Kreis Waldshut Landkreis Waldshut gibt Studie zur Ärzteversorgung in Auftrag

Die Studie des Landkreises Waldshut über die Facharztversorgung wird mit Bürgermeistern und Ärzten vertieft. Im Kreistag gab es noch kein Patentrezept.

40 Prozent der Hausärzte im Landkreis sind eigentlich im Rentenalter. 14 Facharzt-Praxen sind derzeit nicht besetzt. Dem Nachfolge-Problem der niedergelassenen Ärzte geht derzeit auch der Landkreis nach, mit wissenschaftlicher Hilfe. Experten aus Tübingen und Lübeck trafen sich jüngst mit Ärztevertretern aus dem Kreis und Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden.

Ein Mediziner und drei Ärztinnen, die sich wissenschaftlich mit der ärztlichen Versorgung der Bevölkerung befassen, stellten den Kreisräten bei der jüngsten Sitzung in Görwihl eine Studie vor, die sich der Landkreis 68 000 Euro kosten ließ. Sie bekamen schriftlich Antwort von 835 Bürgern, mündlich von weiteren 1000 Bewohnern. Fazit: Die Bevölkerung fühlt sich von Hausärzten wohnortnah versorgt, bei anderen Fachärzten gibt es Wartezeiten von über einem Monat. Die Wahrnehmung der Bürger sei etwas schlechter als die tatsächliche Versorgung, meinte Landrat Martin Kistler, es gebe aber Sorgen mit Blick auf die Zukunft. Kreisrat Martin Albers vermutet, dass sich der Ärztemangel in den Köpfen festgesetzt habe, weil er in der öffentlichen Diskussion so präsent sei.

Ob der Kreis und die Gemeinden nach der Diskussion mit allen Betroffenen weiteres Geld in die Gewinnung von Ärzten investieren, blieb offen. Die Experten vom Institut für Allgemeinmedizin und Interprofessionelle Versorgung der Universität Tübingen und vom Institut für Allgemeinmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein/Campus Lübeck präsentierten den Kreisräten keine Patentrezepte, gaben aber Hinweise. So wäre für junge Ärzte die Unterstützung durch die Gemeinde bei fachfremden Arbeiten ein Anreiz, bis zur Ausgliederung der Administration aus der Praxis. Was Ärzte von der Niederlassung abhält, sei auch die Zunahme des Arbeitspensums: Der Patientenstamm nehme überall zu, eine Folge von Praxisschließungen.

Was also tun? Die Forderung mehrerer Kreisräte, mehr Medizin-Studenten zuzulassen, ist laut dem Experten nicht die Lösung: „Wir haben nicht zu wenig Ärzte, sie sind nur schlecht verteilt.“ In den Zentren gebe es keinen Mangel. Eine Verpflichtung für junge Ärzte, beim Berufsstart erst einmal fünf Jahre im ländlichen Raum zu arbeiten, wünscht deshalb Kreisrat Josef Klein (Freie Wähler).

Wie es eine Gemeinde wie Lauchringen schaffe, Ärzte anzuziehen, wollte Kreisrätin Sylvia Döbele (SPD) wissen. Kreisrat Thomas Schäuble (CDU), Bürgermeister von Lauchringen, berichtete: Er habe den Kontakt mit abgehenden Ärzten gesucht, für die Nachfolger trat dann die Kommune als Projektträger für ein Ärztehaus auf. Die Räume seien aber keinesfalls gratis zur Verfügung gestellt worden.

Was also tun? Er wolle ein „Wettbieten“ der Gemeinden um Arztsitze und Praxen verhindern, heißt es in der Sitzungsvorlage des Landrats. Doch sprachen sowohl Wissenschaftler wie Kreisräte auch von materieller Unterstützung. Die SPD-Kreisräte Karin Rehbock-Zureich und Alexander Guhl erwähnten Faktoren wie Familienfreundlichkeit und Kinderbetreuung als Anreize für Jungmediziner.

Hausärztemangel droht

Mit Hausärzten gilt der Kreis Waldshut noch als versorgt. Doch 40 Prozent sind laut Kreisverwaltung älter als 65 Jahre. Nach der Studie haben von 25 niedergelassenen Kassenärzten, die in den nächsten vier Jahren aufhören wollen, bisher nur vier einen Nachfolger. Als deutlich unterversorgt gilt das Kreisgebiet bei den Fachärzten für Psychiatrie.

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