„Wunschkontrollschilder gibt es im Kanton Aargau nicht“, antwortet Johannes Michael Baer vom Straßenverkehrsamt des Kantons Aargau auf die Frage, ob es im Kanton Aargau wie in Deutschland möglich sei, Wunschkennzeichen fürs Auto oder Motorrad zu kaufen. Allerdings, so der Amtsleiter, würden alle zwei Wochen Kontrollschilder auf einer Auktionsplattform im Internet angeboten. Mitbieten können alle, deren „Fahrzeug seinen Standort im Kanton Aargau„ hat, über 18 sind und sich auf der Plattform registriert haben.

Das könnte Sie auch interessieren

Wie eine Kontrollschilder-Auktion abläuft

„In der Regel werden ein- bis fünfstellige Kontrollschilder versteigert. Dabei wird ein Startpreis definiert“, erklärt Baer. Dieser Startpreis variiert je nach Anzahl der Nummern. Bei vierstelligen Kennzeichen liege er bei 2000 und bei fünfstelligen bei 200 Franken, so der Amtsleiter: „Der Endpreis erfolgt beim Zuschlag an den Höchstbietenden.“

Die Dauer der Versteigerung sei grundsätzlich auf einen durch das Straßenverkehrsamt bestimmten Zeitraum beschränkt. Ein höchstes Gebot muss mindestens fünf Minuten bestehen. Erfolgt während dieser Zeit ein höheres Gebot, wird die Zeit ab dem zuletzt eingegangenen Gebot um weitere fünf Minuten verlängert.

Warum Kontrollschilder-Auktionen für Kantone lukrativ sind

Auch viele andere Kantone der Schweiz versteigern Kontrollschilder, die immer aus dem Kantonskürzel und ein bis fünf Zahlen bestehen. Dass dies für die Behörden durchaus lukrativ ist, zeigt der Rekordhalter unter den versteigerten Kontrollschildern des Kantons Aargau: 2002 ging das Kennzeichen „AG 25“ für 70.000 Franken an den Meistbietenden.

Der Einführung der Kontrollschilder-Auktionen im Kanton Aargau im Jahr 1999 ging eine politische Entscheidung voraus. „Inhalt des Vorstosses im Großen Rat war, sogenannte ‚begehrenswerte Schilder‘ einer öffentlichen Versteigerung zuzuführen, da eine große Nachfrage nach tiefen Zahlenreihen seit jeher vorhanden war“, erklärt Baer. Der Entscheid habe dazu geführt, dass durch die Auktionen jährlich mehrere 100.000 Franken in die Staatskasse fließen.

Das könnte Sie auch interessieren

Die bisher erzielten Rekordpreise

Doch die Summen, die im Kanton Aargau bisher bei Kontrollschild-Auktionen erzielt wurden, sind nichts im Vergleich zu den schweizweiten Rekordpreisen. Laut der "Interessengemeinschaft Schweizer Kontrollschilder" und übereinstimmenden Berichten mehrerer Schweizer Zeitungen wurde der derzeitige Rekord 2018 erzielt: Das Kennzeichen „ZG 10“ des Kantons Zug wurde für 233.000 Franken versteigert, was umgerechnet rund 210.000 Euro entspricht.

Auf den Plätzen zwei und drei folgen das 2017 für 160.000 Franken versteigerte Autoschild „VS 1“ aus dem Kanton Wallis und das Kennzeichen „ZH 987“ des Kantons Zürich, für das ein Bieter 2018 152.000 Franken bezahlte.

Doch was ist, wenn der Besitzer eines so teuren Kennzeichens ein neues Auto kauft, umzieht oder gar stirbt?

Das ist in der Schweiz kein Problem. Kontrollschilder werden zum einen grundsätzlich dem Halter zugeteilt und nicht dem Fahrzeug. Meldet jemand sein Auto um, kann er sein altes Kontrollschild wieder anbringen. Sollte es zu einem Umzug in einen anderen Kanton kommen, können die Schilder auch gegen ein Entgelt beim Straßenverkehrsamt deponiert werden.

Und Erben müssen auch nicht befürchten, dass das mehrere 100.000 Franken teure Kennzeichen des Vaters wieder ans Straßenverkehrsamt zurückgeht. Kontrollschilder können in der Schweiz nämlich sowohl auf andere Personen übertragen als auch vererbt werden.

Serie „Kuriose Schweiz“: In loser Folge schreiben wir über verblüffende Bräuche, kuriose Erfindungen und weitere Eigenarten unseres Nachbarlandes, die zum Staunen und Schmunzeln anregen.

Unser bestes Angebot ist wieder da: die Digitale Zeitung + das neuste iPad für 0 €