Der heiße Sommer setzt auch unserer Region zu. Zahlreiche Bäche und Flüsse sind durch die Trockenheit bedroht. Das Landratsamt Waldshut weist in einzelnen Gemeinden schon seit Wochen auf die geringe Wasserführung der Gewässer und die damit verbundene Einschränkung des Gemeingebrauchs hin. Besonders kleinere Gewässer seien betroffen.

Wasserstände nehmen kontinuierlich ab

"Die Wasserführung der Gewässer und damit die fisch- und gewässerökologischen Verhältnisse stellen sich im Vergleich zum Vorjahr (2017) deutlich schlechter dar", schreibt das Landratsamt. Nach Angaben des Amtes liegen die Abflüsse von Wutach und Steina derzeit noch knapp über dem statistischen mittleren Niedrigwasserabfluss, nehmen aber seit März (Steina) beziehungsweise Juni (Wutach) kontinuierlich ab. Die Alb liege gerade noch über den Niedrigwasserständen aus dem Zeitraum 1995 bis 2010.

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Pegelstand bei Hauenstein unter 600 Zentimetern

Die Wutach (Pegel Eberfingen) hatte voriges Jahr erst im Herbst die Marke von fünf Zentimetern unterschritten, dieses Jahr bereits im Juli. Beim Rhein (Pegel Hauenstein) gab es 2017 in den Sommermonaten keine Unterschreitung von 620 Zentimetern. Aktuell liege der dortige Pegelstand unter 600 Zentimetern.

Abpumpen von Wasser ohne Erlaubnis nicht zulässig

Das Landratsamt Waldshut weist ausdrücklich darauf hin, dass ein Abpumpen von Wasser ohne wasserrechtliche Erlaubnis nicht zulässig ist. Das Amt bestätigt die derzeit schwierige Situation für die Landwirtschaft: "Im Grünland ist die Situation besonders schwierig. Auf vielen Weiden muss momentan bereits Winterfutter zugefüttert werden und die Heuerträge waren insgesamt aufgrund der Trockenheit eher bescheiden. Sollte sich in den nächsten Tagen kein Regen einstellen, wird die Situation vor allem für die viehhaltenden Betriebe schwierig."

Jeder Einzelne trägt Verantwortung

Das Landratsamt weist auf die Verantwortung des Einzelnen hin: "Generell ist jeder Bürger verpflichtet, eine mit Rücksicht auf den Wasserhaushalt gebotene sparsame Verwendung des Wassers sicherzustellen, insbesondere nur bei Dämmerung und nicht bei direkter Sonneneinstrahlung zu gießen."

Umweltverbände schlagen Alarm

Auch die Umweltverbände sind alarmiert. Hauke Schneider vom Nabu Waldshut sieht die Gefahren der Erwärmung. "Die Fischpopulation wird mit dem Sauerstoff zu kämpfen haben. Kalte Hinterwasser und Sauerstoffanreichernde Wirbel in Flüssen und Bächen müssen bei Planungen noch mehr umgesetzt werden." Tiefe Gewässer, in die sich Fische bei Hitze zurückziehen können, würden zumeist fehlen. Ein regionales Ausweichen sei durch Verbauungen oder ungenügende Fischtreppen stark behindert. "Bachbeschattung und die Renaturierung von Vorflutern müssen weiter gefördert werden", so Schneider. Oft fehle es aber an der nötigen Kommunikation.

Tiere leiden besonders unter der Trockenheit

Yonca Thurner vom BUND Waldshut-Tiengen verweist auf den Klimawandel und das Ziel, die Erwärmung der Atmosphäre unter zwei Grad zu halten. "Alle Tiere, die mit der Umgestaltung der Agrarlandschaft, der Flurbereinigung und dem Pestizideinsatz ihren Lebensraum verloren haben, leiden besonders unter der Trockenheit." Yonca Thurner zeigt die Möglichkeiten des Einzelnen auf, etwas beizutragen. Eine naturnahe Gestaltung von Gärten mit kleinen Gewässern, Wildblumenwiesen und ohne Gift könne Abhilfe schaffen. "Das wichtigste im Augenblick ist, Wasser bereit zu stellen für Vögel, Insekten und Kleintiere, am besten in flachen Schalen auf dem Boden mit einem Stein drinnen."

Strategien für die Zukunft

Auf die Frage nach längerfristigen Strategien, um den Folgen des Klimawandels zu begegnen, antwortet das Landratsamt schriftlich: "Bei der Festlegung von ökologisch definierten Mindestwassermengen an Gewässerabschnitten, die durch Wasserkraftnutzung beeinträchtigt werden, wird dieser Aspekt berücksichtigt. Auch bei der Erteilung neuer wasserrechtlicher Erlaubnisse für Wasserentnahmen aus oberirdischen Gewässern, wird die Klimaveränderung berücksichtigt."