Das Fahrwasser wird ruhiger, aber noch gibt es viel zu tun, um das Spital Waldshut so aufzustellen, dass es ein attraktiver Arbeitgeber und zugleich ein Unternehmen wird, das schwarze Zahlen schreibt. Dies soll, so die Prognose von Klinik-Geschäftsführer Hans-Peter Schlaudt, bereits 2020 der Fall sein. Inzwischen ist auch der Jahresabschluss 2015 genehmigt, der damaligen Geschäftsführung wurde allerdings keine Entlastung erteilt. In Waldshut stehen jetzt 303 Betten zur Verfügung, eine Genehmigung zur Aufstockung auf 350 Betten liegt vor. In den nächsten Jahren müssen etwa 25 Millionen Euro investiert werden.

<em>"Wir wollen den Patienten, die sich auf ihrer letzten Reise befinden, bewusst keiner Veränderung in Form eines Zimmerwechsels aussetzen, da dies zusätzlich Stress und Ängste auslösen kann."</em> <strong>Hans-Peter Schlaudt</strong>, Geschäftsführer der Spitäler Hochrhein GmbH
"Wir wollen den Patienten, die sich auf ihrer letzten Reise befinden, bewusst keiner Veränderung in Form eines Zimmerwechsels aussetzen, da dies zusätzlich Stress und Ängste auslösen kann." Hans-Peter Schlaudt, Geschäftsführer der Spitäler Hochrhein GmbH | Bild: Dana Coordes
  1. Wie sieht die wirtschaftliche Prognose der Spitäler Hochrhein GmbH aus? Für dieses Jahr rechnet Geschäftsführer Hans-Peter Schlaudt mit einem Verlust in Höhe von 2,7 Millionen Euro. Dieser soll sich 2019 auf 764 000 Euro verringern. Aber ab dem Jahr 2020 rechnet Schlaudt mit einem Überschuss. Für 2020 in Höhe von 788 000 Euro.
  2. Der Jahresabschluss für das Jahr 2015 ist inzwischen testiert, die Gesellschafter verweigern der damaligen Geschäftsführung jedoch die Entlastung. Warum? Laut Hans-Peter Schlaudt gibt es keinen konkreten Verdacht gegenüber der damaligen Geschäftsführung. Allerdings halte man sich so die Möglichkeit offen, die damals Verantwortlichen gegebenenfalls noch in Haftung nehmen zu können. Immerhin schnellte der Verlust der Spitäler Hochrhein GmbH von knapp sechs Millionen Euro in 2014 auf 14,6 Millionen Euro in 2105 geradezu explosionsartig in die Höhe. Die begutachtenden Wirtschaftsprüfer haben den Jahresabschluss 2015 indes für gut befunden.
  3. Wieviel Kosten verursacht der Standort Bad Säckingen aktuell? Für dieses Jahr rechnet die Klinik-Leitung mit Kosten in Höhe von 600 000 Euro. Unter anderem für einen 24-Stunden-Wachdienst, Hausmeistertätigkeiten und Unterhaltskosten. Zum Jahresende 2018 soll das Gebäude an den Landkreis übergehen.
  4. Wieviele Mitarbeiter aus Bad Säckingen sind nach Waldshut gewechselt? Von den 198 Mitarbeitern am Standort Bad Säckingen seien inzwischen 141 am Standort Bad Säckingen beschäftigt, bis Ende April seien es 139, so Hans-Peter Schlaudt gestern gegenüber Medien.
  5. Funktioniert die Integration der Bad Säckinger Mitarbeiter? Aus Sicht des Klinik-Chefs ja. Er sagt: „Die Integration ist gut gelungen, sodass die angebotenen Hilfestellungen seitens des Betriebsrates und der Integrationsgruppe nur schwach genutzt wurden.“ Er sei grundsätzlich sehr zufrieden, wie die Schließung vonstattengegangen sei. Schlaudt: „Die Mitarbeiter leisten eine super Arbeit – vom Arzt bis zur Reinigungskraft.“
  6. Wie ist die Sicht der Klinik-Leitung auf den Gesundheitscampus in Bad Säckingen? Grundsätzlich sei der Campus auch wichtig für die Patientenversorgung in Waldshut. Die Menschen, so Schlaudt, müssten erkennen, dass im Landkreis eine gute Medizin gemacht werde. Inwieweit sich die Spitäler GmbH an dem Campus einbringen, sei noch offen. Schlaudt: „Ich weiß aktuell zu wenig über den Inhalt der bisherigen Gespräche.“ Die Spitäler hätten sich bislang noch nicht in das Konzept einbringen können. Er habe erst gestern Vormittag ein Gespräch mit Vertretern der Bad Säckinger Beratungsgesellschaft Göc gehabt, die den Gesundheitscampus auf den Weg bringen soll. Schlaudt stelle jedoch klar, dass die Notaufnahme „nicht zu unseren Kernkompetenzen gehört“.
  7. Was passiert im Spital Waldshut? Insgesamt müssten rund 25 Millionen Euro in die Ertüchtigung investiert werden, so Schlaudt. Insbesondere was die digitale Ausstattung anbelangt, liege man zehn Jahre hinter anderen Häusern zurück. Ziel sei es, das Spital in drei Jahren voll digitalisiert zu haben. Hierzu gehöre auch ein digitales Patienten-Informationssystem. Schlaudt: „Wichtig ist uns, dass die Stagnation ein Ende hat und sich die Arbeitsbedingungen verbessern.“ Auch die innerbetrieblichen Prozesse sollen effizienter werden.
  8. Was passiert außer der Digitalisierung sonst noch? Bis August soll die vom Gesetzgeber geforderte Sanierung des Hubschrauber-Landeplatzes abgeschlossen sein. Für zwei Monate wird der Landeplatz ins Kaitle verlegt. Die sogenannte Liegendzufahrt zur Notaufnahme wird überdacht. In der Notaufnahme wird ein zweiter Schockraum (für lebensrettende Sofortmaßnahmen) eingerichtet, da die Zahl der Patienten massiv zugenommen habe.
  9. Was ändert sich in absehbarer Zeit noch für Mitarbeiter und Patienten? In der Notaufnahme werde ein neuer Wartebereich für Patienten eingerichtet. Außerdem im Werden seien ein Labor und ein Medikationsraum. Auch soll die Intensivstation ausgebaut werden. Aktuell gebe es dort sechs Beatmungsplätze und insgesamt neun Betten.
  10. Wie sieht es mit der Kritik an den Zuständen in der Notaufnahme aus? Die unmittelbar nach dem Spital-Zusammenschluss aufgetretenen „gehäuften Beschwerden“ seien rückläufig.
  11. Wie sieht die personelle Ausstattung aus? Im Bereich der Pflege gebe es aktuell 20 freie Stellen, bei den Ärzten seien sieben Stellen nicht besetzt.
  12. Das heißt, das Krankenhaus muss weiterhin mit sogenannten Leasing-Ärzten arbeiten. Was kosten diese? Je nach Verantwortlichkeit und Disziplin koste ein Leasing-Arzt das Zwei- bis Dreifache eines klassisch angestellten Arztes.
  13. Bekommt das Spital eine Babyklappe? Ja, die Vorbereitungen liefen, so Hans-Peter Schlaudt.