Ein stationärer Aufenthalt im Krankenhaus ist in der Regel nie eine angenehme Angelegenheit. Was ein Patient Ende August im Spital Waldshut erlebte, war allerdings mehr als unangenehm. Der knapp 90-jährige Senior aus dem westlichen Landkreis verbrachte eineinhalb Wochen in einem Dreibettzimmer. "In dem mittleren der drei Betten lag ein schwer kranker Patient, dem es in der Nacht sehr schlecht ging", schildert sein Schwiegersohn Thomas Baholzer die Situation.

Nach einer unruhigen Nacht kamen am Tag darauf mehrere Angehörige des schwer kranken Patienten in das Krankenzimmer und teilten den beiden Mitpatienten mit, dass ihr Verwandter vermutlich sterben würde.

Nicht zur Ruhe kamen die beiden Mitpatienten auch im Laufe des Tages. Stellenweise befanden sich bis zu acht Personen im Raum, um die letzten Stunden mit dem Sterbenden zu verbringen. "Die Angehörigen saßen zeitweise bei dem Sterbenden auf dem Bett, andere auf mehreren Stühlen", beschreibt Thomas Baholzer die beengte Situation. "Wer die Zimmer im Spital kennt, weiß, dass man dort nicht mal einen Stuhl zwischen zwei Betten stellen kann", fügt er hinzu.

Pfarrer gibt im voll besetzten Zimmer dem Sterbenden die letzte Ölung

Am Abend kam der Pfarrer und gab dem Sterbenden im Beisein der beiden anderen Patienten die letzte Ölung. Die Verwandten blieben, bis der Tod in den frühen Morgenstunden eintrat. "Die beiden anderen alten Patienten konnten kaum schlafen und haben das Sterben ihres Mitbewohners in dem überfüllten Zimmer erschreckt mitverfolgen müssen", berichtet Thomas Baholzer.

Am Spital Waldshut ist ein Patient im Beisein seiner Mitbewohner gestorben.
Am Spital Waldshut ist ein Patient im Beisein seiner Mitbewohner gestorben. | Bild: Juliane Schlichter

"Es ist untragbar, dass ein Patient in einem heutigen Krankenhaus im Beisein anderer Patienten sterben muss und kein Sterbezimmer vorgehalten wird, in dem die Angehörigen von dem Sterbenden in Ruhe und Würde allein Abschied nehmen können", sagt der Rickenbacher. In seinen Augen können weder Platz- noch Personalmangel als Grund für den Vorfall geltend gemacht werden. "Würdiges Sterben gehört zur Gesundheitsversorgung. Patienten und Angehörige haben einen unbedingten Anspruch darauf", findet Baholzer, der den Vorfall als "Trauerspiel im wahrsten Sinne des Wortes" bezeichnet.

Das sagt der Geschäftsführer des Spitals Waldshut über den Vorfall

"Wir bedauern den Vorfall aufs Tiefste", sagt Hans-Peter Schlaudt, Geschäftsführer der Spitäler Hochrhein GmbH. Er bestätigt auf Nachfrage unserer Zeitung, dass der Patient in jener Nacht im Spital Waldshut im Beisein seiner Angehörigen und Mitpatienten gestorben ist. Allerdings sei es für das Pflegepersonal im Vorfeld nicht ersichtlich gewesen, dass der Patient in der Nacht sterben wird, da er soweit stabil war, und noch eigenständig essen konnte.

<em>"Wir wollen den Patienten, die sich auf ihrer letzten Reise befinden, bewusst keiner Veränderung in Form eines Zimmerwechsels aussetzen, da dies zusätzlich Stress und Ängste auslösen kann."</em> <strong>Hans-Peter Schlaudt</strong>, Geschäftsführer der Spitäler Hochrhein GmbH
"Wir wollen den Patienten, die sich auf ihrer letzten Reise befinden, bewusst keiner Veränderung in Form eines Zimmerwechsels aussetzen, da dies zusätzlich Stress und Ängste auslösen kann." Hans-Peter Schlaudt, Geschäftsführer der Spitäler Hochrhein GmbH | Bild: Dana Coordes

Das Spital Waldshut verfügt laut Hans-Peter Schlaudt bewusst über kein separates Sterbezimmer. "Der Prozess des Sterbens geht oftmals mit tiefen Ängsten einher. Wir wollen den Patienten, die sich auf ihrer letzten Reise befinden, daher bewusst keiner Veränderung in Form eines Zimmerwechsels aussetzen, da dies zusätzlich Stress und Ängste auslösen kann", sagt der Spitäler-Geschäftsführer.

Mitbewohner werden normalerweise in ein anderes Zimmer verlegt

Der von Thomas Baholzer geschilderte Vorfall entspreche nicht der normalen Vorgehensweise und sei ein "höchst bedauerlicher" Einzelfall, betont Schlaudt. "Sobald ersichtlich ist, dass es an der Zeit ist, von einem Patienten Abschied zu nehmen, werden die Mitpatienten aus dem Zimmer verlegt", erklärt er. Im geschilderten Fall sei dies nicht geschehen, da in jener Nacht drei Patienten auf der voll besetzten Station gestorben sind. "Es ist mehr als ungewöhnlich, dass gleich drei Patienten in einer Nacht versterben", sagt der Geschäftsführer. Im Schnitt sterben im Spital Waldshut 18 Menschen pro Monat.

"Wir legen höchsten Wert darauf, dass der Sterbeprozess würdevoll und ausschließlich im Kreis der Familie oder enger Freunde erfolgt", fügt Hans-Peter Schlaudt hinzu, dem es ein Anliegen ist, dass Mitpatienten nicht verängstigt und keiner Situation wie der geschilderten ausgesetzt werden. "Neben unseren Pflegekräften steht den Patienten daher auch unser Seelsorgeteam zur Verfügung, das sich explizit um die seelischen Nöte von Patienten und Angehörigen in solch einer schwierigen Zeit kümmert", sagt Hans-Peter Schlaudt abschließend.

Die Klinikseelsorge und ihre Aufgaben

Neben der medizinischen Versorgung gibt es am Spital Waldshut auch Helfer für das persönliche und seelische Befinden.

  • Das Seelsorge-Team: Zum Team gehören die Pastoralreferentinnen Hanna Günther und Anja Drechsle sowie Pater Albert-Maria Banholzer (alle katholisch) sowie der evangelische Pfarrer Martin Rathgeber. Unterstützt wird das Seelsorge-Team von ehrenamtlichen Mitarbeitern. Kontakt per Telefon (07751/85 43 45) und E-Mail (seelsorge@spitaeler-hochrhein.de).
  • Die Aufgaben: Die Krankenhausseelsorger machen Krankenbesuche, veranstalten Gottesdienste in der Spitalkapelle, übernehmen Sterbe- und Krankenbegleitung und führen die Krankenkommunion und Krankensalbung durch. Für muslimische Patienten vermittelt das Team einen Ansprechpartner in der türkischen Gemeinde Lauchringen.
  • Die Grünen Damen und Herren: Persönliche Begleitung übernehmen die Grünen Damen und Herren, die seit rund 20 Jahren im Spital Waldshut ehrenamtlich arbeiten. Sie springen ein, wenn Verwandte und Freunde keine Zeit für ein Gespräch mit dem Patienten haben, und kümmern sich um viele der kleinen Dinge, die einem als Patient schwerfallen, wie Besorgungen am Kiosk. Das Erkennungsmerkmal ist ihre hellgrüne Dienstkleidung.