Die öffentliche Aufbahrung eines Toten wird im Englischen als „Public Viewing“ bezeichnet, der Deutsche versteht darunter die TV-Übertragung eines Fußballspiels auf Großbildleinwand im Freien. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland kam das Rudelgucken ganz groß raus. Von diesem Spektakel, auch „deutsches Sommermärchen“ genannt, war bei der Weltmeisterschaft vor 25 Jahren noch nichts zu merken. Zwar gab‘s im Juni 1994 schon von Waldshuter Lokalen in der Kaiserstraße aufgestellte Großleinwände, über die dann in der Zeitung zu lesen war: „Lokale übertragen live, und manchmal schaut sogar jemand zu.“

Kein Public-Viewing-Fieber

Na ja, das Public-Viewing-Fieber hatte damals noch keinen echten Fußball-Fan gepackt, denn der guckte sich das Spiel lieber zu Hause vor dem Fernseher an, mit Kumpeln und einer Kiste Bier. Weshalb die Leute in den Straßenwirtschaften nicht zum Fußballgucken gekommen waren, sondern wegen eines kühlen Blonden oder einem Eisbecher. Wenn nebenbei ein Fernseher das Ballgeschehen zeigte, war es gut, aber nicht Bedingung.

Spiel Deutschland gegen Spanien

Wie am Abend des 21. Juni 1994 vor der „Alten Post“. Auf der Großleinwand, die damals noch klein war, läuft das Spiel Deutschland gegen Spanien. Man guckt hin, weil‘s sich bewegt und stöhnt verhalten, als Goicoechea sein Tor zum 0:1 schießt, das kurz nach der Halbzeitpause Jürgen Klinsmann per Kopf zum 1:1 ausgleicht, wobei es bis zum Abpfiff bleibt.

Matthias Sammer selbstkritisch

Im Spielbericht in der Zeitung ist anderntags zu lesen, dass der „23-jährige Regisseur der Elf des FC Barcelona ungestört seine Kreise zog und mit Andreas Brehme seine Spielchen trieb“. Was ihm nicht nur mit dem Verteidiger der deutschen Elf gelang, sondern auch mit Matthias Sammer, der damals noch selber kickte und selbstkritisch einräumte, nicht den besten Tag erwischt zu haben.

Pep Guardiola trainiert FC Bayern

Bei dem spanischen Nationalspieler handelte es sich um einen Mann namens Josep Guardiola – ja, um genau den. Der von 2013 bis 2016 als Pep Guardiola den FC Bayern trainierte und dem bei jedem Sieg der damalige Sportvorstand Matthias Sammer um den Hals fiel. Solche Schicksalswendungen sind halt im Fußball möglich.