Viel getrunken und dann gestritten hatten sich die beiden. Nur diese Information war zunächst von Kripo und Staatsanwaltschaft zum Motiv des Beziehungsdramas zu erhalten, das sich auf dem Waldshuter Aarberg abspielte und im März vor 25 Jahren für Schlagzeilen sorgte. „Der Mann holte die Pistole aus einem Schrank“, schilderte der Oberstaatsanwalt den Tathergang, „schoss auf die Frau und tötete sich selbst mit einem Schuss in den Kopf.“ Das blutige Ende eines wohl eher banalen Streits konnten sich Verwandte und Bekannte des Paares, er 40, sie 43 Jahre alt, nur mit einer Kurzschlusshandlung des Mannes erklären. Sie schilderten das Zusammenleben des Paars, das seit fünf Jahren gemeinsam in einer Zweieinhalbzimmer-Wohnung in der Bergstadt lebte, als eine „ganz normale Beziehung“.

Alkohol spielt fatale Rolle

Der 40-Jährige sorgte für den Lebensunterhalt, arbeitete auf dem Bau und war zuletzt bei einer Heizungsbaufirma tätig. Es habe ihn sehr betroffen gemacht, als seine Freundin vor einigen Monaten erkrankte und sich einer Operation unterziehen musste, wurde weiter geschildert. Er habe sich deshalb oft besorgt gezeigt. Wenn da nur nicht der Alkohol gewesen wäre, beklagten Verwandte und Bekannte. Zwar habe seine Arbeit nicht darunter gelitten, doch manchmal sein Verhalten in seiner Freizeit. Er sei dann leicht reizbar gewesen. So wie an dem fraglichen Abend, einem Samstag. Die beiden tranken miteinander und gerieten nach einigen Gläsern in Streit. Niemand konnte sich – außer mit dem Begriff Kurzschlusshandlung – auch nur annähernd erklären, was den 40-Jährigen zum Schuss auf seine Freundin bewegte. Noch eher begreifbar war für sie die Selbsttötung, „denn als er annehmen musste, sie getötet zu haben, sah er wohl keinen anderen Ausweg mehr.“

Die von dem Schuss in Hals und Rachen schwer verletzte Frau konnte sich zur Wohnungstüre schleppen und sie öffnen. Doch ihre Rufe wurden entweder nicht gehört – oder wollten in der Anonymität des Wohnblocks nicht gehört werden. Schließlich gelang der Verletzten gegen 21 Uhr ein Anruf bei der Polizei. Jetzt kam Hilfe.