Das Integrationsprojekt Mieterqualifizierung des Landkreises Waldshut wurde erstmals in Klettgau angeboten. Sechs Flüchtlinge absolvierten die Schulung, ihnen überreichte Bürgermeister Ozan Topcuogullari das Zertifikat über die Teilnahme.

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Schon Deutsche tun sich schwer, im eigenen Land eine bezahlbare Wohnung zu finden, ungleich schwerer haben es Flüchtlinge auf dem Wohnungsmarkt. Dabei sind es nicht nur die mangelnden Sprachkenntnisse, sondern auch fehlende Kenntnisse über die Pflichten und Rechte, die sich aus einem Mietervertrag ergeben, genauso wie mangelndes Wissen über das Verhalten als Mieter. Zudem hätten Vermieter Bedenken, geflüchteten Menschen eine Wohnung zu vermieten, berichten die Verantwortlichen.

Hilfe bei der Wohnungssuche

Um den Flüchtlingen hierzulande die Wohnungssuche zu erleichtern, sie für die eigene Wohnung fit zu machen, dafür hat das Amt für soziale Hilfen des Landratsamtes das Schulungsprogramm "Mieterqualifizierung" aufgelegt. In fünf Lernmodulen werden dabei Flüchtlinge von Integrationsmanagern geschult zu allen Themen, die die Miete einer Wohnung betreffen. Erstmals wurden sechs Flüchtlinge aus der Gemeinde Klettgau geschult.

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Sie kommen aus Syrien, Eritrea, Nigeria und Tschetschenien und wurden von dem Integrationsmanager Andreas Tenhagen unterrichtet. "Ich bin überrascht, wie toll der Kurs gelaufen ist", sagt er. Aber: "Noch suchen alle Teilnehmer eine Wohnung."

 

"Es geht um ein besseres Verständnis auf beiden Seiten"

Antje Maurer, Flüchtlingsbeauftragte des Landkreises Waldshut beim Amt für soziale Hilfen, Behinderten- und Altenhilfe, gibt Auskunft über das Sozialprojekt Mieterqualifizierung für geflüchtete Menschen.

Frau Maurer, was genau ist ein Integrationsmanager und welche Aufgaben hat er?

Die Integrationsmanager unterstützen Geflüchtete, die in einer Anschlussunterbringung oder in einer privat angemieteten Wohnung leben, also nicht mehr in den sogenannten Gemeinschaftsunterkünften beherbergt sind. Ziel des Integrationsmanagements ist es, die Integration von Flüchtlingen vor Ort zu unterstützen und damit den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern. Die daraus entstehenden Aufgaben sind sehr vielseitig. Grob zusammengefasst geht es darum, Bedarfe einzelner Personen zu erfassen, sie zu informieren, zu beraten und zu begleiten und gegebenfalls an die richtigen Stellen zu vermitteln.

Wie ist das neue Sozialprojekt Mieterqualifizierung angelaufen und wie wird es von den Flüchtlingen angenommen?

Da das Projekt gerade erst anläuft, hat bisher erst ein Kurs stattgefunden. Weitere Kurse werden gerade vorbereitet. Ziel soll aber sein, ein möglichst flächendeckendes Angebot zu machen. Das Thema "Wohnen" ist neben der Arbeitssuche das bedeutendste Thema für geflüchtete Menschen und ein wichtiger Schlüssel auf dem Weg zur Integration. Dementsprechend groß ist auch die Nachfrage.

Wo finden die Kurse statt?

Die Frage kann so nicht beantwortet werden, es kommt darauf an, wo welche Bedarfe ermittelt werden.

Haben sie aktuelle Zahlen über die wohnungssuchenden Flüchtlinge im Landkreis?

Gut die Hälfte der Geflüchteten, die entweder eine Aufenthaltserlaubnis haben oder seit 24 Monaten in einer Gemeinschaftsunterkunft leben, ist noch auf der Suche nach einer eigenen Wohnung.

Was sind ihrer Meinung nach die größten Hürden für Flüchtlinge, eine Mietwohnung zu finden?

Eine der Hürden sind sicher die Vorbehalte, die viele Vermieter haben. Es liegt auf der Hand, dass ein Mietverhältnis in Syrien oder einem afrikanischen Land nicht mit den hiesigen Gepflogenheiten übereinstimmen kann. Dies hat nicht nur kulturelle Hintergründe, sondern hängt auch beispielsweise mit anderen klimatischen Bedingungen zusammen. Genau aus diesen Gründen ist die Idee zur Mieterqualifizierung entstanden. Hier erfahren die Teilnehmer alles über die Pflichten und Rechte, die sie als Mieter haben. Andererseits werden sie aber auch im Lesen von Wohnungsanzeigen, Verstehen von Mietverträgen und Themen wie der Mülltrennung, dem Stromsparen, etc. geschult.

Vermieter haben oftmals Bedenken, ihre Wohnungen an Flüchtlinge zu vermieten. Sind Ihnen Fälle bekannt, wo solche Bedenken begründet sind oder waren?

Ich möchte hier nicht über mögliche Bedenken spekulieren. Vorbehalte kann man aus verschiedenen Gründen haben und mit diesen Vorbehalten sind ja nicht nur Flüchtlinge, sondern auch viele Stellensuchende oder Menschen mit geringem Einkommen konfrontiert. Deshalb geht es uns ja um Aufklärung und ein besseres Verständnis auf beiden Seiten – Vermieter und Mieter.