In einer Nacht Ende August erleben im Waldshuter Spital zwei Männer über Stunden hautnah mit, wie ihr Zimmernachbar im Sterben liegt und die Nacht nicht überlebt. Der Vorfall wird öffentlich und löst einen Sturm der Entrüstung und Empörung am gesamten Hochrhein aus. Inzwischen, so Geschäftsführer Hans-Peter Schlaudt, sei der Vorfall intern aufbereitet und abgeschlossen worden. Wie, das wollte die Klinikleitung in ihrer knappen Stellungnnahme nicht sagen. Allerdings sollen die Mitarbeiter künftig regelmäßig zum Umgang mit Sterbenden und dem Tod sensibilisiert werden.

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Dass auf einer Station, wie in jener Nacht geschehen, binnen weniger Stunden gleich drei Patienten aus dem Leben scheiden, sei laut Klinikleitung ein Vorfall, den es in den vergangenen Jahren so nicht gegeben habe. Während in zwei Fällen offensichtlich alles ordnungsgemäß läuft und die Patienten allein im Kreis ihrer Angehörigen ihre letzten Stunden verbringen, kommt es in dem besagten Dreibettzimmer zu dem tragischen Sterbefall. Die durchschnittliche Sterberate im Waldshuter Spital liegt bei 18 Toten pro Monat.

Auch wenn die Klinikleitung zunächst von einem „bedauerlichen Einzelfall“ sprach, räumt der Spitalgeschäftsführer Hans-Peter Schlaudt, nach Bekanntwerden des Falls inzwischen ein, dass die Mitarbeiter künftig regelmäßig geschult werden sollen. Zudem plant die Klinikleitung, sich künftig gemeinsam mit dem Seelsorgeteam verstärkt dem Thema Sterben zu widmen. Mit diesen Maßnahmen will das Spital Waldshut sicherstellen, dass das von ihm als Einzelfall bezeichnete Ereignis auch ein Einzelfall bleibt.

Um in der Zukunft außerdem besser aufgestellt zu sein, ist es das Ziel der Klinikleitung, eine Palliativabteilung aufzubauen. Hans-Peter Schlaudt stellt jedoch klar, dass das Zustandekommen einer solchen Abteilung nicht allein vor Ort entschieden wird. Ob das geplante Zentralklinikum des Landkreises Waldshut eine solche Abteilung bekommt, obliegt genau wie im Nachbarlandkreis Lörrach, der mit seinen Neubauplänen einen Schritt weiter ist, dem Sozialministerium in Stuttgart.

 

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Dennoch, so betont Hans-Peter Schlaudt, wäre der jetzt diskutierte Sterbefall in Waldshut kein Fall für eine Palliativabteilung gewesen, da sich der Tod des Patienten nicht abgezeichnet hatte. Auch das Eintreffen des Pfarrers sei laut Aussage des Klinikchefs nicht zwangsläufig ein Indiz dafür gewesen, dass der Patient im Sterben liegt. "Der Pfarrer wird auf Wunsch der Angehörigen oder Patienten gerufen, um den Patienten auf dem letzten Weg entweder den Beistand und die Kraft Gottes erfahren zu lassen oder um für seine Genesung zu beten", so Schlaudt.

Um den anderen beiden Patienten zu ersparen, dass sie den Sterbeprozess ihres Mitbewohners hautnah mitbekommen, sei es auch keine Option gewesen, die Mitpatienten auf den Flur zu schieben. "Auf dem Flur eines Krankenhauses ist die Würde des Menschen in keiner Weise gewährleistet", sagt der Geschäftsführer dazu.

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Obwohl das Spital Waldshut mit dem geplanten Anbau eine generelle Verbesserung der medizinischen Versorgung erzielt, werde es voraussichtlich weiterhin Dreibettzimmer geben. "Im Vergleich zu den Krankenhäusern Lörrach, Schopfheim und Rheinfelden haben wir schon keine Vier-Bett-Zimmer mehr", sagt Hans-Peter Schlaudt.