Überweisungsträger aus Bankbriefkästen im Kreisgebiet entwendet, gefälscht und wieder eingeworfen, hat ein 26-Jähriger, das sieht das Amtsgericht Waldshut als erwiesen an. In 15 Fällen gingen so gut 14 500 Euro nicht auf die korrekten Empfängerkonten, sondern auf die Konten verschiedener Personen, sogenannter Finanzagenten in Brandenburg. In 19 Fällen erfolgten die Überweisungen nicht, weil die Unstimmigkeiten von den Banken bemerkt wurden oder das Geld rechtzeitig zurückgebucht werden konnte.

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Der Angeklagte gestand die Taten ein, blieb aber bis zuletzt dabei, sie alleine verübt zu haben. Das Amtsgericht Waldshut sah es hingegen als erwiesen an, dass weitere Personen beteiligt waren. Zwei Jahre und drei Monate muss der 26-Jährige deshalb wegen erfolgten und versuchten banden- und gewerbsmäßigen Betrugs und banden- und gewerbsmäßiger Urkundenfälschung ins Gefängnis. Er muss außerdem die Schadenssumme zurückzahlen und die Kosten des Verfahrens tragen. „Es steckt kriminelle Energie dahinter, so etwas über einen längeren Zeitraum zu organisieren, das sind keine Peanuts“, sagte Richterin Maria Goj in ihrer Urteilsbegründung.

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Die Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre und sechs Monate als angemessene Strafe angesehen, die Verteidigung auf zwei Jahre zur Bewährung plädiert. Die Straftaten ereigneten sich im Zeitraum von Juli bis Dezember 2018 im Kreisgebiet. Der Angeklagte gab an, nach der ungeordneten Beendigung eines Arbeitsverhältnisses in der Schweiz in Schwierigkeiten geraten zu sein und auch Drogen genommen zu haben. Ein Zusammenhang zwischen den Drogen und den Straftaten schloss allerdings der Sachverständige vom Zentrum für Psychiatrie in Emmendingen mit Sicherheit aus.

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Eine Kriminalhauptkommissarin des Polizeikommissariats Waldshut-Tiengen wurde in dem Verfahren als Zeugin gehört. Nach ihrer Aussage hätten die Ermittlungen der Polizei klar ergeben, dass entgegen der Aussage des Angeklagten, mehrere Personen gemeinsam die Straftaten begangen hätten. Hierfür wurden als Beweismittel auch Bilder einer Überwachungskamera vorgelegt. Zur Vorgehensweise sagte die Hauptkommissarin, dass die Täter Überweisungsvordrucke aus dem Internet ausgedruckt und von Hand oder mit dem Computer neue Empfängerdaten eingetragen hätten. Eine der beteiligten Personen hätte die Unterschrift gefälscht. Danach seien die Überweisungsträger wieder an verschiedenen Ort in die Briefkästen der betreffenden Banken eingeworfen worden.

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Der Angeklagte selbst machte keine Angaben zum genauen Vorgehen. Er sagte auch nichts Konkretes über die Notlage, in der er sich zum Zeitpunkt der Straftaten befunden haben will. „Es ist sicher, dass er bedroht wurde, er muss Angst gehabt haben, er hatte Schulden, aber man weiß nicht, bei wem“, sagte die Hauptkommissarin. Diese Notlage war ein Grund, warum die Strafe deutlich unter dem geforderten Strafmaß der Staatsanwaltschaft geblieben war.