Unterschiedlicher könnten die Berufe von Peter Dück aus Stühlingen und Daniel Leers aus Küssaberg kaum sein. Beide haben eine Arbeitsstelle, die, wie sie sagen, die kommenden Jahrzehnte sicher sein wird. Dennoch wird sich in beiden Berufen jede Menge verändern. Was beide vereint und sicher für die Zukunft macht, ist die Spezialisierung.

Peter Dück arbeitet im Waldshuter Spital als operationstechnischer Assistent. Er ist damit einer OP-Krankenschwester gleichgestellt. Daniel Leers ist IT-Fachmann (Informationstechnik) und spezialisiert auf Netzwerktechnologie im Bereich von Unternehmen. Früher so sagt er, konnten IT-Experten fast alles, was mit Computern zu tun hat. Heute sei das fast unmöglich, denn jeder Bereich werde immer komplexer. So komplex, dass sogar ein Computer mit dem Kühlschrank verbunden ist und automatisch Bestellungen bei Lebensmittelhändlern durchgibt.

Eigentlich ist Peter Dück gelernter Schreiner. In diesem Beruf hat er rund ein Jahr gearbeitet, bis er sich selbstständig machte. Doch dann musste er Zivildienst leisten. Weil ihn schon immer Pflege-Berufe interessiert haben, er aber einen zu schlechten Schulabschluss für eine Ausbildung in der Pflege hatte, entschied er sich seinen Zivildienst in einem Krankenhaus zu absolvieren. Dort war er für den internen Krankentransport zuständig. Er arbeitete sich so gut ein, dass er ein Angebot für eine dreijährige Ausbildung als operationstechnischer Assistent bekam. Seine praktische Prüfung schloss Dück mit 1,0 ab. „Anders als mit meinem ersten Beruf habe ich hier eine wirkliche Zukunft gesehen“, sagt Dück.

Nebenbei arbeitet er zwar noch als Schreiner, aber „das ist bis heute nur ein Zubrot“. Er brauche diese Arbeit als Ausgleich zu seiner Tätigkeit im Operationssaal. „Hauptberuflich ist die Schreiner-Branche heute schwierig, weil die Menschen eher industriell gefertigte Produkte kaufen, weil sie günstiger sind.“

Heute ist Peter Dücks Arbeitsbereich der OP-Saal 5 im Waldshuter Spital, in dem Patienten ambulant operiert werden. Den Raum kennt er in- und auswendig, weiß blind, wo alles liegt und wie alles vor einer Operation auszusehen hat. Als Mitglied des OP-Teams betreut er Patienten vor, während und nach operativen Eingriffen beziehungsweise Untersuchungen. Er bereitet die Eingriffe vor und stellt die benötigten medizinischen Geräte bereit. Im OP trägt Dück die Verantwortung für einen reibungslosen Ablauf des Eingriffs und ist somit Partner des Arztes. Dass sein Beruf zukunftsfähig ist, liege zum einen am demografischen Wandel und den damit einher gehenden altersspezifischen Leiden, die operiert werden müssen. Zum anderen würden zwar immer mehr junge Menschen den Ausbildungsberuf des operationstechnischen Assistenten wählen, dennoch seien es viel zu wenige. „Das Problem ist, dass viele sich nach Abschluss der Ausbildung entscheiden, Medizin zu studieren und die Lehre nur als Überbrückung nutzen.“

Wie der Operationssaal 2030 aussehen wird, kann Dück noch nicht sagen. „Ich könnte mir vorstellen, dass es neben einem OP-Roboter, wie es jetzt schon den Da Vinci gibt, auch einen für das Vorbereiten des Arbeitsplatzes mit den Gerätschaften gibt. Dennoch wird immer jemand gebraucht, der den Roboter bedient. Und da ich jetzt schon allein arbeite, wäre der Roboter also zusätzlich da. Ich kann mir aber vorstellen, dass einige Arbeitsabläufe automatisiert werden.“ Angst, dass seine Arbeit deshalb später nicht mehr gefragt sein wird, hat er nicht. „Es braucht immer einen Menschen, der zumindest die Maschinen bedient“, ist er sich sicher.

Daniel Leers beschäftigt sich seit Beginn der 1980er Jahre mit der IT-Branche. Als gelernter Kaufmann ist er wie Peter Dück ein Quereinsteiger. „Damals gab es keine Ausbildung oder Studium für diesen Bereich. Ich habe mir alles selbst beigebracht.“ Sein Interesse geweckt hat der erste frei programmierbare Taschenrechner. „Ein Höhepunkt war dann der erste frei programmierbare Computer mit einem Z80 Prozessor“, erinnert sich Leers. Leers arbeitete sich so gut in die Materie ein, dass er Ende der 80er Jahre in der Schweiz als Projektmanager im Bereich Netzwerktechnologie eingestellt wurde. Später machte der 54-Jährige sich selbstständig. „Ich habe mich heute auf Geschäftskunden spezialisiert“, so Leers.

Weil sich die Herausforderungen täglich verändern, heißt es für Leers, sich stets weiterzubilden. „Verliert man den Anschluss, kann es schnell vorbei sein. Und in Zeiten von Smart Home (intelligentes Zuhause) gibt es kaum noch Grenzen.“ Und seine Kunden wollen auf dem neusten Stand der Technik sein, weshalb Computerexperten auch künftig gefragt sein werden. Weil Leers sich um die Betriebssysteme und das Anschließen der Rechner ans Internet kümmert, hat er einen intensiven Kontakt mit der Geschäftsführung der jeweiligen Kunden. „Denn ich habe Zugriff auf viele Daten, weswegen unser Beruf auch eine Portion Vertrauen erfordert.“ Deshalb rückt das Consulting, also das Beraten der Kunden, immer mehr in den Mittelpunkt. Es gibt so viele Möglichkeiten, das selbst wir als Experten uns täglich weiterbilden müssen“, sagt Leers, der an der Handwerkskammer Prüfer für Fachinformatiker und Programmierer ist.

War früher ein Computerfachmann allein für den Computer zuständig, gibt es heute in ganzen Häusern Systeme, die per Computer und Internet etliche Geräte vernetzen, wie Kühlschrank, Jalousinen oder Heizung. „Raus aus dem Kabelraum, rein in die Verantwortung für Menschen“, beschreibt Leers die Entwicklung in seiner Branche. Die Zukunft sehe er in seiner Berufswelt durch das Spezialisieren im „miteinander füreinander arbeiten“. „Wir müssen zusammenarbeiten, um fit für die Zukunft zu sein.“

 

So ist der Kreis für die Zukunft gerüstet

Zwischen Spitze, Mittelmaß und Schlusslicht: So sehen Studien die Zukunftsfähigkeit des Landkreises Waldshut.

  • Prognos-Zukunftsindex: Die wirtschaftlichen Zukunftschancen des Landkreises liegen im Mittelmaß, besagt eine Studie der Prognos AG, einem Wirtschaftsforschungsunternehmen aus Basel. Mit dem Zukunftsatlas ermittelt das Unternehmen regelmäßig die Zukunftschancen aller 402 Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland. Die Zukunftsperspektiven wurden zuletzt 2016 mit einem speziellen Index bestimmt, welcher auf 29 makro- und sozioökonomischen Indikatoren aus den Bereichen Demografie, Arbeitsmarkt, Wettbewerb und Innovation sowie Wohlstand und Soziale Lage beruht. Ermittelt werden dabei die aktuelle Standortstärke, also der Ist-Zustand, und die Dynamik, wie sich die Region im Zeitverlauf entwickelt. Daraus wird ein Gesamt-Ranking errechnet. Mit seinen Zukunftschancen steht der Landkreis laut Prognos deutschlandweit auf Rang 183 (von 402). Das Institut attestiert dem Landkreis damit „ausgeglichene Chancen und Risiken“ für die Zukunft. Beim Ist-Zustand kommt der Kreis bundesweit allerdings nur auf Rang 221 („mittlere Stärke“). Bei der wirtschaftlichen Entwicklung bescheinigt Prognos dem Landkreis hingegen eine „hohe Dynamik“ (Rang 108).
  • Innovationsindex 2016: Das Statistische Landesamt Baden-Württemberg berechnet alle zwei Jahre mit dem Innovationsindex die Innovationsfähigkeit von 87 Regionen der Europäischen Union (EU). Laut der jüngsten Erhebung 2016 ist Baden-Württemberg weiterhin in der EU die Region mit dem höchsten Innovationspotenzial. Allerdings bildet der Kreis Waldshut mit einem Wert von 16,9 das Schlusslicht unter den untersuchten 44 Stadt- und Landkreisen im Land (Wert von Spitzenreiter Böblingen: 67,9). In den Innovationsindex fließen Ausgaben und Personal in Forschung und Entwicklung, die Erwerbstätigen in industriellen Hochtechnologiebranchen und wissenschaftlich-technischen Berufen sowie Patentanmeldungen ein.
  • Landkreis-Ranking von Focus-Money: Deutlich besser schneidet der Kreis im Ranking des Wirtschaftsmagazins „Focus-Money“ ab. Hier belegt der Kreis Rang 44 (von 382). Für das Ranking wurde die Wirtschaftskraft der Landkreise anhand des BIP-Wachstums, der Arbeitslosenquote, des Bevölkerungswachstums, der Bruttowertschöpfung, der Investitionen, des Einkommens und der Erwerbstätigenentwicklung ermittelt. (jbo)