Vergleichsweise günstige Preise, günstiger Wechselkurs und dazu noch die Rückerstattung der Mehrwertsteuer: Schweizer kaufen gern im grenznahen Ausland ein, denn hier lässt sich Geld sparen. Bei einem Wert ab 300 Franken muss die Ware jedoch bei der Rückkehr in die Schweiz bei den Zöllnern angemeldet werden, dann wird die Schweizer Mehrwertsteuer fällig. Deutsche wiederum können wie alle EU-Bürger die Mehrwertsteuer für in der Schweiz gekaufte Waren zurückerhalten. Die Schweizer haben dafür eine „Bagatellgrenze“ von mindestens 300 Franken eingeführt.

Schweizer kaufen in Deutschland ein

  • Kein Mindesteinkaufswert: Anders als in anderen EU-Ländern ist in Deutschland für die Rückerstattung kein Mindesteinkaufswert vorgeschrieben. Doch auch in Deutschland wird derzeit über die Einführung einer sogenannten Bagatellgrenze diskutiert, im Gespräch sind derzeit 175 Euro. Grundsätzlich wird steuerfreier Einkauf nicht in allen Nachbarländern der Schweiz angeboten, sie sind dazu gesetzlich nicht verpflichtet. Im deutschen Grenzgebiet ist das jedoch die Regel.
  • Ausfuhrbescheinigung, „grüne Zettel“: Nach Bezahlen im deutschen Geschäft lässt sich der Schweizer Kunde eine Ausfuhrbescheinigung geben. Darauf müssen Name, Adresse und Ausweisnummer verzeichnet sein. Der Ausfuhrschein ist zudem nur im Zusammenhang mit der Rechnung fällig.
    Die Ausfuhrbescheinigung wird am Zoll abgestempelt, in Waldshut gibt es eine solche Stelle am Grenzübergang Rheinbrücke. Die Zollbeamten verlangen den Ausfuhrschein samt Quittung sowie einen amtlichen Ausweis. Manchmal wird kontrolliert, ob die Ware auch tatsächlich in die Schweiz ausgeführt wird.
Immer mehr Grüne Zettel müssen die Zollbeamten zwischen Konstanz und Bad Säckingen abstempeln. Bild: DPA
Immer mehr Grüne Zettel müssen die Zollbeamten zwischen Konstanz und Bad Säckingen abstempeln. | Bild: Patrick Seeger/dpa
  • Verzollungspflicht: Ab einem Gesamtwert von 300 Franken müssen die Schweizer Kunden ihre in Deutschland gekauften Waren beim Schweizer Zoll deklarieren. Dann wird die Schweizer Mehrwertsteuer fällig. Die wird aber nach dem Netto-Einkaufswert berechnet, das heißt: abzüglich der deutschen Mehrwertsteuer.
  • Höchstmengen: Die Menge bestimmter Produkte, die man zollfrei in die Schweiz einführen darf, ist begrenzt. Das gilt besonders für Lebensmittel, alkoholische Getränke und Tabakwaren. Als maximale Menge gilt: Fleisch (insgesamt ein Kilo); alkoholische Getränke bis 18 Prozent (fünf Liter); alkoholische Getränke über 18 Prozent (ein Liter); Zigaretten (250 Stück); andere Tabakwaren (250 Gramm).
  • Mehrwertsteuer retour: Die Mehrwertsteuer erhalten die Schweizer Kunden, die in der deutschen Grenzregion einkaufen, meist direkt beim nächsten Einkauf im jeweiligen Geschäft zurück, bar oder der Betrag wird beim Bezahlen an der Kasse abgezogen.

Deutsche kaufen in der Schweiz ein

  • Freigrenzen: Hier sind Bewohner der grenznahen Gemeinden, Grenzgänger und Menschen wie Reisebegleiter oder Lkw-Fahrer, die häufiger aus der Schweiz einreisen, im Nachteil. Ausschlaggebend ist dabei eine Entfernung von der Grenze. Wer sich höchstens 15 Kilometer von der Grenze wegbewegt und als Bewohner des Landkreises Waldshut beispielsweise im nahen Bad Zurzach einkauft, muss eingeschränkte Reisefreimengen beachten (siehe Kasten). Wer beispielsweise aus dem Tessin Waren mitbringt, muss zwar auch an Mengen- und Wertgrenzen denken, die sind aber allgemein höher, zum Beispiel dürfen 200 Zigaretten oder 100 Zigarillos oder 50 Zigaretten oder 250 Gramm Rauchtabak oder eine anteilige Zusammenstellung dieser Waren zollfrei mitgebracht werden. Für andere Waren – dazu gehören außer Tabakwaren auch nicht Alkohol, Arzneimittel und Kraftstoffe – gilt außerhalb des grenznahen Raums eine Wertgrenze von 300 Euro. Warum die unterschiedlichen Freimengen? Theoretisch könnten Bewohner vom deutschen Hochrhein täglich in die grenznahe Schweiz zum Einkaufen fahren und hätten trotz der geringeren Freimenge einen Vorteil gegenüber denjenigen, die nicht so häufig in weiter entfernte Orte der Schweiz fahren und sich dort mit Waren eindecken.
  • Rückerstattung aus der Schweiz: Deutsche Bürger können die Mehrwertsteuer zurückerhalten, die sie bei einem Einkauf in der Schweiz bezahlt haben. Dazu müssen die deutschen Käufer laut Eidgenössischer Zollverwaltung jedoch mindestens 300 Schweizer Franken einschließlich der Schweizer Mehrwertsteuer ausgeben. Wie und unter welchen Bedingungen man als Deutscher in der Schweiz steuerfrei einkaufen kann, ist in dem jeweiligen Geschäft zu erfahren. Um die Steuer zurückzuerhalten, müssen die Besucher bei der Ausreise am Zollschalter das Formular „Ausfuhrdokument im Reiseverkehr“ vorlegen und von den Zollbeamten abstempeln lassen. Die Gegenstände sind mündlich anzumelden. Dazu ist es notwendig, die Schweiz über eine geöffnete Zollstelle zu verlassen.

Quellen: Eidgenössische Zollverwaltung; www.zoll.de

Was es mit Zollpräferenzen auf sich hat

  • Bei der Einfuhr von Waren aus der Schweiz und einer Vielzahl von anderen Ländern werden sogenannte Zollpräferenzen gewährt. Zollpräferenzen sind für alle Länder, mit denen die Europäische Union Präferenzabkommen abgeschlossen hat, vorgesehen, also auch mit Deutschland.
  • Bei der Anwendung von pauschalierten Abgabensätzen werden aufgrund dieser Zollpräferenzen nur 15 Prozent statt 17,5 Prozent beziehungsweise bei bestimmten hochsteuerbaren Waren die verringerten Sätze erhoben.
  • Bei der Verzollung nach dem Zolltarif wird entweder ein niedrigerer Zoll erhoben oder die Waren sind vollständig zollfrei. Dann sind nur die Einfuhrumsatzsteuer sowie bei verbrauchsteuerpflichtigen Waren die besonderen Verbrauchsteuern (zum Beispiel Tabak- oder Kaffeesteuer) zu zahlen.
  • Der Gesamtwert der Waren kann maximal 1200 Euro betragen, wobei der Kaufpreis der Waren im Ausfuhrstaat maßgebend ist. Ist die Wertgrenze von 1200 Euro überschritten, können Zollpräferenzen grundsätzlich nur bei Vorlage eines schriftlichen Präferenznachweises wie Warenverkehrsbescheinigungen gewährt werden.