Kreis Waldshut Mit der Gründung der Waldgenossenschaft Südschwarzwald wird dem Kartellrecht genüge getan

Die Waldgenossenschaft Südschwarzwald wird gegründet. Sie übernimmt künftig die Vermarktung von Holz aus den Wäldern der Mitglieder. Zum Vorsitzenden wurde Bürgermeister Adrian Schmidle aus Murg gewählt.

In den Räumen der genossenschaftlichen Volksbank Hochrhein wurde ein wichtiges Kapitel des Umbruchs in der Waldwirtschaft besiegelt. Mit der Gründung der Waldgenossenschaft Südschwarzwald wurden die Wege zu einer kartellkonformen Holzvermarktung für Kommunen und Privatwaldbesitzer geebnet. Damit werden die Holzmengen gebündelt aus der ganzen Region Hochrhein und Südschwarzwald profitabel auf den Markt gebracht werden können. Von den 32 Städten und Gemeinden in der Region sind 27 beigetreten, von den 13 Forstbetriebsgemeinschaften elf.

Die Versammlung aus Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern des Landkreises sowie Mitgliedern der Forstbetriebsgemeinschaften zeigten zur Gründung der Waldgenossenschaft Südschwarzwald ihr einstimmiges Votum.
Die Versammlung aus Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern des Landkreises sowie Mitgliedern der Forstbetriebsgemeinschaften zeigten zur Gründung der Waldgenossenschaft Südschwarzwald ihr einstimmiges Votum. | Bild: Heidrun Glaser

In Anbetracht dieser, am Waldertrag ausgerichteten Genossenschaftsgründung überreichte der Hausherr, Vorstandsvorsitzender Joachim Mei, an Landrat Martin Kistler einen Holzapfel, als Symbol für die reichhaltig zu erwartenden Früchte aus dieser Gründung. Anwesend waren fast vollzählig die Bürgermeister des Kreises sowie zahlreiche Vertreter der Forstbetriebsgemeinschaften.

Ein Blick zurück macht deutlich, in welchem Dilemma sich die Waldbesitzer in der Grenzregion zur Schweiz befinden. Als Einzelkämpfer mit relativ geringen Holzmengen durch die kleinparzellierte und besitzzersplitterten Waldverhältnisse übertrugen die Gemeinden und die Privatwaldbesitzer die Holzvermarktung mit Durchführung der Gemeindereform Mitte der 70er Jahre an die Kreisforstverwaltung. Die Sägewerksbesitzer sahen sich dadurch jedoch einem kartellwidrigen Preisdruck ausgesetzt. „Durch die Gründung der Waldgenossenschaft Südschwarzwald treten wir nicht als verlorene einsame Wölfe, sondern künftig als schlagkräftiges Rudel auf“, betonte Landrat Kistler in seinem Plädoyer für die Genossenschaftsgründung.

Unter der Federführung von Kreisforstamtsleiter Helge von Gilsa und der Projektarbeitsgruppe unter der Leitung von Bürgermeister Adrian Schmidle aus Murg entstand das „Modell 74“, bei dem als Lösung für die Problemstellung der Kartellwidrigkeit die Gründung einer privatwirtschaftlich agierenden Genossenschaft als juristische Person empfohlen wurde. Die Bedingungen für eine erfolgreiche Teilnahme am Holzmarkt sind klar definiert, danach wird die Waldgenossenschaft organisiert. Es gilt, die Holzsortimente korrekt zu sortieren und aufzubereiten, sowie kontinuierlich zu gewünschten Mengen und Lieferterminen bereit zu stellen, professionelle unternehmerische Strukturen, sowie eine leistungsstarke Basis von mindestens 150 000 Festmeter Holzmenge pro Jahr zu bieten. Die bisherigen Landesbeamten und Angestellten werden nach wie vor auf der Besoldungsliste des Landkreises geführt und sind dienstrechtlich dem Landrat unterstellt. Durch die Zuweisung an die Waldgenossenschaft werden die Leistungen von dort an den Landkreis bezahlt, die Beamten und Angestellten sind der Waldgenossenschaft weisungsunterstellt.

Bürgermeister Adrian Schmidle (von links) unterzeichnet zusammen mit Landrat Martin Kistler das Gründungsdokument der Waldgenossenschaft Südschwarzwald, alle weiteren Mitglieder leisteten ebenfalls ihre Unterschrift. Kreisforstamtsleiter Helge von Gilsa hat federführend an der Gründung der Waldgenossenschaft mitgewirkt.
Bürgermeister Adrian Schmidle (von links) unterzeichnet zusammen mit Landrat Martin Kistler das Gründungsdokument der Waldgenossenschaft Südschwarzwald, alle weiteren Mitglieder leisteten ebenfalls ihre Unterschrift. Kreisforstamtsleiter Helge von Gilsa hat federführend an der Gründung der Waldgenossenschaft mitgewirkt. | Bild: Heidrun Glaser

Als Ziel wurde eine Steigerung der Holzmenge durch weitere Mitgliedschaften von 180 000 bis 200 000 Festmeter pro Jahr genannt. Die Waldgenossenschaft Südschwarzwald steht auch Forstbetriebsgemeinschaften oder Gemeinden außerhalb des Landkreises Waldshut offen, pro Festmeter Holz wird eine Vermarktungsgebühr von zunächst 2,50 Euro erhoben. Mit einer einmaligen Einlage von 2000 Euro können juristische Personen des privaten und öffentlichen Rechts und Personengesellschaften Mitglied werden, auch die Zeichnung von maximal zwei Geschäftsanteilen ist möglich. Privatpersonen ist die Mitgliedschaft verwehrt. Demzufolge hat sich Marion Frei, Bürgermeisterin der Gemeinde Dettighofen und Vorsitzende des Aufsichtsrats der Waldgenossenschaft Südschwarzwald für die Gründung einer Forstbetriebsgemeinschaft der privaten Waldbesitzer am Hochrhein stark gemacht: „Von Lauchringen bis Jestetten gibt es für die Privatwaldbesitzer keine gemeinschaftliche Struktur, somit können diese künftig ihr Holz quasi gar nicht mehr verkaufen, deshalb strebe ich die Gründung einer Forstbetriebsgemeinschaft Hochrhein an.“

Bürgermeisterin Marion Frei aus Dettighofen beabsichtigt die Gründung einer Forstbetriebsgemeinschaft für private Waldbesitzer am Hochrhein: "Von Lauchringen bis Jestetten gibt es für die Privatwaldbesitzer bislang keine gemeinschaftliche Struktur, somit können diese künftig ihr Holz quasi gar nicht mehr verkaufen."
Bürgermeisterin Marion Frei aus Dettighofen beabsichtigt die Gründung einer Forstbetriebsgemeinschaft für private Waldbesitzer am Hochrhein: "Von Lauchringen bis Jestetten gibt es für die Privatwaldbesitzer bislang keine gemeinschaftliche Struktur, somit können diese künftig ihr Holz quasi gar nicht mehr verkaufen." | Bild: Heidrun Glaser

Die Waldgenossenschaft

Die Struktur und Führung der Waldgenossenschaft Südschwarzwald:

Als Aufsichtsräte wurden einstimmig gewählt: Aufsichtsratsvorsitzende: Bürgermeisterin Marion Frei aus Dettighofen, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender: Friedholt Kaiser von der Forstbetriebsgemeinschaft Dachsberg, Schriftführer: Landrat Martin Kistler, Bürgermeister Thomas Kaiser aus Häusern, Christian Behringer von der Forstbetriebsgemeinschaft Grafenhausen, Reiner Hegar von der Forstbetriebsgemeinschaft Vorderer Hotzenwald und Eduard Walde von der Forstbetriebsgemeinschaft Weilheim.

Dieses Gremium der Aufsichtsräte wählte die Vorsitzenden der Waldgenossenschaft Südschwarzwald.

Vorsitzender ist Bürgermeister Adrian Schmidle aus Murg, stellvertretender Vorsitzender ist Ortsvorsteher Joachim Gförer aus Menzenschwand, er ist gleichzeitig der Vorsitzende der dortigen Forstbetriebsgemeinschaft; Geschäftsführender Vorsitzender ist Norbert Schwarz, er war bis dato der Leiter der Holzverkaufsstelle des Landkreises in Stühlingen.

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