Das Schweizer Dorf Full gegenüber Waldshut stand unter Wasser und in Säckingen ergossen sich die Fluten ins alte Rheinbett, was die Altstadt kurzzeitig zur Insel machte. Im September des Jahres 1852 wurden die Städte und Dörfer am Hochrhein von einem Hochwasser riesigen Ausmaßes heimgesucht. In Säckingen übertraf die Hochwassermarke am 18. September 1852 den Höchststand des Jahrhunderthochwassers vom Mai 1999 um mindestens einen Meter.

Der Rhein steigt in die Höhe

"Das Regenwetter am 16., 17. und 18. September hatte eine sehr große Ausdehnung", informierte der Alb-Bote mit Datum vom 20. September 1852, "namentlich berichtet man hierüber gleichmäßig aus ganz Süddeutschland, der Schweiz und Frankreich. In der Schweiz fielen ungeheure Regenmassen, wodurch alle Flüsse und Bäche angeschwellt wurden. Der Rhein stieg infolgedessen und ganz besonders durch den gewaltigen Zufluss der Aare plötzlich zu einer Höhe, die wohl selbst die vom Jahre 1842 übertraf. Besonders stark war der Flutenandrang zu Säckingen. Dort brach der Damm oberhalb der Stadt und die Wassermassen ergossen sich unaufhaltsam in das alte Rheinbett, sodass Säckingen plötzlich eine Insel geworden war. Heute (20. September 1852) war der Rhein bereits acht Fuß (ein Fuß = 30 Zentimeter, Anmerkung der Redaktion) gefallen und wieder in sein altes Bett zurückgekehrt."

Familien müssen mit Kähnen gerettet werden

"Auch in der Waldshuter Gegend hat die Überschwemmung großen Schaden angerichtet", informierte der Alb-Bote in seinem Bericht über die Hochwasser-Situation oberhalb von Säckingen. "Auf der Straße nach Dogern war das Wasser über 4 Fuß hoch, sodass dieselbe am 18. September nicht passiert werden konnte. Der gegenüberliegende Schweizerort Full stand ganz im Wasser und mussten noch mehrere Familien mit Kähnen aus ihren Häusern geholt werden."

Laufenburger Brücke muss gesichert werden

Weiter geht es in dem Artikel vom September 1852 um die "Laufenburger Brücke, deren hoch- und weitgespannte Bogen kaum mehr die Fluten durchlassen konnten. Ihr drohte nicht geringe Gefahr, sodass man genötigt war, dieselbe teilweise mit Steinen zu beschweren und das Sperrwerk mit Ketten zu sichern. Dass alle Gewässer des oberen Rheingebiets verheerend ausgetreten sein müssen, beweist die Masse von Gegenständen, welche auf den Wogen daher trieben: Brenn- und Bauholz, entwurzelte Bäume, ja sogar Teile von Häusern. Die Landstraße bei der Post in Laufenburg/Baden wurde etwa 7 bis 8 Fuß hoch überflutet, sodass der Verkehr für die Fußgänger mit Kähnen hergestellt werden musste. In mehreren Wohngebäuden in beiden Laufenburg wurden die Keller, Stallungen und die unteren Stockwerke ganz unter Wasser gesetzt. Abends etwa um 4 Uhr stand der Rhein am höchsten."

Rheinwasser richtet verheerende Schäden an

Aus den Berichten von der Lage am Oberrhein ging hervor, dass "das Rheinwasser bei Basel und Hüningen bedeutende Verheerungen anrichtete, zu Hüningen zerriss die Flut die Brücke und trieb die einzelnen Teile derselben zum Teil weit fort". In Kehl erreichte das Hochwasser seinen höchsten Stand am 19. September 1852, die Rheinbrücke konnte nicht mehr passiert werden. "Das Wasser strömte mit solcher Gewalt gegen die Stadt Kehl", heißt es im Artikel vom 20. September, "dass große Bäume in der Nähe des Zollamts-Gebäudes entwurzelt, eingerammelte Laternenpfosten und Gartenmauern eingerissen wurden. Heute früh, 6 Uhr, ist ein Wachsen des Rheins nicht mehr sichtbar, allein auch ein Fallen des Wassers kaum bemerklich. Der Schaden an den Wasserbauten und Privateigentum ist beträchtlich. Der Verkehr ist noch unterbrochen."

Bewohner irren obdachlos herum

"Die Verheerungen, welche durch das Hochwasser des Rheins und seiner Nebenflüsse angerichtet wurden", berichtete der Alb-Bote am 22. September aus Straßburg, "kommen erst jetzt zur Kenntnis des Publikums. Auf der ganzen Ausdehnung vom Oberelsass längs des Rheins und des Kanals wurde die Uferpromenade auf eine Weise heimgesucht, wie es seit Menschengedenken nicht der Fall war. Obdachlos irrten die Bewohner ganzer Ortschaften während mehrerer Tage herum. In einem einzigen Dorfe stürzten zwanzig Häuser zusammen".