Die Ausgangssituation

Welche Mama kennt das nicht: Das Kind wächst unaufhaltsam und ständig muss die Garderobe des Sprösslings gesichtet werden. Zu kleine Sachen werden weggelegt, neue hinzugefügt, die gesamte Ausstattung an die aktuelle Jahreszeit angepasst.

Hinzu kommt noch die Fußbekleidung, bei der zumindest ich keinen Spaß verstehe und akribisch und regelmäßig Junior mit Hilfe einer Fachkraft mit einer hübschen Auswahl kleidsamer, witterungs- und größentechnisch passender Schuhe ausrüste. Zugegeben, das macht sogar Spaß. Nun habe ich aber zwei kleine Kinder. Der Große ist drei und knapp einen Meter hoch, die Kleine ist noch nicht ein Jahr alt, aber von kräftiger Statur und längst den niedlichen kleinen Babysachen entwachsen.

Jede Menge Kinderkleidung und -schuhe: Bei zwei Kindern kommt im Laufe der Zeit viel zusammen.
Jede Menge Kinderkleidung und -schuhe: Bei zwei Kindern kommt im Laufe der Zeit viel zusammen. | Bild: Josy Olheide

Die Überlegung

Ganz kurz: Bei uns türmen sich ziemlich viele Kartons voller Kinderkleidung und -schuhe. Alles ist ziemlich gut in Schuss, da ich defekte, kaputte oder einfach fertige Kleidung immer gleich entsorge. Nun stellt sich die Frage: Wohin damit?

Aufheben? Naja, einen kleinen Teil bestimmt, falls meine Schwester mal ein Baby bekommt. Verkaufen? Hm, das bedeutet einen ziemlich großen Aufwand, wofür mir Zeit und Lust fehlen. Außerdem sind hohe Erlöse nicht zu erwarten, denn auch wenn Markenkleidung dabei ist, so ist der Aufwand einfach zu groß. Wir kommen also zu dem Schluss, die Kleidung zu spenden.

Jede Menge Kinderkleidung, die nicht mehr gebraucht wird: Redakteurin Monika Olheide beim Packen.
Jede Menge Kinderkleidung, die nicht mehr gebraucht wird: Redakteurin Monika Olheide beim Packen. | Bild: Josy Olheide

Die Entscheidung

Im Familienrat sind wir uns schnell einig: Wir möchten bedürftigen Familien in der Region helfen, die vielleicht keine Mittel haben, um ihren Kindern beispielsweise ordentliche Winterschuhe zu kaufen, und wir wollen wissen, dass unsere Hilfe tatsächlich ankommt.

Mein Großer lässt es sich erklären: „Die Sachen, dem Bauchbaby und dir nicht mehr passen, bekommen Kinder, die nicht so viele Sachen zum Anziehen haben, weil die Eltern nur wenig Geld haben.“ Ob er es versteht? Ich glaube nicht ganz, trotzdem hilft er mir im Badezimmer seine Winterstiefelchen der vergangenen Saison nochmal abzubürsten und in den Beutel mit den Schuhen zu packen.

Drei große Taschen sind es geworden.
Drei große Taschen sind es geworden. | Bild: Monika Olheide

Erste Anlaufstelle: Die Kleiderkammer des DRK

In der Kleiderkammer des Deutschen Roten Kreuzes findet sich eine beeindruckende Auswahl an Kleidung für Männer, Frauen und Kinder. Schuhe, Mäntel, Unterwäsche, aber auch Bettdecken, Geschirr, Gläser und andere Dinge, die man zum täglichen Leben braucht, mit Ausnahme von Elektrogeräten. "Hier kann jeder herkommen und mitnehmen, was er braucht", sagt Maria Merle. Sie ist Sozialleiterin des DRK Ortsvereins Bad Säckingen und zuständig für die Kleiderkammer.

Sortieren die neuen Kleiderspenden: Veronika Ihringer, Karin Grass, Maria Merle, Leiterin Sozialarbeit des DRK-Ortsvereins, und Sabine Mazuge (von links).
Sortieren die neuen Kleiderspenden: Veronika Ihringer, Karin Grass, Maria Merle, Leiterin Sozialarbeit des DRK-Ortsvereins, und Sabine Mazuge (von links). | Bild: Olheide, Monika

"Einen Berechtigungsschein braucht man nicht und wir stellen auch keine Fragen", betont sie. Elf ehrenamtliche Mitarbeiterinnen kümmern sich darum, dass die Ware ordentlich sortiert und eingeräumt ist.

Einblick in die Kleiderkammer des DRK Ortsvereins Bad Säckingen. Um auch Menschen die nicht lesen können, die Auswahl zu erleichtern, finden sich Beispielbilder auf den beschrifteten Schachteln.
Einblick in die Kleiderkammer des DRK Ortsvereins Bad Säckingen. Um auch Menschen die nicht lesen können, die Auswahl zu erleichtern, finden sich Beispielbilder auf den beschrifteten Schachteln. | Bild: Olheide, Monika

Anders als ich bislang glaubte, werden hier keine Sachen aus den bekannten Altkleidercontainern ausgegeben. "Nein, wir beziehen alle Dinge hier direkt als Sachspenden", erklärt Maria Merle. Meine Tasche wird in den Bereich zum Sortieren gestellt. Die Mitarbeiterinnen freuen sich, als sie die Winterstiefel meines Sohnes sehen.

Video: Olheide, Monika

Schon eine halbe Stunde vor offizieller Öffnung der Bad Säckinger Kleiderkammer ist die Schlange der Wartenden im Eingangsbereich lang. "Jetzt geht es auf den Winter zu, da ist der Bedarf noch etwas größer", sagt Merle.

Groß ist das Angebot der Kleiderkammer des DRK Ortsvereins Bad Säckingen. Auch Decken und Kopfkissen sind beliebt.
Groß ist das Angebot der Kleiderkammer des DRK Ortsvereins Bad Säckingen. Auch Decken und Kopfkissen sind beliebt. | Bild: Olheide, Monika

Abgeben statt in den Container werfen

Wer also sicher sein möchte, dass seine gut erhaltenen Sachen Menschen direkt helfen, der sollte sich den Gang zum Kleidercontainer sparen und sich direkt an die Kleiderkammer wenden. Spenden können auch an der Pforte des DRK abgegeben werden. Und auch wer Küchenutensilien, Decken, Besteck oder Geschirr abzugeben hat, kann sich an das DRK wenden. Wichtig: Die Sachen sollten sauber und in einem guten Zustand sein – sonst sind sie im Container besser aufgehoben.

Jeden Dienstag von 15 bis 16.30 Uhr öffnet die Kleiderkammer des Ortsvereins Görwihl, Mühleberg 4, und jeden Dienstag von 9.30 bis 11.30 Uhr die Kleiderkammer des DRK Ortsvereins Bad Säckingen, Rot-Kreuz-Straße 4.

Zweite Anlaufstelle: Der Mutter-Kind-Laden (MUKL) der Caritas

Mit der zweiten großen Tasche mache ich mich auf den Weg zum Bad Säckinger Tafelladen, den der Caritasverband Hochrhein betreibt. Hier befindet sich auch ein Mutter-Kind-Laden (MUKL), ein Secondhand-Laden für Kunden der Tafel. Das Besondere: Es gibt nur Frauen- und Kindersachen, hauptsächlich Kleidung und Schuhe, aber auch Spielsachen, Babyartikel und Kleinmöbel, wie Wickelkommoden oder Kinderbetten.

Sie wissen, was im Mutter-Kind-Laden gebraucht wird: Ewaldine Schwarz, Sozialberaterin und Fachaufsicht des Tafelladens und MUKL, Alexa Knauft, die ihr duales Studium soziale Arbeit absolviert, und Bernhard Gampp Geschäftsbereichsleiter der Caritas Hochrhein (von links).
Sie wissen, was im Mutter-Kind-Laden gebraucht wird: Ewaldine Schwarz, Sozialberaterin und Fachaufsicht des Tafelladens und MUKL, Alexa Knauft, die ihr duales Studium soziale Arbeit absolviert, und Bernhard Gampp Geschäftsbereichsleiter der Caritas Hochrhein (von links). | Bild: Olheide, Monika

Meine Tasche mit den Kinderkleidern habe ich noch um etwas Umstandsmode ergänzt. Sortiert werden die Sachen am kommenden Tag. "Das machen ehrenamtliche Helfer", erklärt mir Ewaldine Schwarz. Sie ist Sozialberaterin und Fachaufsicht des Tafelladens. Mit ihr und Geschäftsbereichsleiter Bernhard Gampp treffe ich mich im gut besuchten Tafelladen. Dann gibt es einen Rundgang durch den MUKL.

Video: Olheide, Monika

Ordentlich sortierte Regale, Kleiderständer, sogar eine Umkleidekabine ist vorhanden. "Unser Angebot wird sehr gut angenommen", sagt Ewaldine Schwarz. Sie gibt aber zu bedenken, dass es keine großen Lagerräume gibt, weshalb größere Spenden am besten im Vorfeld abgesprochen werden sollten.

Wetterfeste Kleidung ist besonders im Herbst gefragt.
Wetterfeste Kleidung ist besonders im Herbst gefragt. | Bild: Olheide, Monika

Anders als in der Kleiderkammer werden die Sachen hier für einen kleinen Preis verkauft. "Das gibt den Menschen ein Stück Normalität wieder", sagt Ewaldine Schwarz und es hilft der Caritas einen Teil der Fixkosten zu decken. Einkaufen können hier Menschen mit Berechtigungsschein. "Im Bereich Bad Säckingen sind das 2000, im gesamten Kreis 7000 Menschen", schätzt Bernhard Gampp. Betroffen sind Alleinerziehende, aber auch Familien und Senioren.

Aktionsangebote: Auch die gibt es im Mutter-Kind-Ladens (MuKL) der Caritas in Bad Säckingen.
Aktionsangebote: Auch die gibt es im Mutter-Kind-Ladens (MuKL) der Caritas in Bad Säckingen. | Bild: Olheide, Monika

Spender sollten auch an die älteren Kundinnen denken und auch hinsichtlich der Kleidergrößen ist die Bandbreite groß. Besonders gefragt: ab 44 aufwärts. Neben der Möglichkeit Sachspenden zu den Öffnungszeiten der Tafel, am besten nach vorheriger Absprache, abzugeben, werden auch immer ehrenamtliche Helfer gesucht.

MUKL in Bad Säckingen, Hotzenweg 8. Öffnungszeiten: Dienstag 10 bis 12 Uhr, Mittwoch 14 bis 16 Uhr, Freitag 10 bis 12 Uhr.

MUKL in Waldshut-Tiengen, Bergstraße 67. Öffnungszeiten: Montag, Donnerstag und Freitag 9 bis 12 Uhr, Dienstag 9.30 bis 11 Uhr, Mittwoch 13.30 bis 15:30 Uhr.

Dritte Anlaufstelle: Das Frauenhaus

Auch das Frauen- und Kinderschutzhaus des Kreises Waldshut hat immer wieder Bedarf an Sachspenden. Ich rufe an. Was wird gebraucht? "Wir benötigen immer wieder Dinge, da die Frauen und Kinder zum Teil nichts dabei haben, wenn sie zu uns kommen. Oder aber, wenn Frauen uns verlassen und ein eigenes Leben aufbauen. Auch dann sind Spenden sehr willkommen", erzählt mir eine Mitarbeiterin. Allerdings kann das Frauenhaus Spenden nicht lagern, darum sollte jeder Spendenwillige sich vorher zu den Bürozeiten erkundigen, was gerade gebraucht wird. Zum Zeitpunkt meines Anrufs war es Kleidung für ein fünfjähriges Mädchen. "Was wir immer auf Lager haben sind ein paar T-Shirts, Sweatshirts, Hosen und bequeme Schuhe für die Mütter", sagt die Mitarbeiterin. Mit beidem kann ich leider nicht dienen, das Gespräch war dennoch nicht vergebens.

Die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen sind von 8.30 bis 16 Uhr unter 07751/3553 zu erreichen.

Weitere Anlaufstellen für Spendenwillige:

Der DRK-Kleiderladen in Waldshut

Dem Angebot der Caritas ähnlich ist der DRK-Kleiderladen in Waldshut. Das große Angebot zu kleinen Preisen entsteht durch die Kleiderspenden, welche direkt beim Rotkreuzhaus angegeben werden. Nur gut erhaltene und saubere Haushaltstextilien sowie Hosen, Jacken, Hemden, Blusen, Pullis und T-Shirts, Schuhe und Leibwäsche, Mäntel, Skianzüge und vieles mehr werden beim Roten Kreuz angenommen und sortiert, um dann neuen Besitzern Freude zu machen. Ein Teil der Ware wird auch in Notfällen verschenkt.

Der DRK-Kleiderladen in Waldshut, Fuller Straße 2, ist immer freitags von 14 bis 16 Uhr geöffent.

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Das Second-Hand-Kaufhaus in Tiengen

Am Ende meiner Liste steht das Second Hand Kaufhaus. Solche Einrichtungen des PVD gibt es unter anderem in Waldshut, Tiengen, Radolfzell und Lörrach. Letzteres kenne ich sogar. Hier habe ich vor einiger Zeit vier tolle Teller mit Blumenmuster gekauft. Nicht, weil ich ein Sparfuchs bin, sondern weil mich das Thema Nachhaltigkeit tatsächlich schon seit meinem Studium beschäftigt. Wer nicht glaubt, dass gebraucht und hochwertig sich nicht ausschließen muss, dem sei ein Besuch im Second-Hand-Kaufhaus, beispielsweise in Waldshut-Tiengen nahegelegt. Das Angebot ist riesig, es umfasst Kleidung, Möbel, aber aiuch Haushaltsgeräte und Elektronik. Der Clou bei diesem Kaufhaus: Nicht nur der Kunde spart, sondern auch den Mitarbeitern, die häufig bereits sehr lange arbeitslos waren, wird eine Zukunft gegeben. Einkaufen darf hier jeder. Auch Nachhaltigkeitsfans wie ich.

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Die PVD (Produktion, Vertrieb und Dienstleistungen) in der Tiengener Schulze-Delitzsch Straße 2 ist ein Zweckbetrieb des AGJ-Fachverbandes für Prävention und Rehabilitation in der Erzdiözese Freiburg und ein Dienstleistungsunternehmen der Caritas. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 9 bis 17.30 Uhr und Samstag 9 bis 13 Uhr.

Mein Fazit

Ich bin tatsächlich viele überflüssige Dinge losgeworden. Was mich erschreckt hat? Einerseits die große Nachfrage, mit der ich nicht gerechnet hätte, andererseits Schilderungen der Verantwortlichen, die berichteten, dass Leute teilweise ihren Müll abladen, oder Dinge in wirklich schlechtem Zustand bringen. Für mich und unsere Schränke ist die Spendenaktion ein wirklich befreiendes Gefühl! Noch besser ist allerdings, dass unsere Sachen bei Menschen ankommen werden, die sie wirklich brauchen. Ein Gewinn für alle Seiten.