Kreis Waldshut Neugeborenes gestorben: 23-Jährige muss sich wegen Totschlags verantworten

Die Verhandlung wegen Totschlags gegen eine 23-jährige Frau hat begonnen. Der Frau wird vorgeworfen, bei der heimlichen Geburt ihres Kindes dessen Tod in Kauf genommen zu haben. Die Leiche des Kindes wurde von der Mutter der Beschuldigten in einer Sporttasche entdeckt.

In der Nacht zum 22. Juli 2016 starb im Keller eines Wohnhauses in einer Schwarzwaldgemeinde ein Neugeborenes. Die Staatsanwaltschaft wirft der Mutter vor dem Waldshuter Schwurgericht vor, sie habe das Mädchen nach verheimlichter Schwangerschaft bewusst sterben lassen. Die heute 23-Jährige bestreitet das Geschehen nicht, kann sich aber an Einzelheiten nach eigener Aussage kaum erinnern.

Über die Anklage wegen Totschlags verhandelt die Große Strafkammer unter dem Vorsitzenden Richter Martin Hauser an vier Tagen bis zum kommenden Mittwoch. Oberstaatsanwalt Christian Lorenz geht davon aus, dass die Auszubildende ungewollt schwanger geworden war, ihren Zustand vor Familie und Freunden verheimlichte und in jener Nacht die Niederkunft spürte. Sie zog sich in den Keller des Hauses, in dem sie mit Angehörigen lebte, zurück. Dort gebar sie zwischen 3.30 und 7 Uhr eine 1,4 Kilogramm schweres Mädchen, schnitt mit Schere oder Messer die Nabelschnur durch, so die Strafverfolger. Ohne jede Versorgung starb das Neugeborene nach etwa einer halben Stunde. Die Angeklagte steckte die Leiche zuerst in einen Müllsack, dann in eine schwarze Sporttasche, die sie im Haus aufbewahrte.

Über eine Woche später machte die Mutter der Beschuldigten eine schreckliche Entdeckung und berichtete einem Arzt von dem blutigen Fund. Freunde brachten die kleine Leiche nach Freiburg in die Universitätsklinik. Die Mutter der Angeklagten hatte die Sporttasche entdeckt, als sie deren Zimmer aufräumte: Die Tochter lag längst in der Uniklinik, weil sie tags nach ihrer Frühgeburt zusammengebrochen war und anfangs in lebensbedrohlichem Zustand schwebte. Dem wahren Hintergrund der Krankheit waren die Mediziner auf der Spur, als sie bei der Patientin einen ungewöhnlich hohen Spiegel an Schwangerschaftshormonen fanden.

Psychiatrisches Gutachten folgt

Bei sofortiger Hilfe hätte das Neugeborene eine Überlebenschance von 95 Prozent gehabt, so die Staatsanwaltschaft, die ihre Anklage stark auf medizinische Gutachten stützt. Drei Sachverständige sowie die Expertise des psychiatrischen Gutachters Volker Dittmann werden am dritten Sitzungstag am kommenden Montag, ab 9 Uhr, erwartet.

Die Angeklagte, die im Hochschwarzwald aufgewachsen, sagte zur Person und zur Sache aus. Die junge Frau, die sich seit Jahren um einen beruflichen Start bemüht, hatte bei einer Kur in Bayern 2010 einen jungen Mann kennengelernt, den Vater des späteren Opfers. Fünf Jahre später frischte sie selbst den Kontakt über ein soziales Netzwerk wieder auf. Als der Freund sich bei der jungen Frau im Hochschwarzwald einquartierte, waren weder die Mutter noch die Freundin glücklich mit dem Mann, der nichts zum Familieneinkommen beitrug, laut der Angeklagten aber von morgens bis abends kiffte und auch sie selbst zu einem "extremen" Canabiskonsum verleitet habe.

Die 23-Jährige will von dem Ex-Partner heute nichts mehr wissen. Mit der Frage des Staatsanwalts, ob das Paar in der sexuellen Partnerschaft nie über Verhütung nachgedacht habe, fühlte sich die Angeklagte wie bei vielen anderen Detailfragen "überfordert".

Am ersten Tag ging das Gericht auch der Frage nach, wie die Überlebenschancen des Kindes bei sofortiger Reaktion der Mutter gewesen wären. Der Leiter der Rettungsleitstelle stellte fest, dass in der verhängnisvollen Nacht Notarzt und Rettungswagen in zehn Minuten vor Ort gewesen wären. Der Rettungshubschrauber wäre bei dieser Sachlage schon vom Disponenten parallel angefordert worden.

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