Waldshut-Tiengen Kreistag: Höhere Tagessätze für Pflegeheim Jestetten

Das Pflegeheim Jestetten und die Krankenkassen haben sich auf eine Erhöhung der Tagessätze auf 3,52 Prozent geeinigt. Allerdings berichtete die Leiterin des Jestetter Plegeheims, Diane Grönow, im Sozialausschuss des Kreistages von harten Bandagen um Heimkosten. Sie sehe sich am Pranger der Krankenkassen, weil sie ihr Personal über tarifliche Verbesserungen informierte.

Kreis Waldshut (hjh) Wenn es um Personalkosten für Pflegekräfte geht, wird offenbar mit harten Bandagen gekämpft: Die Leiterin des Kreispflegeheims in Jestetten musste sich nach eigener Darstellung Vorwürfe der Kostenträger – sprich Krankenkassen – anhören, weil sie ihre Beschäftigten über die ausgehandelten Verbesserungen bei der tariflichen Einstufung informiert hatte.

Auf 3,52 Prozent Erhöhung der Tagessätze einigten sich Pflegeheim und Kassen für die nächsten zwölf Monate. Das sind rund 70 000 Euro mehr Erträge für das Alten- und Pflegeheim mit 85 Plätzen, freute sich Landrat Martin Kistler vor dem Sozialausschuss des Kreistags. Betriebsleiterin Diane Grönow war mit dem Verhandlungsergebnis nicht zufrieden. Allein für die Personalkostenentwicklung hätte sie vier Prozent Erhöhung gebraucht, stellte die Leiterin des Eigenbetriebs im Kreistags-Ausschuss fest. Als sie bei den Pflegesatzverhandlungen die tariflich ausgehandelten Verbesserungen angesprochen habe, sei sie von der Gegenseite gefragt worden, warum sie ihr Personal auf die Veränderungen aufmerksam gemacht habe. „Andere machen das nicht“, sei ihr vorgeworfen worden.

Nach der neuen Entgeltordnung können zum Beispiel Leitungskräfte besser eingruppiert werden. In den vergangenen Jahren hatte das Heim immer wieder unter der Abwanderung von Pflegekräften in die finanziell wesentlich großzügigere Schweiz gelitten. SPD-Kreisrätin Sylvia Döbele forderte angesichts des Verhaltens der Kassen einen „Aufschrei der Versicherten“.

Dass auch dieses Thema zwei Seiten hat, berichtete Sozialdezernentin Sabine Schimkat. Viele Bewohner können die Sätze nicht selbst bezahlen. Einspringen muss in der Regel der Kreis mit Sozialhilfe. Insofern belasten hohe Pflegesätze wieder den Kreishaushalt.

Zahlen: Laut den neuen Pflegesätzen stiegen in Jestetten ab Juni die Tagessätze für den Pflegegrad eins um 5,21 auf 41 Euro, beim höchsten Pflegegrad fünf um 2,35 auf 88,84 Euro. Für die Unterkunft werden jetzt 14,06 Euro berechnet (plus 48 Cent), für Verpflegung 11,56 Euro (plus 39 Cent) am Tag. Das Heim des Landkreises ist im Schnitt zu 97 Prozent belegt.

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