiter Richtung Basel fahren. Wetterbeobachter Helmut Kohler rät, die Sonnenstrahlen zu genießen. Ab nächster Woche hält vermutlich der Winter Einzug.