In Dirndl und Lederhose durch Reykjavik marschieren und ein Platzkonzert geben? Den Allerwenigsten dürfte dies im Leben passieren. Es sei denn, man ist Mitglied im Verbandsjugendorchester Hochrhein. Dann ist vieles möglich, wovon andere nur träumen. Alle zwei Jahre geht das Orchester mit seinen rund 65 Musikern im Alter von 15 bis 28 Jahren zusammen mit Dirigent Julian Gibbons auf Tournee. In Weißrußland, Norwegen, Kanada, Malta und vielen anderen Ländern war das Orchester schon.

Grüße nach Zuhause: Das Verbandsjugendorchester Hochrhein im isländischen Nationalpark Pingvellir, rund 40 Kilometer östlich von Islands Hauptstadt Reykjavik.
Grüße nach Zuhause: Das Verbandsjugendorchester Hochrhein im isländischen Nationalpark Pingvellir, rund 40 Kilometer östlich von Islands Hauptstadt Reykjavik. | Bild: Orchester

Im Zuge guter Kontakte zu isländischen Musikern war die Wahl auf Island gefallen. 14 Tage lang war das Verbandsjugendorchester Hochrhein im August in Akureyri und Reykjavik. "Unser Programm bestand aus Proben, tollen Ausflügen in die Natur und Konzerten", erzählt Julia Huber, Mitglied und stellvertretende Vorsitzende des Verbandsjugendorchesters. Untergebracht waren die jungen Musiker in Hostels, günstigen Unterkünften in der Art von Jugend-Herbergen, die letzte Nacht vor dem Rückflug in Gastfamilien.

Bei ihren Konzerten spielten sie vor großem Publikum unter anderem im modernen Reykjaviker Konzerthaus Harpa. Star Wars, einen isländischen Marsch und das Badnerlied spielten sie dabei gemeinsam mit isländischen Musikern. Sogar im isländischen Fernsehen und Radio waren die jungen Musiker, weil sie auf einem Wanderweg in den Reykjaviker Bergen den Müll eingesammelten, den Touristen zurückgelassen hatten. Als Dankeschön bekamen sie eine heiße Schokolade und Kuchen.

Bei den Ausflügen stand die bekannte Golden Circle Tour im Mittelpunkt. Sie führte in den Pingvellir Nationalpark, zu einem Wasserfall und zu heißen Quellen, in denen gebadet und geschwitzt wurde, während draußen bei etwa zehn Grad Winterkleidung ein Muss war. Auf Temperaturen nie über 20 Grad und teilweise unter zehn Grad hatte sich das Verbandsjugendorchester in Island einstellen müssen. Ende August ging es wieder nach Hause. "Solche Tourneen unterstützen die Gemeinschaft und bringen uns musikalisch weiter", sagt Julia Huber.

Durch Aktionen des Orchesters und großes Engagement seines Fördervereins, durch Crowdfunding, großzügige Spenden hiesiger Unternehmen und mit Zuschüssen vom Verband und der Deutschen Bläserjugend konnte der Eigenanteil der jungen Musiker an den Tourneekosten auf ein akzeptables Maß gesenkt werden. Wohin es in zwei Jahren geht, ist noch offen. Jetzt stehen erst einmal zwei große Auftritte auf dem Programm. Nach den umjubelten Konzerten des Verbandjugendorchesters Hochrhein in Waldshut und Stühlingen, spielt es weitere Konzerte am kommenden Samstag ab 20 Uhr in der Wehrer Stadthalle und am Sonntag, 11. September, ab 17 Uhr in der Pfarrkirche St. Leodegar in Schliengen.

Das Orchester

Das Verbandsjugendorchester des Blasmusikverbands Hochrhein wurde 1986 gegründet. Junge begabte Mitglieder aus den Musikvereinen im Verbandsgebiet – größtenteils ist dies der Landkreis Waldshut – spielen im Orchester. Seit 1996 leitet es der aus England stammende Julian Gibbons. Vorsitzender ist Benedikt Vogt. Ziel ist es, junge und begabte Musiker zu fördern und ihnen die Möglichkeit zu geben, anspruchsvolle Literatur in einem sinfonischen Blasorchester zu spielen. Der Förderverein "pro VJO" mit seinem Vorsitzenden Philipp Rau unterstützt das Orchester bei seinen Aktivitäten.