Im Notfall zählt jede Minute. Höchstens 15 dürfen in Baden-Württemberg ab dem Eingang des Notrufs vergehen, bis Ersthelfer vor Ort sind. Trotz immer besserer Ausrüstung wird es für die Notdienste aber immer schwieriger, diese gesetzlichen Hilfsfristen einzuhalten. Staatssekräter Wilfried Klenk, zuständig für das Rettungswesen und die Feuerwehren im Land, sieht auf absehbare Zeit keine endgültige Lösung für das Problem, wohl aber Ansätze. Auf Initiative der Landtagsabgeordneten Sabine Hartmann-Müller referierte und diskutierte er im Feuerwehrgerätehaus Kaitle mit angehörigen der Rettungsdienste über die Zukunft des Rettungswesens.

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Das größte Problem sei der Fachkräftemangel im Haupt- und im Ehrenamt, so Klenk. Im Landkreis Waldshut seien besonders Notärzte, immer öfter aber auch Rettungssanitäter vom Personalmangel betroffen. Zudem äußere sich immer stärker ein gesellschaftlicher Wandel im Sinne abnehmender Wertschätzung für Rettungsdienste. Das berichten vorrangig die Freiwilligen Feuerwehren: Wo früher Bagatellen wie qualmende Mülleimer noch selbst gelöscht wurden, alarmiere die Bevölkerung heute selbst für Kleinigkeiten die Feuerwehr, beklagte Kreisbrandmeister Dominik Rotzinger. Dabei seien es gerade die Feuerwehren, die zukünftige Feuerwehrleute mittels Jugendarbeit bereits im frühen Kindesalter mit dem Ehrenamt in Kontakt bringen.

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Klenk resümierte dennoch mit positivem Ausblick: „Das Rettungswesen in Deutschland und in Baden-Württemberg ist nicht so schlecht, wie sein Ruf“, sagte der Staatssekretär. Vielerorts könnten die zur Einhaltung der Fristen fehlenden Minuten durch Optimierungen im Betriebsablauf herausgeholt werden. Zudem wolle man sich auf die organisatorische Kooperation auch über Landesgrenzen hinweg konzentrieren. Darüber hinaus seien Gutachten, zum Beispiel im Bereich Luftrettung, in Auftrag gegeben und bundesweit einheitliche Planungen eingeleitet worden. Sein Appell an die Bevölkerung lautet, in minderschweren Notfällen zunächst den Hausarzt und nicht gleich den Notruf zu alarmieren, um die Kapazitäten von Rettungskräften zu entlasten.

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An der Diskussion beteiligten sich Waldshuts Krankenhaus-Chef Hans-Peter Schlaudt, der auf den Personalmangel in Kliniken aufmerksam machte sowie Gerhard Pfeifer, Kommandant der Feuerwehr Stühlingen. Er verwies auf den organisatorischen Aufwand und fehlende Fördermittel, mit denen Wehren wie die in Stühlingen mit ihren zehn Abteilungen zu kämpfen haben.

Staatssekretär Wilfried Klenk referierte zum Thema „Zukunft des Rettungswesens“ vor Angehörigen der Waldshuter Rettungsdienste im Feuerwehrgerätehaus Kaitle.
Staatssekretär Wilfried Klenk referierte zum Thema „Zukunft des Rettungswesens“ vor Angehörigen der Waldshuter Rettungsdienste im Feuerwehrgerätehaus Kaitle. | Bild: Peter Rosa