"Die spektakulärste Coasterbahn Deutschlands" soll die Sommerrodelbahn in Todtnau sein. Mit bis zu 40 Stundenkilometern saust man hier über 2,9 Kilometer auf bunten Schlitten hinab ins Tal. Damit ist der Hasenhorn Coaster die längste Sommerrodelbahn Deutschlands. Nur die Rodelbahn in Immenstadt im Allgäu ist etwa gleich lang.

Auf dem Hasenhorn lockt ein uriges Gasthaus mit Speisen und Erfrischungsgetränken.
Auf dem Hasenhorn lockt ein uriges Gasthaus mit Speisen und Erfrischungsgetränken. | Bild: Sira Huwiler

Ich bin heute nach Todtnau gefahren und möchte die rasante Abfahrt ausprobieren. Ein Kombi-Ticket für die Auffahrt mit dem Sessellift und die Abfahrt mit der Rodelbahn kostet 10 Euro. Gemächlich tuckert der 2004 modernisierte Doppel-Sessellift in einer rund 13-minütigen Fahrt zur Hasenhorn-Bergstation auf rund 1026 Metern.

Am Nordnordwesthang am Hasenhorn in Todtnau fahren seit 2004 Doppel-Sessellifte hinauf. Den Weg zurück ins Tal machen viele mit der Sommerrodelbahn (links).
Am Nordnordwesthang am Hasenhorn in Todtnau fahren seit 2004 Doppel-Sessellifte hinauf. Den Weg zurück ins Tal machen viele mit der Sommerrodelbahn (links). | Bild: Sira Huwiler

Ich lehne mich zurück, lasse den Blick schweifen. Von der Sommerhitze ergraute Wiesen und dunkle Schwarzwaldtannen säumen den Weg. Es ist herrlich sonnig.

Schöne Aussicht: Der Blick aus dem Sessellift auf Todtnau.
Schöne Aussicht: Der Blick aus dem Sessellift auf Todtnau. | Bild: Sira Huwiler

Doch oben angekommen, der erste Schock: Dutzende Familien stehen an diesem Feriennachmittag Schlange, wollen ebenfalls ins Tal hinab sausen. Also: Anstehen und warten, und zwar ganze 1,5 Stunden in der Mittagssonne ohne Sonnenschutz! Kinder quengeln auf deutsch, englisch, arabisch, russisch und spanisch. Die Besucher kommen von überall her, um diese Schwarzwald-Attraktion zu erleben.

Dutzende Familien aus aller Welt stehen auf dem Hasenhorn Schlange für eine Fahrt mit der Rodelbahn.
Dutzende Familien aus aller Welt stehen auf dem Hasenhorn Schlange für eine Fahrt mit der Rodelbahn. | Bild: Sira Huwiler

Die Schlange bewegt sich nur zäh. Als ich endlich dran bin, bin ich miesgelaunt vom langen Warten. Ich platziere mich und meine Handtasche endlich im für mich vorgesehenen Schlitten, schnalle mich an und achte besonders darauf, dass kein Kleidungsstück über das Gefährt hinaus ragt. "Lose Kleidungsstücke nicht in die Nähe der Fahrbahn, bzw. Laufräder der Schlitten bringen", heißt es nämlich auf den Warnschildern. Dann löse ich die Bremse und rolle geschmeidig los.

Höchstens mit zwei Personen und insgesamt 150 Kilo dürfen die Rodelschlitten beladen werden.
Höchstens mit zwei Personen und insgesamt 150 Kilo dürfen die Rodelschlitten beladen werden. | Bild: Sira Huwiler

Schon nach wenigen Sekunden auf dem Schlitten ist die schlechte Laune verflogen. Die Geschwindigkeit kann ich selbst mit Hebeln an der Seite des Schlittens bestimmen. Die wichtigste Regel: "25 Meter Mindestabstand zum Vorausfahrenden."

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Aber weniger Abstand ist ohnehin nicht möglich: "Unsere Wagen sind top-modern ausgestattet, bremsen seit 2017 automatisch ab, wenn man dem Vordermann zu nahe kommt", sagt Isabel Braun vom Steinwasenpark in Oberried, der auch den Hasenhorn Coaster in Todtnau betreibt, "die Schlitten kommunizieren per Funk miteinander, bremsen automatisch ab, um Zusammenstöße unmöglich zu machen." Grund für die Umrüstung auf das neue Sicherheitssystem waren unter anderem zwei Auffahrunfälle am Hasenhorn, die 2016 mit mehreren Schwerverletzten für Schlagzeilen sorgten.

Die Schlitten werden (oben) vom Sessellift wieder auf den Berg transportiert und reihen sich dann wieder in die Schlange der bereitstehenden Wagen ein (unten).
Die Schlitten werden (oben) vom Sessellift wieder auf den Berg transportiert und reihen sich dann wieder in die Schlange der bereitstehenden Wagen ein (unten). | Bild: Sira Huwiler

Die rund 80 Kilo schweren Schlitten sind fest mit den Schienen verbunden, ein Herausfallen ist nicht möglich. Ich fühle mich sicher. Mal holpern ich und mein blauer Schlitten über lustige Wellen, die mich zum Lachen bringen. Mal bremse ich leicht ab, lege mich dann gekonnt in die steile Kurve, lehne mich mit dem gesamtem Oberkörper gegen die Fliehkraft. Hach, ist das schön! So lustig hatte ich mir das nicht vorgestellt.

Video: Sira Huwiler

Auf langen Geraden genieße ich den Blick auf Todtnau, mit der imposanten zweitürmigen St. Johannes der Täufer Kirche. In Kreiseln erlebe ich das absolute Achterbahn-Gefühl, mitten in der Natur.

Dunkle Schwarzwaldtannen flankieren den Weg des Hasenhorn Coasters.
Dunkle Schwarzwaldtannen flankieren den Weg des Hasenhorn Coasters. | Bild: Sira Huwiler

Hin und wieder schallt freudiges Gebrüll von einem Schlitten mit Kindern über den Buckel – die dürfen ab drei Jahren nämlich bei den Eltern mitfahren. Ab acht Jahren und 1,40 Metern Körpergröße dürfen die Kleinen sogar schon alleine fahren. Mamas zücken Smartphones für Erinnerungsfotos, winken ihren Kindern zum Abschied und stolz donnern die Heranwachsenden dann lautstark grölend den Berg runter. Ich gröle nicht, habe aber einen Riesenspaß. Nach rund sechs Minuten Fahrzeit bin ich ganz zerzaust und ein bisschen traurig, dass die Abfahrt schon vorbei ist. "Nochmal", ruf ein Bub, der gerade ins Ziel saust seiner Mama zu. Und ich kann seinen Wunsch absolut nachvollziehen.

Das Erinnerungsbild kann sich sehen lassen:

Reporterin Sira Huwiler bei der Talfahrt auf dem Hasenhorn Coaster.
Reporterin Sira Huwiler bei der Talfahrt auf dem Hasenhorn Coaster. | Bild: Fotobox/Hasenhorn Coaster

Ausflugsziele mit Geschwindigkeit

  • Sommerrodelbahnen: Der Hasenhorn Coaster in Todtnau wurde 2004 eröffnet. Es ist mit 2,9 Kilometern die längste Sommerrodelbahn Deutschlands. Zu jeder Jahreszeit täglich von 9 bis 16:30 Uhr geöffnet. Einfache Auf- und Abfahrt: Erwachsene 10 Euro, Kinder ab 8,50 Euro; Info: www.hasenhorn-rodelbahn.de. Nur rund zwölf Kilometer entfernt, lockt der Steinwasenpark in Oberried mit einer Coaster-Bahn im Freien, einer Rodelvariante in der Rutsche und einem Space-Runner durch einen futuristischen Kanal. Noch bis 4. November täglich, 10 bis 17 Uhr. Parkeintritt: Erwachsene 23 Euro, Kinder ab 19 Euro; Info: www.steinwasen-park.de.
  • Segway-Touren: Mit dem eigenen Körpergewicht steuert man Segways, die bis zu 20 Stundenkilometer schnell fahren. Geführte Touren, sowie Quadtouren gibt es in Schluchsee und Titisee (www.schwarzwaldgaudi.de), zusätzlich zu den Seen auch in Rothaus (https://myeasyway.de), Touren im Dreiländereck gibt es bei Weil am Rhein (www.e-slide.de).
  • Mit Geschwindigkeit geht es außerdem auf der Kartbahn in Waldshut zu (www.kartbahn-waldshut.de), Mit gepolsterten Bällen kann man beim Zorbing in Neustadt die Skisprunkschanze hinunter sausen (www.myzorbing-schwarzwald.de), sanfter aber mit ebenso viel Adrenalin locken die Riesenrutschen im Galaxyschwarzwald in Titisee (www.badeparadies-schwarzwald.de), an Ziplines durch den Schwarzwald sausen kann man unter anderem zum Abschluss des Kletterwaldes in Titisee mit dem Flying Fox und im mittleren Schwarzwald in der Hirschgrund Zipline Area (www.hirschgrund-zipline.de).