Erstmals stellten die Literaturstipendiaten ihre vom Land Baden-Württemberg prämierte junge Literatur vormittags im Schloss Bonndorf vor. Kristina Nenninger (44) und Julia Rothenburger (29) lasen aus ihren Debütromanen, während Tibor Schneider (40) und Mikael Vogel (44) teils befremdliche, dadaistische Lyrik vortrugen. In Bonndorf starteten sie vor knapp 30 Besuchern ihre Lesereise, die sie nach Karlsruhe und Stuttgart führt. Kulturreferentin Susanna Heim stellte sie vor und sprach kurz mit ihnen.

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Kristina Nenninger aus Freiburg las aus „Warum läuft Kind C. Amok?“ Das narzisstische Kind Carla wird später eine blutige Tat begehen. Sie sei dabei – so Nenninger – durch die antike Mythologie von Herostratos angeregt worden, der durch eine große Tat berühmt werden wollte. Dies habe sie ins Heute übertragen. Schnell ist man von ihrer bildreichen, eindringlichen Sprache („Selbst die Wolken frieren“) gefesselt.

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Julia Rothenburg aus Berlin las aus „Koslik ist krank“. Es spielt im Uni-Klinikum Freiburg, wo sie sich in einen 42-Jährigen versetzt, der dort schlaganfallgefährdet eingeliefert wurde. Es geht ihr – aufgrund eigener Erfahrungen – um die Parallelwelt im Krankenhaus, wo Koslik zum Nachdenken über sein Leben gezwungen wird. Es kommt zur Begegnung mit einem früheren Bekannten. „Ich will im Schreiben das Leben erforschen“, sagt sie. Mit der anschaulich vorgetragenen Passage weckt die Autorin bei den Zuhörern Neugier.

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Tibor Schneider aus Kroatien machte es dem Zuhörer schwer, wegen seines Akzents, den englischen Begriffen und dem schnellen Vortrag: Er liest Gedichte aus „Zimt für Deutschland“, einer Mischung aus Esprit, Dada und Nonsens: „Ich mache Sprachexperimente und will Stimmung erzeugen und provozieren“, sagt er. „Ob man dabei verstanden wird, ist nicht so wichtig.“

Mikael Vogel aus Bad Säckingen lebt heute in Berlin. Er las Lyrik aus „Dodos auf der Flucht“. Es geht ihm dabei – ernsthaft und engagiert – um vom Aussterben bedrohte Tierarten: „Dafür habe ich sechs Jahre recherchiert.“ Die Zuhörer sind sichtlich beeindruckt von diesen so unterschiedlichen Stimmen in der jungen Literatur und spenden lebhaft Beifall.