Ofteringen – In der Ofteringer Klosterschüer versammelte sich der VdK-Kreisverband Waldshut zur Feier seines 70-jährigen Bestehens, zahlreiche Mitglieder und Funktionsträger der einzelnen Ortsvereine waren der Einladung zum Sektempfang am Vormittag gefolgt. Als Ehrengäste konnten die beiden Bundestagsabgeordnete Rita Schwarzelühr-Sutter (SPD) und Thomas Dörflinger (CDU) sowie Axel Albicker vom Amt für soziale Hilfen des Landkreises, der Vorsitzende des Bezirksverbandes Südbaden, Uwe Würthenberger, und Christof Widder als Vertreter der gastgebenden Gemeinde Wutöschingen begrüßt werden.

Die Kreisvorsitzende Lucia van Kreuningen erinnerte in ihrer Begrüßung an die Anfänge des VdK, der heute nicht mehr den ursprünglichen Dienst der sozialen Versorgung der Körperbeschädigten, Arbeitsinvaliden und Hinterbliebenen erfüllt, sich jedoch zum größten Sozialverband gewandelt hat. Somit habe er eine wichtige wie unentbehrliche Aufgabe hinsichtlich der Sozialberatung übernommen. Die Bezeichnung "Kriegsopfer" durfte übrigens nicht im Vereinsname erscheinen. Die Gründungsversammlung fand 1947 unter der Genehmigung der französischen Militärregierung in Freiburg statt.

Deutschlandweit profitieren inzwischen über 1,8 Millionen Mitglieder vom Service des VdK, die meisten Leistungen erbringen ehrenamtliche Berater und Betreuer. Sozialpolitisches Fachwissen und Rechtssicherheit in allen Leistungsfragen der Sozialversicherungen zählen zu den Kompetenzen des Verbandes, gesellige Zusammengehörigkeit bieten den Mitgliedern ein Stück Zuhause. Die Ansprachen der Gastredner, insbesondere vom Schirmherr und Bezirksverbandsvorsitzenden Würthenberger, machten deutlich, wie wichtig gerade in Zeiten des demografischen Wandels das Wirken des Sozialverbandes VdK ist. Hier gilt es, die Rechte Schwacher und Benachteiligter zu stärken und ihnen Gehör zu verschaffen.

Mit Hilfe der Sozialrechtsfachleute erstreitet der Verband jährlich zwischen acht und zwölf Millionen Euro an Nachzahlungen in durchschnittlich 10 000 Verfahren. Der VdK lässt nicht locker und hat sich insbesondere auch für die Barrierefreiheit sehr stark gemacht. "Oft ist dieses Grundrecht jedoch in vielen Köpfen der Entscheidungsträger noch nicht selbstverständlich vorhanden", merkte Würthenberger am Rande seiner umfangreichen Ausführungen an. "Die meisten Barrieren gibt es immer noch in Bahnhöfen, in öffentlichen Gebäuden, an Bushaltestellen, Geschäften, Kirchen und auf Parkplätzen", so die kritische Aufzählung des Schirmherrn. "Aber wenn sich Tag für Tag eine wachsende Zahl an Menschen vorausschauend, rücksichtsvoll und aufmerksamer verhält, wird unsere Gesellschaft täglich ein wenig besser und damit lebens- und liebenswerter."

Dass dies nicht allein ein frommer Wunsch ist, bestätigte Rita Schwarzelühr-Sutter, die in ihren Ausführungen beschrieb, wie die politisch Verantwortlichen an der Umsetzung eines besseren sozialen Umfeldes arbeiten. Alarmierend sei die Tatsache, dass fast 13 Millionen Menschen in Deutschland unter der Armutsgrenze leben, die Erwerbsminderungsrenten sind eines der größten Armutsrisiken, deshalb fordert der Verband eine dringende Rentenreform und begrüßt die neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffe, die die bisherigen drei Pflegestufen abgelöst haben. Lobend wurde die neue Einrichtung der VdK-Geschäftsstelle in Tiengen in der Bahnhofstraße 12 erwähnt, die für den Landkreis eine große Bereicherung an Beratungsdienstleistung erfüllt, seit dem Herbst wurden bereits 972 Besucher gezählt.

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