In der ersten Strafkammersitzung des Kreisgerichts Waldshut des Jahres 1867 mussten sich am 15. Januar drei Männer aus Ühlingen wegen Schmuggels verantworten. Im Alb-Bote schrieb darüber jener heute unbekannte Autor, dessen Gerichtsberichte wegen ihrer satirischen Randbemerkungen damals höchst unterhaltsamer Lesestoff waren.

Der Rhein macht kuriose Biegungen

"Wir leben an einer weithingestreckten Grenze in unserem Waldshuter Kreis", begann die – in Teilen gekürzte – Geschichte, "und macht der Rhein kuriose Biegungen, so macht die Grenze noch viel kuriosere, und es dünkt uns, es wäre an den ersteren, d.h. an denen des Rheins, gerade genug gewesen. (...) Und wo Grenze, da Zoll, wo Zoll, da Zöllner und wo Zöllner, da gibt's auch deren Gegenfüßler, nämlich Schmuggler, alles nur von wegen der Grenze. (...) Bei unserem Strafkammerfall waren die beiden Brüder Vincenz und Jakob Schnitzer und Salomon Probst, samt und sonders von Ühlingen, der Unterschlagung von Eingangszoll, verbunden mit einer tätlichen Widersetzung gegen das Zollpersonal angeklagt. Es handelte sich um zwei Schmuggelzüge, den ersteren führten die beiden Schnitzer am 17. Juni 1866 aus (...) und wollten eine Partie Zucker (33 Pfund) und Kaffee (66 Pfund) zollfrei, wie sonst nur die Gedanken und ähnliche kurze Waren sind, aus der Schweiz herüberschaffen und dem Zoll einen Betrag von 10 Gulden, 10 Kreuzern unterschlagen."

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Bei Obereggingen stießen die Gebrüder auf zwei Grenzaufseher, "die ihnen tüchtig nach- und zusetzten, die Schmuggler stellten sich zwar mit ihren Prügeln drohend zur Wehr, aber die Anderen hatten die bessere Art von Prügeln – jene, die losgehen, also Schießprügel, und als damit erst gezeigt wurde, gaben die Schmuggler Fersengeld".

Zweiter Schmuggel in der Nacht

Danach schildert der Autor den zweiten Schmuggel, den alle drei Angeklagten zusammen Ende August 1866 mit eineinhalb Zentnern Zucker im Zolleinfuhrbetrag von 18 Gulden vom schweizerischen Hallau her unternahmen. "War der erste Fall in der frühen Morgendämmerung geschehen", lautete der Artikel weiter, "so war dieses Mal die späte Nacht Zeuge, aber zum Glück nicht der einzige, denn es kam noch ein Berittener dazu, der die Schmuggler verwischte. Es war der Berittene Brechtel von Stühlingen, der forsch auf sie losging; er wurde jedoch mit Prügeln empfangen (...) und erwiderte den Streich, der ihn auf die Schulter traf, mit einem Säbelhieb auf den Kopf des Probst, wurde nun aber von einem anderen Prügel auf den Backenknochen getroffen, und sodann von den Schmugglern, die sich zurückzogen, förmlich beschossen, d.h mit schweren Steinen beworfen, ans Knie getroffen, kampfunfähig gemacht, an der Verfolgung verhindert und für einige Tage dienstunfähig. Dies ist der kurze Verlauf der Geschichte".

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Laut Autor waren die Angeklagten im wesentlichen geständig, stellten allerdings ihren tätlichen Widerstand gegen die Grenzwächter in einem für sie sehr milden Lichte dar. "Dabei ist uns besonders Eines wunderlich vorgekommen", heißt es im Bericht, "denn wir haben bisher gemeint, an der Grenze gebe es bloß Grenzer und Schmuggler und nichts Drittes, notabene, wenn es sich um einen Schmuggelfall handelt, aber wir wurden vom Dasein einer dritten Art von Wesen belehrt: die Schmuggler halten nämlich jeden, der sie mit ,Halt! Grenzaufseher' anschreit, für einen Privaten, der sie unberechtigterweise verleiten will, ihre Waren abzulegen, um sich dann in deren Besitz zu setzen! So erklärten es wenigstens die Angeklagten, warum sie sich nicht auf das erste Anrufen stellten, sie meinten, sie hätten es bloß mit solch einem Privaten zu tun gehabt. Es ist auch bekanntlich immer ärgerlich, wenn man, sei es bei was für einer Gelegenheit auch immer, angeschrien wird", schloss der Autor süffisant.

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Die Schmuggler wurden tatsächlich nur wegen Hinterziehung des Einfuhrzolls verurteilt: Der einschlägig vorbestrafte Jakob Schnitzler zu 200 Gulden Geldstrafe und acht Monaten Gefängnis, sein Bruder Vincenz zu 100 Gulden und sieben Monaten Gefängnis sowie Salomon Probst zu 100 Gulden und fünf Monaten Gefängnis.