Waldbesucher sollen aufmerksam sein

„Lebensgefahr im Wald durch Sturmschäden“, davor warnt das Forstamt der Stadt Waldshut-Tiengen in einer Mitteilung. Aufgrund des Unwetters in der Nacht auf Mittwoch seien viele Bäume umgestürzt und beschädigt worden. Es werde mehrere Wochen dauern, die Schäden aufzuarbeiten. Das gilt nicht nur für den städtischen Wald in Waldshut-Tiengen, sondern auch entlang der Rheinschiene und in Richtung Wutöschingen, erklärt Kreisforstamtsleiter Helge von Gilsa. Noch gebe es keine vollständige Lageeinschätzung, doch die Schäden sind offensichtlich. Laut Mitteilung der Stadtverwaltung besteht aktuell durch herunterfallende Äste oder umstürzende Bäume akute Lebensgefahr im Wald. Von Gilsa rät Waldbesuchern, auf den Wegen zu bleiben und sich in den nächsten Wochen nicht in die Bestände zu begeben. „Alle Kräfte sind mit dem Aufräumen beschäftigt, aber das dauert eine Weile“, erklärt der Kreisforstamtsleiter. Auch die Stadt rät, beim Waldbesuch äußerst aufmerksam zu sein und betroffene Gebiete am besten ganz zu meiden.

Campingplätze stellenweise verschont

Auf dem Campingplatz am Waldshuter Rheinufer wurden zahlreiche Zelte abgeknickt und teilweise weggeweht. Auch Wohnwägen haben sich bis zu 20 Zentimeter von ihrem ursprünglichen Standort entfernt. Viele der Camper haben die Nacht im Empfangsgebäude verbracht, dessen Dach einige Ziegel verloren hat. „Die Schäden haben wir schon größtenteils beseitigt“, erklärt Sonja Bier, Besitzerin des Rhein-Campings. Einer der betroffenen Gäste ist Jakob Gautschi aus Aarau (Schweiz).

Das Vordach seines Wohnwagens hat es aus der Verankerung gerissen und auf die Straße befördert. „Es kam einem Hurrikan gleich“, erzählt er. Deutlich glimpflicher lief der Sturm dagegen auf dem Campingplatz in Gurtweil ab, der direkt am Wald liegt. Alle Zelte haben die Nacht unbeschadet überstanden, keine Äste sind abgebrochen und kein Baum ist umgefallen. Richtlinien, wie ein solcher Campingplatz auf Extremwetterlagen vorbereitet sein muss, gibt es nicht. Heidi Schulz, Inhaberin der Anlage, hatte erst kürzlich eine Firma beauftragt, die Bäume zu überprüfen und sichern zu lassen.

Landwirtschaft mit teils hohen Schäden

Die landwirtschaftlichen Betriebe am Hochrhein mussten auf ihr Glück vertrauen. Nicht alle hat das Unwetter in gleichem Maße getroffen. Oswald Tröndle, Kreisvorsitzender des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbands, erklärt hierzu: "Sturm und Starkregen macht den Anbaukulturen normal nichts aus. Wenn man sich jedoch genau im Zentrum einer Unwetterzelle befindet, können die Schäden beträchtlich ausfallen." Einer dieser Leidtragenden ist Markus Uhlenbrock-Ehnes von der Gemüsegärtnerei Eulenhof in Dogern. „Wir gehen von einer Schadenssumme im fünfstelligen Bereich aus“, sagt er. Das Dach eines Gewächshauses wurde zur Hälfte abgedeckt, Zuckermais und Salatköpfe wurden vom Hagel beschädigt. Erschwerend kommt hinzu, dass der Eulenhof nicht versichert ist. Markus Uhlenbrock-Ehnes erklärt das so: „Wir legen etwa 50 Kulturen pro Jahr an und müssten jede einzeln versichern. Der Aufwand wäre viel zu hoch. Zudem würden wir in den unwetterfreien Jahren mehr Prämien einzahlen, als wir im Schadensfall von der Versicherung wieder zurückbekommen. Das rechnet sich nicht.“

Zeltlager hat einen Notfallplan

Am Waldrand im Schmitzinger Tal sind derzeit rund 20 Tipizelte aufgebaut. Wie jedes Jahr verbringt der Förderkreis Ferienzentren aus dem Freiburger Raum dort ein Jugendcamp mit rund 120 Teilnehmern zwischen zwölf und 18 Jahren. Auch in der Sturmnacht waren sie dort. „Wir haben das Gewitter voll mitbekommen. Wir hatten bis etwa 1 Uhr Betreuerrunde und sind dann über den Platz gerannt, um überall nach dem rechten zu schauen“, erklärt Anna Winzer vom Küchen-Team. Bei ihnen ging alles glimpflich aus, nur in ein oder zwei Zelte hat es reingeregnet. Das Unglück in Rickenbach, bei dem ein Jugendlicher ums Leben kam, war nach einer schlaflosen Nacht Gesprächsthema bei den Jugendlichen. „Die Geschäftsführung hat den ganzen Morgen mit besorgten Eltern telefoniert“, berichtet Winzer. Auf der Homepage findet sich seit der Unwetternacht ein Hinweis, dass ihnen nichts passiert sei.“Wir haben natürlich einen Notfallplan, zum Beispiel, dass wir die Zelte verlassen und in der Hütte schlafen“, erklärt Anna Winzer. Auf Korsika, wo sie ebenfalls Camps anbieten, sei das schon häufiger vorgekommen.

Nur geringe Schäden bei Stadtgärtnerei

Der städtische Baumbestand hat aufgrund des Unwetters stark gelitten. Auch wenn die Untersuchungen noch in vollem Gange sind, kann Stadtgärtnereileiter Bernd Kramm bereits jetzt eine erste Einschätzung abgeben: "Bei ungefähr 30 der gärtnerisch gepflanzten Bäumen liegt ein Totalschaden vor, diese müssen schnellstmöglich gefällt werden." Weitere 100 bis 150 Bäume weisen kleinere Schädigungen auf. Die Stadtgärtnerei selbst blieb weitestgehend verschont. Alle Gewächshäuser seien noch intakt, lediglich die Pflanzen im Außenbereich hätten sich aufgrund des Hagelsturms leichte Blattschäden zugezogen, so Kramm.